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Pietätlos oder richtig?: Bayern trauert, die Fürstin feiert

War da was? Die Bayreuther Festspiele wollen sich Gäste wie Gloria von Thurn und Taxis trotz Bluttaten in Bayern nicht nehmen lassen. Gut gelaunt posieren sie für die Kameras. Darf man das?

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Bestens gelaunt: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bei ihrem Bayreuth-Besuch

Die Flaggen wehen in Bayern auf Halbmast. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte bereits nach dem schrecklichen Amoklauf von München Staatstrauer angeordnet - aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen. Nach dem Terroranschlag von Ansbach hat Deutschland einen weiteren Grund zu Trauer und Bestürzung. Ein Land trägt Schwarz.

Trotzdem sind am Montag die Bayreuther Festspiele eröffnet worden. Allerdings ohne viel Tamtam und das übliche Schaulaufen vor dem ehrwürdigen Festspiel-Gebäude. Den roten Teppich hatten die Macher ebenso abgesagt wie den Staatsempfang nach der Aufführung. "Alles andere würden wir als geschmacklos und völlig unpassend empfinden", sagte Festspiel-Sprecher Peter Emmerich zu der Entscheidung.

Thurn und Taxis posiert lachend für die Kameras

Doch Gloria von Thurn und Taxis scheint das nicht so recht mitbekommen zu haben. Die Fürstin aus Regensburg braucht keinen roten Teppich, um sich in Szene zu setzen. Gut gelaunt und fröhlich winkend posierte sie in einem silbern-grün schimmernden Etuikleid und mit weißen Handschuhen für die Fotografen. Trauer? I wo!

Thurn und Taxis war nicht die einzige, die lachend auf dem nicht vorhandenen roten Teppich zu sehen war. CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl, die Hamburger FDP-Frau Katja Suding und "Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl und Freundin Lisa Schulz reihten sich in die Riege der gut gelaunten Opernfans ein.

Michaela May will ein Zeichen setzen

Ist ihr Verhalten pietätlos? Oder trotzen die prominenten Gäste damit bewusst Angst und Terror? "Man muss ein Zeichen setzen", sagt Schauspielerin Michaela May, die im aprikotfarbenen Sommerkleid auf den grünen Hügel kam. Sie komme eben trotz der Angst.

May war eine der wenigen Gäste, die mit ihrem Wagen am Festspielhaus vorfahren durfte. May ist wegen eines Unfalls derzeit gehbehindert und hatte ein Sonderrecht. Sonst gehört der ganz große Auftritt mit einer Limousine zum Bayreuth-Ritual. Darauf mussten die Wagner-Gänger in diesem Jahr verzichten.

Bei der Aufführung des Parsifals können sie sich dann in Eskapismus üben. Ganze viereinhalb Stunden - so lange dauert Wagners letzte Oper.

mai