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George Clooney: Vom Sexsymbol zum Aktionisten

Hin- und hergerissen fühlt sich George Clooney zwischen seinem Lotterleben als Hollywood-Beau und dem Ruf nach gesellschaftlicher Verantwortung. Politisch provokante Filme und saftige Spenden sollen sein soziales Gewissen beruhigen.

Der einst zum "sexiest" Mann in Hollywood gekürte George Clooney (44) hat Eitelkeiten abgelegt: Statt des charmanten Cary Grant-Lächelns setzt er in "Good Night, and Good Luck" dicke Brillengläser auf. In dem am Wochenende in den USA angelaufenen Polit-Film über den Kampf eines legendären TV-Moderators gegen die Hatz auf Kommunisten im Amerika der McCarthy-Ära tritt Clooney in einer Nebenrolle als blasser Fernsehproduzent auf.

Für den Polit-Thriller "Syriana", der Ende November in den USA startet, hat der Hollywoodstar sogar 15 Kilo zugelegt, sich einen Vollbart wachsen und den Haaransatz zurückversetzen lassen. Das frühere Sexsymbol, das als Arzt in der US-TV-Serie "Emergency Room" den Puls der Zuschauerinnen in die Höhe trieb und als lässiger Edelganove in "Ocean’s Eleven" und "Ocean’s Twelve" allen die Show stahl, ist jetzt auf Inhalte und Tiefgang erpicht.

Ärger mit politischen Gegnern

"Ich möchte Projekte machen, über die man debattieren kann", sagte der Frauenschwarm in einem Interview. Er sei an politischen Themen aus den 60er und 70er Jahren interessiert, an den Bürgerrechtskämpfen, dem Vietnamkrieg und der Frauenbewegung. Es sei an der Zeit, dass die Unterhaltungsindustrie wieder Fragen stellt.

Beim jüngsten Filmfest in Venedig ging die Rechnung prompt auf. Im September nahm der umjubelte Star für "Good Luck, and Good Night" den Preis für das beste Drehbuch entgegen. Der halb-dokumentarische Schwarz-Weiß-Film, den Clooney auch selbst inszenierte und mit produzierte, dreht sich um den Journalisten Edward R. Murrow. Dieser prangerte in den 50er Jahren mutig die Tyrannei der Schwarzen Listen in Hollywood an und die Machenschaften des von Senator Joseph McCarthy geführten Ausschusses für "unamerikanische Untriebe".

Wahlkampfhelfer der Demokraten

"Ich möchte auf diese Weise Leute daran erinnern, dass die Dinge, die damals Amerikanern widerfuhren, auch heute in ähnlicher Weise passieren", wurde Clooney von der Zeitung "USA Today" zitiert. "Eine Menge Ärger" von seinen politischen Gegnern könnte er sich auch mit seinem Auftritt als CIA-Agent in "Syriana" einhandeln, glaubt Clooney. Es ist die verfilmte Autobiografie des früheren US-Agenten Robert Baer, der seine Erfahrungen mit Öl-Geschäften, Terrorismus und politischen Intrigen schildert. Clooney setzt sich mit seiner Produktionsfirma Section Eight auch wieder als Produzent ein.

Mit seiner offenen Kritik an dem Irak-Krieg hat sich Clooney längst als einer der ultra-liberalen Hollywood-Prominenten geoutet. "Ich werde das Wort "liberal" so laut und so oft wie möglich sagen", versicherte Clooney, der sich darüber empört, dass "liberal" im konservativen Amerika zu einem Schimpfwort mutiert sei. Sein Vater Nick Clooney, ein Fernsehjournalist, habe ihn zum kritischen Denken erzogen. Daher sprang der prominente Sohn 2004 auch als Wahlkampfhelfer ein, als Vater Clooney sich als demokratischer Kandidat - allerdings vergeblich - um einen Sitz im Repräsentantenhaus des US-Kongresses bemühte.

Zwischen Lotter-Leben mit sozialer Verantwortung

Schon bei seinem Regie-Debüt 2003 mit dem Streifen "Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind" hatte sich Clooney um "intelligente Unterhaltung" bemüht. Die Mischung aus Spionage-Thriller und TV- Satire drehte sich um die amerikanische TV-Legende Chuck Barris, der Spielshows wie "The Dating Game" erfand und zugleich - wie Barris selbst behauptete - in den 60er und 70er Jahren als Profikiller für die CIA arbeitete. Als der Film im April 2003 auf der Berlinale vorgestellt wurde, hielt Clooney mit Kritik an seiner Branche nicht zurück. "Die zunehmende Niveaulosigkeit mancher TV-Unterhaltung macht mir Angst", hatte der Schauspieler gesagt.

Der Schauspieler, Aktivist und umschwärmte Besitzer zweier Luxusvillen am Comer See räumte in einem "Newsweek"-Interview ein, "eine seltsame Rolle" zu haben. "Ich will meinen Lebensstil, den ich sehr schätze, nicht aufgeben, aber ich empfinde eine soziale Verantwortung", beschrieb er sein Dilemma. Kürzlich hatte Clooney bekannt gegeben, als Investor ein Luxus-Casino in Las Vegas im Stil eines "klassischen Monte Carlo-Casinos" mit zu finanzieren. 25 Prozent des Profits soll in eine Anti-Armuts-Kampagne fließen. "Nur so kann ich damit leben, erfolgreich zu sein", sagte Clooney.

Barbara Munker/DPA / DPA