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Finca droht Zwangsversteigerung Boris Becker und der Garten der Früste


Die Finca war sein Jugendtraum: Wie auf der "Ponderosa" wollte sich Boris Becker in seiner Villa auf Mallorca fühlen. Doch sie bereitet ihm nichts als Ärger. Jetzt muss er sogar die Zwangsversteigerung verhindern.
Von Jens Maier

Der Hausherr führt persönlich durch das Anwesen: "Kommen Sie doch näher. Willkommen auf meiner Finca hier auf Mallorca", sagt Boris Becker stolz. In Jeans und Poloshirt präsentiert er sein Wohnzimmer mit dem marokkanischen Kamin, den üppigen Garten mit einem Orangenbaum, den er selbst gepflanzt hat, seinen Swimmingpool mit "olympischen Ausmaßen" und das Amphitheater, in dem er sich einen Auftritt von U2 erträumt. So prachtvoll residiert die einstige Tennislegende auf der Ferieninsel - lässt er die Zuschauer in dem Internetvideo auf "Boris-Becker.tv" glauben. Doch die Wahrheit ist, dass die Finca mit dem schönen Namen Son Coll (der Hügel) ihm nichts als Ärger bereitet.

Für den 28. September hat der Oberste Gerichtshof der Balearen die Zwangsversteigerung des Objekts angesetzt. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts stern.de. Grund dafür sei ein Rechtsstreit um die Forderungen einer Gartenbaufirma. Die spanische Gärtnerei Jardines Alfabia S.L. behauptet, das Anwesen jahrelang gepflegt zu haben, dafür aber nie bezahlt worden zu sein. Inzwischen sollen sich Rechnungen in Höhe von 276.162,48 Euro angehäuft haben, die Becker nicht beglichen haben soll. Die Firma klagte und bekam Recht. Bereits im März wurde Beckers Firma Goatbridge S.L., die den Landsitz betreibt, zur Zahlung verurteilt. Goatbridge legte Einspruch ein, woraufhin die Gartenbaufirma wiederum erfolgreich die Vollstreckung des Urteils beantragte. Folge: Das Haus soll unter den Hammer kommen.

Finca steht seit 2007 zum Verkauf

Kommt Becker die Zwangsversteigerung gerade recht? Immerhin versucht er bereits seit 2007, die Villa mit dem 265.000 Quadratmeter großen Anwesen loszuwerden. Im Portfolio des renommierten Immobilienmaklers Kühn & Partner wurde das Objekt, das keinen Meerblick bietet, als "märchenhaft und repräsentativ" angepriesen. Fotografen der britischen Sonntagszeitung "The Sunday Times Home" durften sogar eine Homestory mit Becker auf Mallorca machen - vielleicht auch in der Hoffnung, ein reicher englischer Geschäftsmann könnte Gefallen an der Nobelimmobilie finden. Doch alle Verkaufsversuche blieben bislang vergebens. Beckers Villa ist schwerer an den Mann zu bringen als das Schloss der Kelly-Family, das erst vor wenigen Wochen zwangsversteigert wurde.

Dabei war die Finca einst Beckers großer Traum. "Als Kind war ich großer 'Bonanza'-Fan. Wenn ich mal groß bin, träumte ich, will ich auch so eine Ponderosa", sagte er 1997, kurz nachdem er das Grundstück erstanden hatte, der Zeitschrift "Bunte". Zusammen mit seiner damaligen Frau Barbara ließ er das baufällige Gebäude komplett nach seinen Wünschen aus- und umbauen. Gästehäuser, mehrere Garagen und ein Poolhaus wurden errichtet, ein Tennis- und ein Basketballplatz durften ebenfalls nicht fehlen. Doch unbeschwerte Urlaube konnte Becker in seiner mallorquinischen Residenz nur wenige genießen. Denn schon kurz nach dem Erwerb begann der Ärger.

Becker kann Zwangsversteigerung noch verhindern

Nicht nur, dass der mehrfache Wimbledon-Sieger Streit mit den Behörden bekam, weil Teile der Anbauten zu groß geraten waren und wieder zurückgebaut werden mussten. Auch sein Traum vom Heim für seine Familie zerplatzte mit der Scheidung von Barbara Becker. "Ich hatte eine andere Lebensplanung, als ich sie bauen ließ. Eine Frau, eine Familie, mit der ich dort die Wochenenden und Ferien verbringen wollte", sagte er 2007 der Zeitschrift "Vanity Fair". Da hatte er die Begeisterung für die Finca längst verloren. Er verbrachte nur noch wenig Zeit auf Mallorca. Der Traum vom Leben auf dem Land war zum Alptraum geworden.

Dennoch will es der Hausherr nicht zur Zwangsversteigerung kommen lassen. "Ich möchte das Haus behalten, mein Herz hängt daran", sagte Becker in der aktuellen Ausagbe der "Bunten". Er werde deshalb die geforderte Summe bezahlen. Zeit dafür bleibt ihm bis zum Stichtag Ende September. "Wenn das Geld bis 11 Uhr eingegangen ist, kommt es nicht zur Zwangsversteigerung", bestätigte ein Sprecher des Gerichts. Was Becker danach mit der Villa anfangen will, ist allerdings unklar. Seinen Urlaub verbringt er schon jetzt viel lieber abseits des einstigen Traumhauses. Mit seiner neuen Ehefrau Lilly Kerssenberg und Sohn Amadeus ist er derzeit auf Ibiza. Ganz ohne marokkanischen Kamin, seinen selbstgepflanzten Orangenbaum und ohne Ärger mit den Behörden.

Mitarbeit: Jens Wiesner

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