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Glenn Miller: Seit 60 Jahren vermisst

Die Umstände bleiben bis heute mysteriös: Weihnachten vor 60 Jahren wurde das Verschwinden des Band-Leaders Glenn Miller bekannt gegeben. Flugzeugabsturz oder Tod im Bordell?

Er war nicht nur ein sehr guter Posaunist, sondern gilt auch als "Vater des Swing" und der Bigband-Musik. Am 24. Dezember 1944 wurde das Verschwinden des US-amerikanische Ausnahmemusiker Glenn Miller offiziell bekannt gegeben. Ganze Generationen haben ihr Tanzbein zur Musik von Miller geschwungen. Stücke wie "Moonlight Serenade", "At Last" oder "In the Mood" machten den Bandleader weltberühmt. Dabei hat die Karriere des in Clarinda in Iowa geborenen Musikers recht unspektakulär angefangen.

Mit dem Melken von Kühen für zwei Dollar die Woche hatte sich Miller das Geld für seine erste Posaune zusammen gespart. Im Jahr 1926 erhielt der Posaunist sein erstes wichtiges Engagement in der Band von Ben Pollack, in der auch Benny Goodman mitspielte. Dort blieb er bis 1928, dann zog es Miller mit seiner Jugendliebe Helen Burger nach New York.

Dort versuchte er mehrmals erfolglos, seine eigene Band zu gründen. "1939 gruppierte Miller sein Orchester neu um und es kam der lang erwartete Durchbruch", sagt der Musikwissenschaftler Wolfram Knauer und Leiter des Darmstädter Jazz-Instituts. Miller wurde für die Sommer-Saison im Glen Island Casino New Rochelle in New York gebucht. Bis zum Ende der Saison hatte das Orchester alle Besucherrekorde gebrochen. Zwei weitere Engagements im selben Jahr führten dazu, dass die Plattenverkäufe in ungeahnte Höhen schnellten.

"Miller wollte vor allem Geld verdienen"

Mit seiner Musik hatte der Bandleader den Nerv der Zeit getroffen. Den typischen Glenn-Miller-Sound erzeugte eine Klarinette, die im Vordergrund platziert war. Tenor- oder Altsaxofone spielten dann dieselbe Melodie, nur eine Oktave tiefer als die Klarinette. Der Legende nach soll der Miller-Sound per Zufall entstanden sein. Während eines Auftritts soll sich der erste Trompeter an der Lippe verletzt haben, so dass die Klarinette die Trompetenstimme übernehmen musste.

"Glenn Miller entwickelte einen sehr sauberen Orchesterklang, in dem improvisierte Soli weniger wichtig waren als die eingängigen Arrangements", sagt Knauer. Zwar gehört die Swingmusik zu einem Randbereich des Jazz, Miller hatte jedoch immer erklärt, dass er keine typische Jazz-Band haben wolle. Für ihn war die Harmonie besonders wichtig. "Miller wollte mit seinen Melodien vor allem Geld verdienen", sagt Knauer.

Dies sollte der Glenn-Miller-Band auch gelingen. 1940 spielte das Orchester 10.000 Dollar in der Woche ein. "Die Zigarettenfirma Chesterfield brachte die Band in der populären CBS-Rundfunkshow unter", sagt Knauer. Dort traten Miller und seine Musiker drei Mal die Woche für insgesamt 45 Minuten auf, so dass das Orchester immer bekannter wurde.

Die von Miller komponierte Filmmusik "Chattanooga Choo Choo" konnte über eine Million Mal verkauft werden. Glenn Miller erhielt daraufhin die weltweit erste Goldene Schallplatte. Auch Hollywood meldete sich bei Miller. In dem Film "Sun Valley Serenade" spielt er mit seinem Orchester die Hauptrolle. 1942 meldete sich Miller freiwillig zur Armee, um die Moral der Truppe mit seiner Musik aufrecht zu erhalten und um den Soldaten ein Heimatgefühl zu vermitteln.

Flugzeugabsturz oder Herztod im Bordell?

Er wurde schließlich in England stationiert. Dort brach die Karriere jedoch jäh mit dem mysteriösen Tod des Musikers ab. Am 15. Dezember 1944 wollte Miller allein mit seinem Flugzeug nach Paris fliegen, um dort vor Soldaten zu spielen. Nach der offiziellen Darstellung kam das Flugzeug dort nie an. Amtlichen Quellen zufolge soll sich Eis auf den Tragflächen gebildet haben, das die Maschine über dem Ärmelkanal abstürzen ließ.

Militärhistoriker halten es auch für möglich, dass der "Vater des Swing" versehentlich von britischen Bombern abgeschossen wurde. Wenig schmeichelhaft ist die Version, der Musiker sei zwar heil angekommen, aber in den Armen einer Pariser Prostituierten den Herztod gestorben. Angeblich wollte das amerikanische Militär diese Todesursache verheimlichen, um die Moral der Truppe nicht zu gefährden.

Frank Leth / AP / AP
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