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Henriette Hell: Hoppla, vertippt - und fast war ich nackt im Netz!

Von versehentlich geposteten Nackt-Selfies, WhatsApp-Screenshots und FSK18-Sprachnotizen im falschen Chat.

Nicht jedes Bild muss an die Öffentlichkeit.

Nicht jedes Bild muss an die Öffentlichkeit.

Unsplash

Mann, ey, dieses verdammte Smartphone!

Es geht nicht ohne, aber mit ist auch ganz schön scheiße.

Diese Woche hätte es mir beinahe mein komplettes Leben zerstört.

Das ist kein Witz oder eine Übertreibung.

Ich war einen Klick davon entfernt, mich selbst zu ruinieren.

Stichwort: Huch, falscher Chat! Oder: Oh, da muss wohl die Tastensperre rausgegangen sein.

Schuld ist das digitale Zeitalter.

Ich meine, seit wann gibt es Wi-Fi am Strand von Goa, dem alternativen Hippieparadies? Als ich vor sieben Jahren zuletzt hier war, hatte ich noch gar kein Smartphone und war auch noch nicht auf Facebook oder Instagram angemeldet.

2018 ist alles anders. Ich liege auf einer Liege, lese auf dem Handy Nachrichten, Facetime mit meiner Mutter und knipse zwischendurch ein paar Angeber-Fotos vom Sonnenuntergang für den Kollegen-Chat. 

Gestern habe ich für meinen daheimgebliebenen Freund ein paar Selfies gemacht, auf denen ich zum Teil sehr wenig anhabe. Eine der wichtigsten Regeln, wenn es um Sexting geht, habe ich dabei missachtet - dabei habe ich in meinen Kolumnen selbst immer wieder davor gewarnt und gepredigt: Mädels, lasst das Gesicht weg! Eure Titten kann keiner eindeutig zuordnen (wenn darauf nicht gerade einen Delfin-Tattoo prangt).

 

Auf dem Heimweg vom Strand in mein Hotel klapperte mein Handy in meinem Rucksack. Dabei muss sich die Tastensperre irgendwie gelöst haben. Im Hotelzimmer stellte ich jedenfalls fest, dass mein Facebook-Messenger geöffnet war – und ganz von selbst ausgerechnet eins der sexy Selfies VERSCHICKT hatte, inklusive lustiger bunter Kritzeleien, Hasenohren und allem drum und dran, was Facebook einem so zum Aufpimpen anbietet. FUCK! 

Mir wurde gleichzeitig schwindelig, schlecht und schwarz vor Augen. Mit zitternden Händen drückte ich auf "abbrechen" und "verwerfen", aber zu spät – das entsprechende Foto war bereits zehnmal verschickt worden. Ich bekam Schnappatmung. An wen war es rausgegangen? Einen Vorgesetzten? Verwandte? Den Gruppenchat mit den Kollegen? Meinen Yogalehrer? Den Ex? Meine Timeline?!?! Nein, nichts davon. Es traf lediglich meine alte Schulfreundin Miri. Sie war das einzige Opfer meiner "Nackt-Attacke". GOTT SEI DANK! Ich ließ mich erleichtert auf mein Bett fallen. Und orderte beim Zimmerservice erst mal einen Wodka pur. Für die Nerven.

 

Mit hochroten Wangen und fast schon high vor lauter Scham schrieb ich meiner Freundin Miri, dass ich NICHT etwa heimlich seit Jahren auf sie stand und ihr nun auf diese Weise meine, äh, sexuelle Zuneigung offenbaren wollte – sondern es lediglich ein Versehen war und mir das nackte Elend leidtat. 

Ihr erster Kommentar: "Wie hast du das mit den Glitzerstickern gemacht?"

"Keine Ahnung. Das war ich nicht. Das war mein Scheißhandy, Mann."

"Ach so."

 

Anschließend lachte sich Miri erst mal kaputt und erzählte mir dann, dass ihr kürzlich etwas ganz Ähnliches passiert sei. "Neulich habe ich eine versaute Sprachnachricht an den falschen Typ geschickt." An Arndt, ihren Steuerberater statt an Arne, ihren Freund. Tja! "Ich habe ihn sofort angerufen und gesagt, dass er die nicht abhören darf. Zum Glück hat er‘s mit Humor genommen und die Aufnahme auch sofort gelöscht." Angeblich …

 

Eine andere Freundin erzählte mir später noch, dass sie mal einen Screenshot einer WhatsApp-Konversation mit ihrem aktuellen Tinderdate inklusive des Kommentars "Glaubst du, er steht auf mich – oder will der nur Bumsi-Bumsi machen? Wäre mir ehrlicherweise ganz recht …" versehentlich an den Mann selbst geschickt hat. Auch übel …

 

Auch meinem Kumpel Björn musste ich neulich darauf hinweisen, dass man bei Spotify sämtliche seiner Playlists einsehen kann – mit so Titeln wie "Geil zum Rummachen", "Weiber ins Bett kriegen" oder "Auf Drogen zu 90er-Techno abspacken". Upsi!

 

Aber zurück zu meinem Fauxpas.

Nach meinem Telefonat mit Miri habe ich erst mal alle peinlichen Selfies auf meinem Telefon gelöscht, den Messenger deinstalliert und für den Rest des Tages auf Flugmodus geschaltet. Die ganze Nacht über wälzte ich mich unruhig in meinem Bett hin und her und malte mir aus, welche gruseligen Wendungen mein Leben wohl genommen hätte, wenn Facebook die Fotos öffentlich gepostet hätte. Das Internet vergisst nie und so. Alter, Falter. Dann hätten diverse Freunde, Bekannte überall auf der Welt, alte (unliebsame) Schulkameraden, meine Vermieterin, ehemalige und aktuelle Vorgesetzte, (Ex-)Kollegen, hoch geschätzte berufliche Kontakte, ehemalige Lover, Familienmitglieder inklusive des neuen Freundes meiner Schwester sowie die Nachbarn meiner Eltern meine verruchten Momentaufnahmen erblickt, die doch eigentlich bloß als ein kleiner sexy Gruß an meinen Liebsten gedacht waren. Gru-se-lig! Das war das letzte Mal, dass ich so etwas gemacht habe. Leicht bekleidet gibt’s mich jetzt nur noch im Real Life.

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