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"Punk-Fürstin": Was macht eigentlich ... Fürstin Gloria von Thurn und Taxis?

Schräge Frisuren und wilde Partys: In den 80er Jahren wurde sie zu Deutschlands berühmtester Adligen.

Interview: Sabine Hoffmann

Gloria von Thurn und Taxis: Was macht die Punk-Fürstin heute?

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, 57, bei einer Ausstellung von Porträts, die sie gemalt hat

Sie wurden einst mit hochtoupierten Haaren und schrillen Outfits berühmt. Einmal saßen Sie in einem Kleid mit Bärchenkragen bei "Wetten dass ..?". Was ist heute Ihr exzentrischstes Accessoire?

Ich habe noch allerlei lustige Klamotten. Die ziehe ich aber eher in New York oder Paris an. Hier in Bayern sieht das nach Kostümierung aus. Was dort völlig selbstverständlich daherkommt, wirkt hier aufgesetzt. Mein exzentrischstes Accessoire ist heute meine Harley. Mit der fahre ich auch gerne mal zur Kirche.

Haben Sie manchmal noch Lust, sich eine Starkstromfrisur zu föhnen?

Nein. Aber wenn ich dazu Lust bekomme, mache ich es auch!

Nach dem Tod Ihres Mannes Johannes übernahmen Sie 1990 mit 30 Jahren die Leitung des Hauses Thurn und Taxis, fanden sich in einer finanziellen Misere mit enormen Schulden wieder – und es gelang Ihnen, den Besitz zu sanieren. Was hat Ihnen geholfen, das alles zu bewerkstelligen?

Der feste Glaube, dass ich es mit der Hilfe Gottes schaffe, alle mir gestellten Aufgaben zu meistern. Ich habe gelernt, konzentriert eins nach dem andern zu erledigen und mit viel Geduld und Hingabe zu arbeiten.

Mittlerweile sind Sie Malerin und zeichnen Porträts von Menschen. Wie haben Sie entdeckt, dass in Ihnen eine Künstlerin steckt?

Wir sind als Kinder von unseren Eltern schon künstlerisch gefördert worden, so gab es nie Schwellenangst zu kreativen Aktivitäten. Ob Musik, malen oder Theater spielen, bei uns wurde das alles gemacht.

Auf Ihrer Website steht, dass die Bilder von Ihnen anhand einer Passbildvorlage angefertigt werden. Kann sich jeder von Ihnen porträtieren lassen?

Das kann ich leider nicht mehr machen, weil die Auftragslage dies nicht mehr zulässt. Das war nur am Anfang möglich.

Gloria von Thurn und Taxis: Die Maler-Fürstin
Hannah Herzsprung

Hannah Herzsprung

Sie halten auch Lesungen zur Mystik der mittelalterlichen Heilerin und Seherin Hildegard von Bingen. Weshalb liegt Ihnen dieses Projekt am Herzen?

Es ist ein schönes ruhiges, meditatives Programm. Ich reise gern zu den Menschen, und ich lese gern vor, deshalb ist das Hildegard-von-Bingen-Programm seit Jahren sehr erfolgreich. Wir sind meistens ausverkauft.

Derzeit finden bei Ihnen auf St. Emmeram die Schlossfestspiele statt. Am Wochenende wird als Stargast Sting auftreten. Bekommt er dann eine exklusive Schlossführung von Ihnen?

Wenn er das möchte, sehr gerne! Meistens brauchen die Künstler allerdings vor einem großen Auftritt Ruhe, um sich zu konzentrieren und die Show vorbereiten zu können.

St. Emmeram ist ein Prachtgemäuer mit 500 Zimmern und Sälen. Als eine der reichsten Deutschen: Haben Sie je selbst in der Hofküche ein Schnitzel gebraten?

Eine der reichsten Deutschen? Schön wär’s! Dafür verschlingt das Schloss viel zu viel Geld! Schnitzel kann ich leider nicht, aber Spaghetti koche ich gerne.

Im August 2015 sind Sie zum ersten Mal Großmutter geworden. Sind erste Anzeichen erkennbar, dass die kleine Mafalda Ihre wilde Seite geerbt hat?

Auf jeden Fall! Sie ist ein halber Lausbub, so wie ich es immer war.

Ihre Tochter Maria Theresia erwartet inzwischen ihr zweites Kind. Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Enkeln mit auf den Weg geben wollen?

Fest im Glauben stehen, treu zu Gott und Kirche. Dann kann eigentlich nix schiefgehen!