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Homo-Ehe in Kalifornien: Promi-Paare trauen sich jetzt

Nach einem Spruch des Obersten Gerichtshofes in Kalifornien dürfen jetzt auch im Sonnenstaat gleichgeschlechtliche Partner heiraten. Und Hollywoods Prominenz verschwendet keine Zeit im Sprint zum Traualtar. Nur Arnold Schwarzenegger knurrt noch gegen das Urteil an.

Von Frank Siering

Amerikas Talkqueen Ellen DeGeneres, 50, verschwendete keine Zeit. In ihrer eigenen TV-Show kündigte sie an, dass sie das jüngste Urteil des obersten Gerichtshofes in Kalifornien sehr begrüße und ihre Lebenspartnerin, die Schauspielerin Portia de Rossi, 36, demnächst heiraten werde. Der Oberste Gerichtshof in Kalifornien hat nach jahrelangen Grabenkämpfen verschiedener Lobbygruppen einer Änderung des "Same Sex Marriage Law" zugestimmt. Bisher mussten Schwule und Lesben nach Kanada oder Massachusetts reisen, um legal heiraten zu können. Seitdem Massachusetts 2004 als erster US-Bundesstaat die gleichgeschlechtliche Ehe per Gerichtsbeschluss erlaubt hatte, haben sich dort mehr als 10.000 homosexuelle Paare das Ja-Wort gegeben.

Von nun an definiert auch Kalifornien den Bund der Ehe als eine Vereinigung zwischen zwei "Personen" und nicht zwischen "Mann und Frau" und lehnt sich damit noch weiter aus dem Fenster als die Bundesstaaten Vermont und Connecticut, die bisher nur sogenannte "civil unions", also juristisch nicht rechtsgültige Verbindungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlauben. Gegenüber einer solchen eingetragenen Lebenspartnerschaft hat die Heirat jedoch erhebliche soziale und finanzielle Vorteile: Schwule und lesbische Ehepaare sind dazu berechtigt, im Notfall über die medizinische Versorgung des Partners zu entscheiden, Erbschaften können viel unbürokratischer abgewickelt werden und die Sozialversicherung wird als legal anerkannte Familie deutlich günstiger.

Dass Homosexuelle in vielen Lebenslagen gegenüber Heterosexuellen benachteiligt sind und durch den gesellschaftlichen Druck stark in ihrer Freiheit beschränkt werden, bleibt jedoch weiterhin unbestritten. Die vielleicht größte Einschränkung ist dabei wohl die Tatsache, dass sich viele Schwule oder Lesben genötigt fühlen, ihre Homosexualität zu verheimlichen. Der britische Schauspieler Ian McKellen, selber homosexuell, äußerte sich bei der Berlinale 2006 darüber, wie altmodisch Hollywood in dieser Hinsicht sei: "Es ist für einen homosexuellen amerikanischen Schauspieler, der eine erfolgreiche Filmkarriere anstrebt, sehr, sehr schwer, offen über seine sexuellen Neigungen zu sprechen. Noch schwieriger ist es für lesbische Schauspielerinnen." McKellen, bekannt für seine Rolle des Gandalf in der Trilogie "Der Herr der Ringe", engagiert sich seit Jahren für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Schwules Raumschiff Enterprise

In der Tat bekennen sich nur wenig Hollywood-Stars zu ihrer Homosexualität. Umso überraschender war es, als nur einen Tag nach dem Hochzeitsouting von DeGeneres ein weiterer Prominenter in Hollywood seine Heiratspläne mit einem Partner des gleichen Geschlechts offenbarte. Auf seiner Website kündigte "Mr. Sulu" George Takei, 71, an, dass für ihn und Lebenspartner Brad Altman "der kalifornische Traum endlich Realität wird". Der Mann, der einst Captain Kirk auf der Brücke von Raumschiff Enterprise zur Seite stand, fährt fort: "Endlich ist die Mauer, die zwischen der gleichgeschlechtlichen Eheschließung stand, niedergerissen."

Andere werden folgen. Davon geht auch Michael Musto aus. Er ist Kolumnist der Village Voice. Wurde die sexuelle Ausrichtung von Stars über Jahrzehnte von Publizisten und Managern in Hollywood beschützt wie der eigene Augapfel - unvorstellbar, dass einer wie Rock Hudson zu seiner Zeit zugeben konnte, schwul zu sein - so "dürfte das Outing wie auch das Eheversprechen heute keiner Karriere in der Entertainment-Industrie mehr schaden", fährt Musto fort und widerspricht damit den Einschätzungen McKellens. "Es gibt Momente in der Geschichte, da werden entscheidende Steine umgedreht. Mit dieser Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ist ein solcher Moment gereift", sagt auch Geoff Kors, der Direktor von Equality California, einer Lobby-Gruppe für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Gouvernator gegen den Beschluss

Dennoch, auch die Kritiker halten nicht hinterm Berg. Einer heißt Arnold Schwarzenegger. Er war gegen diese Gesetzesänderung und wird schon im November versuchen, via Votum das Gesetz rückgängig zu machen. Bis dahin allerdings hat der Gouvernator angekündigt, den Richterspruch vom Supreme Court zu akzeptieren.