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Interview: Was macht eigentlich Frank Zander?

Vor 20 Jahren landete der Berliner mit der Reibeisenstimme und dem für ihn typischen Sprechgesang einen Superhit mit dem Song "Hier kommt Kurt". 

Herr Zander, wie geht es Kurt?

Keine Ahnung! Kurt hieß ja in Wirklichkeit Alois. Vor knapp 20 Jahren habe ich ihn in einem Münchner Café gesehen. Plötzlich kam da ein braun gebrannter Typ mit Pferdeschwanz und langem, weißem Mantel hereingestürmt, haute der Kellnerin auf den Hintern und sagte so laut, dass es alle hören konnten: "Dein Geld bekommst du morgen!" Dann verschwand er wieder.

So jemanden kann man nicht vergessen!

Nein. Ein anderer Gast hatte mir dann erzählt, dass das Alois ist, ein Angeber, der nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Zurück in Berlin, habe ich "Kurt" erfunden - "ohne Helm und ohne Gurt".

Die Boulevardpresse nennt Sie noch heute manchmal "Blödelbarde". Ärgert Sie das nicht?

Gewaltig. Getoppt wurde das nur durch die Überschrift einer Lokalzeitung: "Blödelbarde hat ausgeträllert". Als ich das las, war ich stinkwütend.

Sie sind jetzt über 30 Jahre im Musikgeschäft. Macht das eigentlich noch Spaß?

Wenn man früher einen guten Song hatte, wusste man: Der verkauft sich auch. Heute ist das anders. Ob ein Song gut ist, interessiert die Plattenfirmen nicht. Was sie wollen, sind Künstler, die die Hosen runterlassen und den Leuten ins Gesicht rotzen. Die werden dann gepusht und in jede TV-Show reingedrückt.

Also keine Lust mehr?

Von wegen! Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen ist mein Leben. Anfangs, mit den Gloomys, bin ich zusammen mit Christian Anders und Ricky Shane durch die Lande gezogen. Wir haben in beschissenen Hotels gewohnt, jeder hat gerade 70 Mark am Abend verdient, aber das war egal. Es war ein aufregendes Leben: Jeden Tag in einer anderen Stadt, immer standen hübsche Mädels an der Bühne und haben uns bewundert. Klar lief da auch mal was.

Gab es da nicht Ärger zu Hause? Immerhin waren Sie damals schon verheiratet.

Und wie! Meiner Frau zuliebe hatte ich auch erst mal wieder aufgehört und in meinem alten Beruf als Grafiker gearbeitet. Aber nach einem Jahr ging mir der Job auf den Keks. Meine Frau merkte, dass ich immer deprimierter wurde, und sagte, ich solle lieber wieder Musik machen. Sie müsse sich ja keine Sorgen mehr machen, denn ich könne jetzt ohnehin nicht mehr auf Tournee gehen.

Wieso war sie sich da so sicher?

Ich hatte mir die Stimme versaut, trotz einer Mandelentzündung weitergesungen, bis ich keinen Ton mehr herausgebracht hatte. Seitdem klingt meine Stimme so rau und krächzend.

Doch mit der Reibeisenstimme kam der richtige Erfolg.

Stimmt. Es ist schon verrückt, noch heute mailen mir Jugendliche: "Hey Zander, du bist der Erfinder des Gothic in Deutschland!" Ich war halt der Erste, der hier düstere Gruselsongs mit schwarzem Humor gemacht hat.

2002 haben Sie das Bundesverdienstkreuz bekommen. Warum?

Seit 1995 organisiere ich jedes Jahr ein Weihnachtsfest im Berliner Estrel für 2500 Obdachlose und arme Menschen. Es gibt ein großes Essen, Show und Geschenke. Als Nächstes trete ich im Januar beim Biathlon-Weltcup in Antholz auf.

Und sonst …

… werde ich 2009 wie jedes Jahr zweimal Urlaub auf Ibiza machen. Ich habe dort eine Zweitwohnung, gehe viel segeln, treffe Freunde. Außerdem liebe ich die Sonnenuntergänge. Auf meiner Terrasse habe ich eine Webcam installiert, nehme 24 Stunden am Tag die schönsten Bilder auf.

Interview: Sabine Hoffmann / print
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