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Interview mit pikanten Details aufgetaucht: Die Bekenntnisse der Jackie Kennedy

Sie war die ungekrönte Königin Amerikas. 47 Jahre nach der Präsidentschaft ihres Mannes sind jetzt stundenlange Interviews mit Jackie Kennedy aufgetaucht - und enthüllen pikante Details.

Von Frank Siering, Los Angeles

Die Tage im Weißen Haus waren die "glücklichsten Tage meines Lebens", schwärmte Jacqueline "Jackie" Kennedy. Es war eine Zeit, da sie und John F. Kennedy sich "ganz nahe waren". Diese und weitere intime Bekenntnisse werden den Amerikanern jetzt mit jahrzehntelanger Verspätung präsentiert. Erstmals sendete das US-Fernsehen jetzt bisher unveröffentlichte Audio-Interviews mit der Kennedy-Witwe, Amerikas schönster First Lady. Die Aufzeichnungen wurden Anfang 1964 aufgenommen und waren 47 Jahre lang in der Kennedy-Bücherei unter Verschluss.

Jackie Kennedy hatte eigentlich verfügt, dass die Gespräche erst 50 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht werden darf. Anlässlich von Kennedys Amtsantritt im Januar vor 50 Jahren beschloss seine Familie jedoch, die Aufnahmen schon jetzt freizugeben. ABC News widmet ihnen am Dienstag eine Sondersendung, am Mittwoch erscheinen sie als Buch und CD. In den Interviews, die in 8,5 Stunden vom Historiker Arthur Schlesinger aufgenommen wurden, spricht Jackie Kennedy meist leise. Oftmals sind Kinderrufe im Hintergrund zu hören. Sie ist offen, ehrlich.

Die Aufnahmen zeigen die unendliche Zuneigung, die Jacqueline für ihren Ehemann empfand. So wollte sie während der Kubakrise das Weiße Haus nicht verlassen, wie von ihrem Ehemann vorgeschlagen. "Bitte, schick uns nicht fort. Wenn etwas passiert, dann wollen wir hier bei dir sein. Ich, die Kinder. Wir wollen hier auf dem Rasen direkt neben dir stehen. Ich will neben dir sterben, die Kinder auch. Lieber das, als ohne dich leben zu müssen." Über die Reaktion ihres Mannes auf die gescheiterte Invasion der kubanischen Schweinebucht 1961 sagte sei: "Er kam in sein Zimmer und fing an zu weinen, mit mir an der Seite - stütze seinen Kopf in seine Hände und weinte". Er sei "so traurig" gewesen. "Seine ganzen Träume, und dann geschah dieses furchtbare Ding."

Präsident Kennedy wird von seiner Frau als guter Vater dargestellt, der trotz des intensiven Arbeitspensums immer Zeit für die Kinder fand. Sie erinnert sich auch daran, dass er jeden Tag ein 45-minütiges Nickerchen zur Mittagszeit machte. Und dafür zog er, ­wie sein Idol Winston Churchill, jedes Mal seinen Schlafanzug an.

Die First Lady beschreibt auch genau, dass Ihr Mann unter enormen Rückenschmerzen litt. "Jack konnte noch nicht einmal seine Zehen berühren. Er konnte sich seine Schuhe nicht mehr selbst anziehen, weil es so zog im Rücken."

Auch Äußerungen über andere Figuren der Geschichte des 20. Jahrhunderts finden sich in dem Interview. Ein großer Fan von Charles DeGaulle war Jackie Kennedy demnach nicht. Sie bezeichnete das französische Staatsoberhaupt als "Egomanen" - und Bürgerrechtler Martin Luther King als "falschen Fuffziger". Sie gibt außerdem zum Besten, dass JFK nicht viel Vertrauen in seinen Vize Lyndan B. Johnson hatte. "Oh, Gott, kannst du Dir vorstellen, was passieren würde, wenn Lyndon Präsident werden würde?", zitiert sie ihren verstorbenen Mann. Eine Furcht, aus der Realität wurde. Nach Kennedys Todführte Johnson dessen Amtszeit zu Ende und gewann 1964 die Wahl. In seine Amtszeit fiel die Eskalation des Vietnamkriegs, aber auch bahnbrechende Bürgerrechtsgesetze. Jackie Kennedy: "Er mochte den Gedanken nicht, dass Lyndon Präsident werden könnte - weil er sich um sein Land sorgte".