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Goa-Partys: Rückkehr zur Hippie-Ekstase

Tagelanges Tanzen, exzessiver Drogenkonsum, wummernde Bass-Rhythmen und mystische Synthesizer-Klänge - alles fernab jeglicher Zivilisation. So genannte "Goa-Partys" ziehen in Deutschland tausende Anhänger an.

Sie heißen "VooV Experience", "Waldfrieden Wonderland" oder "Tshitraka", aufgelegt wird Psychedelic Trance, eine spezielle Richtung der elektronischen Musik: So genannte Goa-Partys ziehen an Sommerwochenenden regelmäßig mehrere hundert, zum Teil auch mehrere tausend Anhänger an. Gefeiert wird meist unter freiem Himmel mehrere Tage lang und in der Regel weitab von irgendwelchen Ortschaften und Wohngegenden. "Drei Tage und Nächte in der Lautstärke durchfeiern - da braucht man schon einen gewissen Abstand zum nächsten Ort", sagt Claus Baldauf, Redaktionsleiter der in Hamburg erscheinenden Szene-Zeitschrift "Mushroom Magazine".

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gelten als Hochburgen der deutschen Goa-Szene. "Dort gibt es einfach am meisten Platz", sagt Baldauf. In Brandenburg wurde in den vergangenen Wochen unter anderem nahe der Ortschaft Putlitz in der Prignitz gefeiert, auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Oder auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz Alt Daber im Landkreis Ostprignitz- Ruppin.

Rückkehr zur indischen Hippie-Romantik

Der Goa-Sound war Ende der 1980er Jahre in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa an der westindischen Küste entstanden, damals eine Hippie-Hochburg. Von dort aus schwappte die Musik schließlich auch nach Deutschland und Europa. Kennzeichnend für Goa oder Psychedelic Trance, kurz Psytrance, sind der im Schnitt rund 140 Mal pro Minute wummernde Bass und mystisch angehauchte Synthesizer-Klänge. "Psytrance besteht aus sehr, sehr vielen Soundschichten", sagt Baldauf und vergleicht die Klänge mit "sehr melodiösem Techno".

"Trance ist etwas für junge Leute, die einfach ein bisschen wegsegeln wollen", sagt Professor Ronald Hitzler, Soziologe an der Universität Dortmund. Ziel der meisten Goa-Party-Gänger sei "das Sich-Wegtanzen aus der Realität", sagt er und spricht zudem von einer "Rückkehr zur Hippie-Romantik". "Die letzten Hippies und die ersten Goas sind im Prinzip nicht auseinander zu halten."

Haschisch und berauschende Pilze

Typisch für Goa-Partys sind heute mehrere Tanzflächen, auf denen unterschiedliche Psytrance-Richtungen gespielt werden. Dazu gehört auch ein "Chill-out-Floor" mit langsameren Rhythmen und beruhigenden Klängen; auch Meeresrauschen oder das Geräusch von fließendem Wasser dringt ab und an aus den Lautsprechern. Getanzt wird auf den Partys fast rund um die Uhr.

Kein Geheimnis ist, dass auf vielen Goa-Partys auch Drogen konsumiert werden. "Drogen gibt es da, natürlich", sagt Tibor Harrach vom Berliner Drogenaufklärungsverein "Eve & Rave", der regelmäßig entsprechende Umfragen auf Goa-Partys startet. "Ein Großteil der Gäste hat schon einmal Erfahrung mit illegalen Drogen gemacht." An erster Stelle stünden Haschisch und berauschende Pilze. Allein in Putlitz leitete die Polizei Ermittlungen gegen 140 Besucher ein. Die Beamten beschlagnahmten mehrere hundert Ecstasy-Tabletten, LSD und Kokain. Fast zwei Dutzend Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, gegen einen Besucher erging Haftbefehl.

"Eve & Rave" hat es sich - wie andere Organisationen auch - zur Aufgabe gemacht, auf den Partys über Drogen und deren Wirkungen aufzuklären und Betroffenen zur Seite zu stehen. "Wenn jemand auf einem Horrortrip ist, helfen wir ihm", sagt Harrach. "Talking-down" (Herunterreden) nennen das die Fachleute. Wichtig dabei: eine "reizarme Atmosphäre". Möglichst fernab wummernder Psytrance-Rhythmen.

Christoph Trost/DPA / DPA
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