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Interview Ben Stiller: "Wir wollten niemanden verletzen"

Eine harmlose Komödie sollte "Tropic Thunder" werden. Doch jetzt muss sich US-Schauspieler Ben Stiller vorwerfen lassen, sein neuer Kinofilm diskriminiere behinderte und dunkelhäutige Menschen. Im Interview mit stern.de erklärt Stiller, was er mit dem Film bezwecken will.

Mit einem Einspielergebnis von 26 Millionen Dollar (knapp 18 Millionen Euro) am Premierenwochenende verdrängte die Komödie "Tropic Thunder" den "Batman"-Film "Dark Knight" von der Spitze der US-Kinocharts. Dabei hatte der Film, in dem Stiller die Hauptrolle übernahm und Regie führte, bereits im Vofeld für heftige Kontroversen gesorgt. Stiller verkörpert einen blasierten, geistig beschränkten Hollywood-Star, der zusammen mit einem Team von Ehrgeizlingen (Robert Downey Jr., Jack Black) ohne Rücksicht auf Verluste mit einem Vietnam-Film berühmt werden will. Mehrere Verbände hatten kritisiert, die Satire mache sich über Menschen mit geistiger Behinderung lustig. In Deutschland kommt der Streifen am 18. September in die Kinos.

Herr Stiller, schon im Vorfeld der Veröffentlichung Ihres neuen Films "Tropic Thunder" hat es ordentlich Ärger gegeben. Haben Sie damit gerechnet?

Ärger? Das sehe ich alles nicht so dramatisch. Es handelt sich schließlich um eine Komödie, und wir wollten wirklich niemandem auf die Füße treten.

Das sehen Amerikas Behindertenverbände anders. Sie werfen Ihnen persönlich vor, dass Sie sich in dem Film über Behinderte lustig machen.

Nun mal ganz langsam. Wenn überhaupt, dann mache ich mich im Film über meine eigene Profession, nämlich die Schauspielerei lustig.

Können Sie das ein bisschen genauer erklären?

Ich spiele in dem Film einen abgehalfterten Schauspieler, der seine dahindümpelnde Karriere zu retten versucht, indem er einen behinderten Charakter spielt. Mehr nicht.

Also eher eine Parodie auf einige Ihrer Hollywood-Kollegen, wie zum Beispiel Sean Penn, die es ja mit einer solchen Rolle schon probiert haben in Hollywood?

Genau. Deshalb hat Sean Penn am Schluss auch einen kurzen Auftritt in "Tropic Thunder". Er hat damit bewiesen, dass er sich selbst nicht immer so ernst nimmt.

Neben der Behinderten-Kontroverse gibt es noch ein zweites Wagnis, das Sie eingegangen sind.

Nämlich?

Sie haben Robert Downey Jr. einen Schwarzen spielen lassen. Dabei ist er weiß. Einige sagen, das erinnert an düstere Zeiten in Amerika, als weiße US-Amerikaner auf diese Art und Weise schwarze Stereotypen haben aufleben lassen. Keine Angst vor Repressalien der afroamerikanischen Gemeinde?

Oh nein, überhaupt nicht. Warum denn auch? Noch einmal: "Tropic Thunder" ist eine Kriegskomödie, die sich über Hollywood, die Kriegsfilm-Mentalität und über unser Schablonen-Denken lustig macht. Wir wollten keine einzelne Gruppe verletzen.

Haben Sie während der Dreharbeiten darüber nachgedacht, dass dieser Film solche Wellen schlagen würde?

Nein, nicht wirklich. Wir dachten einfach nur, dass wir mit Robert Downey Jr., Jack Black und mir eine ganz guten Truppe für diesen Film zusammengebracht haben.

Vergessen Sie bloß Tom Cruise nicht. Er hat zwar nur eine Nebenrolle, aber hinterlässt durchaus einen bleibenden Eindruck.

Ja, das stimmt. Tom spielt einen knallharten Hollywood-Agenten, der über Leichen geht.

Und das tut er mit Halbglatze und im Fettanzug. Wie haben Sie es geschafft, den eitlen Herrn Cruise zu überreden, sich so hässlich zu präsentieren?

Viele unterschätzen Toms Humor. Er hat keine Sekunde gezögert, sich selbst zu veralbern. Eine meiner Lieblingsszenen ist, wie Cruise allein in seinem Büro zu Rapmusik tanzt und dabei ein paar echt gute Bewegungen zeigt.

Sind Sie mit Cruise befreundet?

Nun, ich kenne ihn und habe seine Handynummer. Als ich am Skript für "Tropic Thunder" schrieb, habe ich ihn einfach angerufen. Er hat sofort zugesagt. Als habe er nur darauf gewartet, endlich mal eine Rolle in einer Komödie zu übernehmen.

Worüber können Sie selbst lachen?

Meine beiden Kinder bringen mich zum Lachen. Die haben die besten Sprüche und Gesten auf Lager. Dagegen bin ich ein absoluter Amateur. Interview: Frank Siering