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Zum 15. Hochzeitstag Haakon und Mette-Marit: Ruckelt, aber hält!

Am 21. August 2001 gaben sich der norwegische Kronprinz Haakon und und die bürgerliche Mette-Marit das Ja-Wort. Dieses Jahr feiern sie ihren 15. Hochzeitstag. Ein Résumé der vergangenen Ehejahre. 

„Stolze Mutter dreier Kinder, Bücherwurm und Reisefan, sehr gesundheitsbewußt“ so beschreibt sich Mette-Marit, 43, Kronpinzessin von Norwegen, selbst im Profil ihres Twitteraccounts @CrownPrincessMM.

Das klingt erstaunlich harmlos für eine ledige Mutter mit Partydrogenvergangenheit, die ihren Traumprinzen vor über 20 Jahren auf einem Rockmusikfestival in ihrer Heimatstadt Kristiansand kennengelernt hatte.

Aus einer völlig normalen Familie stammend – die Mutter war Bankangestellter, der Vater Journalist – wuchsen Mette-Marit und ihre drei Geschwister völlig unspektakulär auf. Alle drei besuchten öffentliche Schulen, Mette-Marit verbrachte immerhin im Rahmen eines Schüleraustausches ein halbes Jahr in Australien und studierte nach dem Abitur ein paar Semester Philosophie, zunächst in Kristiansand und dann später in Oslo. Wie viele Studenten jobbte sie als Kellnerin, um ihren Kontostand aufzubessern und verbrachte teilweise mehr Zeit in Clubs, als im Hörsaal. In dieser Lebensphase, so gab sie später beschämt zu, hatte sie hin und wieder auch illegale berauschende Substanzen zu sich genommen. Und sie ging eine Beziehung mit dem wegen Kokainbesitz vorbestraften Morten Borg ein, aus der 1997 Sohn Marius hervorging.

Während dieser Zeit traf sie den norwegischen Kronprinzen zum ersten Mal, Liebe auf den ersten Blick war es aber nicht. Erst später, zwei Jahre nach der Geburt von Marius und wieder Single, gab es für sie ein Wiedersehen mit Haakon, wiederum mit Freunden auf dem Quart Festival in ihrer Heimatstadt, das dann für beide offensichtlich so eindrucksvoll verlief, dass sie bald komplett mit Kind in Oslo in eine gemeinsame Wohnung zogen - ohne die Beziehung vorher offiziell gemacht zu haben.

Allerdings hatten beide die Toleranz ihrer norwegischen Landsleute ein wenig überschätzt: Auch wenn schon damals die Hälfte aller Mütter im Land der Fjorde ihre Kinder unehelich zur Welt brachten, gab es einen ordentlichen Skandal als bekannt wurde, dass der Sohn des Königs gegenüber einer bürgerlichen Mutter mit Kind und nicht ganz astreiner Vergangenheit ernste Absichten hatte.

Die königlichen Eltern waren auch nicht wirklich begeistert, obwohl man gerade von Haakons Mutter Königin Sonja eigentlich Verständnis hätte  erwarten können. Vor ihrer Hochzeit mit dem damaligen Kronprinzen und heutigen König Harald V. im Jahre 1968 musste sie ganze neun Jahre warten, bis der damalige König Olav V. seine Zustimmung zur Heirat seines Sohnes mit einer Bürgerlichen – der ersten im norwegischen Königshaus -  gab. "Meine eigene Hochzeit erschien mir unwirklich", so wurde Sonja damals zitiert. Anfänglich sei es ihr merkwürdig vorgekommen, dass ihr Sohn eine ledige Mutter heiraten wollte. "Aber nachdem ich sie kennengelernt hatte, hatte ich damit kein Problem mehr." So mußten die junge Liebenden am Ende nur zwei Jahre warten, bis sie heiraten durften.

Nach einem tränenreichen aber sympathischen Fernsehinterview mit den Verlobten kurz vor der Hochzeit schlug auch die Stimmung im Lande um: In einer Umfrage  des norwegischen Meinungsforschungsinstituts Norsk-Gallup erklärten 84 Prozent der Befragten, es sei positiv, dass die Braut ehrlich über ihre Vergangenheit gesprochen hätte. 70 Prozent waren nun der Ansicht, dass sie als künftige Königin geeignet sei. 

Die Traumhochzeit fand am 25. August 2001 vor großem Publikum in der Osloer Domkirche statt. Allein in Deutschland sahen 8 Millionen Fernsehzuschauer die Übertragung der Feierlichkeiten im Fernsehen.

Die Hochzeitsreise allerdings fiel sozusagen ins Wasser, nicht ferne Südsee-Strände besuchten die Frischvermählten, sondern nordische Küstenstädte an Bord der königlichen Yacht „Norge“ – Pflichten statt Fläzen am Strand. Daran mußte sich die freiheitsliebende Mette-Marit erst einmal gewöhnen. Heutzutage ist sie aktive Schirmherrin von insgesamt 12 sozialen und kulturellen Organisationen. Ihr Herzensanliegen ist die Förderung der norwegischen Literatur, zu disem Zweck reist sie jeden Sommer eine Woche mit dem „Litteraturtoget“ („Buchzug, der für diesen Zweck umgebaute königliche Zug) durch Norwegen und liest vor allem für Kinder.

Aber über die Jahre gab es bei ihr immer wieder auch „royale Anpassungsstörungen“: Die Kronprinzessin leidet unter Flugangst, Gatte Haakon hingegen schlummert sofort selig ein, sobald er in der Kabine Platz genommen hat, also weigerte sich die Kronprinzessin zeitweise, per Flugzeug auf Staatsbesuch zu gehen. Andererseits hatte sie aber keine Bedenken, 2012 für ein befreundetes schwules Elternpaar deren Adoptivkind bei der Leihmutter in Indien abzuholen, was nur Dank ihres Diplomatenpasses möglich war. Ein Aktion, die ihr viel Kritik einbrachte, wie auch ihr Bestreben, mit ihrem Mann immer mal wieder den neugierigen Augen der Norweger und dem dunklen Wetter in andere Länder zu entfliehen, so zum Beispiel für ein längeres Aufbaustudium in London 2003 oder einen Weihnachtsurlaub 2014 in einer einsamen Berghütte unter Auslassung königlicher Pflichttermine über die Feiertage.

Auch die hohen Ausgaben des Kronprinzenpaares für Haushaltung und Bekleidung standen zuletzt in der Kritik. Immerhin „herrscht“ die norwegische Königsfamilie über ein vergleichsweise kleines Land mit nur 5 Millionen Einwohnern, und die Skandinavier schätzen übertrieben luxuriöse Lebensgewohnheiten nicht besonders. Doch immerhin, auf rein menschlicher Ebene scheint es nach einer überstandenen Ehekrise auch nach 15 Jahren noch zu stimmen zwischen Mette-Marit und Haakon, nicht nur, weil sie ihm pflichtschuldigst eine Thronfolgerin (Ingrid Alexandra, geboren 2004) und 2005 noch  „Ersatzmann“ Sohn Sverre Magnus geboren hat. Werden hin und wieder private Fotos öffentlich, sieht man immer ein glückliches, einander zugewandtes Paar mit fröhlichen Kindern. Diese positiven Eindrücke und das einfühlsame Verhalten des Kronprinzenpaares zu solch tragischen nationalen Anlässen wie den furchtbaren Breivik-Attentaten 2011 tragen zu den insgesamt hohen Beliebtheitswerten der beiden in der Bevölkerung bei.

Eine große Feier anlässlich der Kristallhochzeit wird es trotzdem am Hochzeitstag selbst nicht geben, der Kronprinz-Regent (diesen Titel trägt er gerade wieder einmal, während sein Vater König Harald außer Landes ist) reist mittags in Ausübung seiner Pflichten nach Genf zu einer Vorstandssitzung im Zusammenhang mit dem World Economic Forum. Auch bei den norwegischen Royals gilt, wenn es nicht gerade die silberne oder goldene Hochzeit ist: Job geht vor.

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