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Graydon Carter Patschehändchen und Ekelfraß - die absurde Fehde des "Vanity Fair"-Chefs mit Trump

Graydon Carter
War noch nie ein Anhäger von Donald Trump - und scheut sich nicht, das bei jeder Gelegenheit zu sagen: "Vanity Fair"-Chefredakteur Graydon Carter.
© Andrew Gombert/EPA/DPA
Graydon Carter und Donald Trump verbindet eine herzliche Feindschaft. Der "Vanity Fair"-Chefredakteur piesackt den künftigen US-Präsidenten wo es nur geht - und feiert damit Erfolge.

Wann ihre Bekanntschaft in Feindschaft umschlug, lässt sich rückblickend schwer sagen. Schon ihre erste Begegnung 1983 verlief wohl nicht ganz erfreulich. Damals sollte der kanadische Journalist Graydon Carter den Unternehmer Donald Trump für das Magazin "GQ" porträtieren. Doch Trump soll mit seiner Darstellung nicht glücklich gewesen sein. Unter anderem soll ihn die Beobachtung gestört haben, er hätte bemerkenswert kleine Hände. So schreibt es Carter rückblickend in einem Artikel über ihre Beziehung.

Ihr schwieriges Verhältnis steigerte sich zu beiderseitiger Ablehnung, als der Kanadier 1986 das Satiremagazin "Spy" gründete und dabei Trump wiederholt aufs Korn nahm. Bezugnehmend auf dessen kleine Hände beschrieb er ihn als "short-fingered vulgarian". Die Formulierung blieb an dem Milliardär kleben - bis heute. Noch im Vorwahlkampf der Republikaner thematisierte Trumps Widersacher Marco Rubio dessen kleine Hände. Trump zeigte daraufhin seine Pranken - und widersprach der Vorstellung, kleine Hände bedeuteten, dass auch andere Körperteile klein seien: "Ich garantiere Ihnen, da gibt es kein Problem."

"Donald Trump: Der hässliche Amerikaner"

Im Wahlkampf hat sich Graydon Carter, seit 1992 Chefredakteur der "Vanity Fair", klar gegen den Milliardär positioniert. Kurz vor der Wahl widmete er Donald Trump einen langen Artikel mit dem Titel "The Ugly American" ("Der hässliche Amerikaner). Und er führt seine Fehde auch nach dessen Wahlsieg ungerührt fort. In seinem Vorwort zur Dezember-Ausgabe der "Vanity Fair" zählt Carter mit Bezug auf Trump 21 Dinge auf, die nur in den USA möglich seien. Etwa, dass ein Mann, der als Nachtlektüre Reden Hitlers neben dem Bett liegen habe, die zweitgrößte jüdische Bevölkerung der Welt regiere. 

Donald Trump schlägt seit Jahren auf seine Weise zurück: Er bepöbelt den Journalisten auf seinem Twitter-Kanal. 2015 schrieb er über ihn: "He is a total loser!", so hatte er ihn schon 2012 genannt. Und 2014 bezeichnete Trump Carter als Waschlappen ("Sissy").

Graydon Carter: Patschehändchen und Ekelfraß - die absurde Fehde des "Vanity Fair"-Chefs mit Trump

"Graydon Carter, kein Talent"

So geht tragen die beiden ihre Fehde schon seit Jahren öffentlich aus. Trumps Angriffe haben nicht aufgehört, seit der Unternehmer die Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Auslöser für die letzten Ausfälle war eine absurde Restaurant-Kritik, die ebenfalls in der "Vanity Fair" publiziert wurde. Unter der Überschrift "Trump Grill könnte das schlechteste Restaurant in Amerika sein" verriss die Autorin in einem satirischen Text das ihr servierte Essen nach allen Regeln der Kunst. Nicht mal Pommes habe der Koch hinbekomen, zuhause habe sie sich zwei Mal die Zähne geputzt und im Bett zusammengerollt, bis ihre Übelkeit weggegangen sei. Ihre kulinarische Erfahrung deutet sie als Vorbote für das, was dem ganzen Land bevorstehe: Das Restaurant sei ein Zeichen dafür, dass Trump sich übernehme "und ein flacher, mittelmäßiger Mann ist, der ein flaches, mittelmäßiges Firmenimperium (und Restaurant) betreibt". Durch sein Versagen als Präsident könne er die Hoffnungen von Millionen Unterstützern zerstören.

Das ließ der Besitzer des Grills nicht auf sich ruhen. Auf Twitter keilte er zurück und verwies unter anderem auf die schlechten Geschäftszahlen der "Vanity Fair".

Das konterte wiederum eine Sprecherin des Verlags Condé Nast. Im Vergleich zum Vorjahr habe man die Auflage sogar gegen den Branchentrend steigern können. Und wies darauf hin, die "Vanity Fair" habe nach Trumps Tweet den bislang höchsten Abonnenten-Zuwachs binnen eines 24 Stunden verzeichnet, sagte sie dem Magazin "Folio". Die Zahl der Abo-Neuabschlüsse habe den üblichen Tagesschnitt um das Hundertfache überstiegen. Bei der Gewinnung von Abo-Kunden nutzte man auch den Slogan "The magazine Trump doesn't want you to read. Subscribe now!"

In seinem Tweet schrieb Trump auch, Graydon Carter, kein Talent, werde rausfliegen. Doch der sitzt einstweilen fest im Sattel - und piesackt den künftigen Präsidenten weiter: In einem auf Februar 2017 datierten Editorial wirft Carter unter der Überschrift "Welcome to Trumpistan" ein Blick voraus auf das Amerika unter dem neuen US-Präsidenten. Die Zukunft sieht darin nicht rosig aus. Die Leser werden ihn für das erneute Trump-Bashing lieben. Es scheint, der Wahlsieg Donald Trumps war das Beste, was der "Vanity Fair" und ihrem Chefredakteur passieren konnte.


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