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Was macht eigentlich ...: ... Giorgio Cantarini?

Als Fünfjähriger spielte er in "Das Leben ist schön", dem Sensationserfolg des italienischen Regisseurs und Schauspielers Roberto Benigni - und rührte Millionen Menschen zu Tränen.

Giorgio, wer mit dir einen Film dreht, hat den Oscar so gut wie in der Tasche, oder?

Scheint fast so. Für meine beiden wichtigsten Filme gab es immerhin acht! Drei für "Das Leben ist schön", fünf für "Gladiator" mit Russell Crowe; im "Gladiator" war ich allerdings nur kurz zu sehen.

In "Das Leben ist schön" hast du dafür eine Hauptrolle gespielt. Die Oscars sind also auch dein Verdienst.

Natürlich. Klar hat Roberto Benigni den größten Anteil daran. Immerhin hat er ein ziemlich dickköpfiges Kind (mich!) erfolgreich angeleitet. Doch am Ende war ich es, der gute Arbeit abgeliefert hat. Wer weiß, vielleicht wäre es mit einem anderen Kind nicht so gut geworden.

Was meinst du mit "angeleitet"?

Er hat zum Beispiel Witzchen gemacht. Als ich mal müde war und nicht mehr drehen wollte, hat er nur gefragt: "Giorgio, was passt dir hier nicht? Ist es der Kerl da hinten?" Dann hat er auf einen Typen gezeigt. "Der gefällt dir nicht?" - "Nein, der gefällt mir nicht!" - "Also, weg mit dir dahinten!", schrie er dann, "Hau ab!" Ich musste lachen - und drehte weiter.

Wie ist dein Verhältnis zur Familie Benigni?

Damals habe ich ab und zu bei ihnen übernachtet. Ich war ein bisschen wie ihr eigenes Kind, habe "Babbo", Papa, zu Roberto gesagt. Nach Ende der Dreharbeiten haben wir uns ziemlich oft gesprochen, mit der Zeit wurde es aber weniger. Zu Ostern, Weihnachten und zum Geburtstag hat Roberto mir Geschenke geschickt. Einmal kam er sogar an Weihnachten vorbei.

Kinder können nicht zwischen Spiel und Fiktion unterscheiden. Wie hast du die Dreharbeiten wahrgenommen?

Wie ein Spiel. Gleichzeitig aber habe ich natürlich nicht alles kapiert, was da passierte, auch nicht, was ich da tue. Und einen Panzer wie in "Das Leben ist schön" wollte ich auch nie gewinnen.

Warst du je in einem echten KZ?

Nein, nie, aber es würde mich interessieren. Deshalb habe ich auch in der Schule vorgeschlagen, eines zu besuchen. Für mich wäre es sicher eigenartig, mir einerseits vorzustellen, was dort passiert ist - und mich gleichzeitig an die Pappkulissen des Film-KZs zu erinnern.

Hast du eine Filmrequisite aufbewahrt?

Den kleinen Spielzeugpanzer habe ich zu Hause. Und einen Oscar.

Eine Reproduktion?

Nein, einen echten. Einen für junge Künstler, der hat einen Stern in der Hand. Und dazu habe ich noch einen Oscar aus Schokolade bekommen.

Möchtest du mal Schauspieler werden?

Die Leute denken, man arbeitet als Schauspieler ein bisschen, wird berühmt und bekommt eine Menge Geld. In Wirklichkeit ist die Arbeit echt hart. Für mich ist es definitiv kein Traumberuf mehr. Klar, wenn mir jemand eine Hauptrolle in einem guten Film anbieten würde, würde ich nicht Nein sagen. Fernsehschnulzen habe ich bisher aber abgelehnt.

Was willst du dann mal machen?

Im Moment gehe ich in die Schule und spiele Fußball in der Oberliga in Lazio. Ich wäre gerne Profikicker. Für die Serie A reicht es wohl nicht, aber vielleicht für die dritte Liga. Oder aber ich werde Lehrer, ich glaube, das könnte mir gefallen.

Hast du heute noch was von deinen Filmerfolgen?

Ach, in meiner Heimatstadt Montefiascone ist es ab und an ganz nützlich. Wie gestern. Ich wollte meinen iPod von der Reparatur abholen. Das hätte 30 Euro für den Versand gekostet. Der Ladeninhaber sagte zu seinem Kassierer: Von ihm nimmst du nur 20 Euro!

Interview: Sandro Mattioli / print