HOME

Der Jahrhundertmord: Die Schüsse von Dallas erschütterten die Welt

US-Präsident John F. Kennedy erschossen! Diese Nachricht erschütterte vor 40 Jahren die ganze Welt. Rund um den Globus herrschte an jenem 22. November 1963 fassungsloses Entsetzen.

US-Präsident John F. Kennedy erschossen! Diese Nachricht erschütterte vor 40 Jahren die ganze Welt. Rund um den Globus herrschte an jenem 22. November 1963 fassungsloses Entsetzen. Millionen Menschen hatten damals mitten im Kalten Krieg ihre Hoffnungen auf eine friedvollere und gerechtere Welt in Kennedy gesetzt.

Die Schüsse von Dallas schienen diese Hoffnungen mit einem Schlag zunichte zu machen. Die Nachrichtenagentur AP leitete damals ein Porträt des ermordeten 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten mit dem Satz ein: "Der 22. November 1963 wird als einer der schwärzesten Tage in die Geschichte der Neuzeit eingehen."

Dabei hat der Tag für den Präsidenten ganz gut angefangen. Die Wolken haben sich verzogen und die Sonne scheint, als Kennedy an Bord der "Air Force One" auf dem Flughafen der texanischen Metropole Dallas landet. In einer Wagenkolonne begeben sich Kennedy und seine Begleiter in die Innenstadt. Hinten in der offenen schwarzen Lincoln-Limousine des Präsidenten sitzen Kennedy und seine Frau Jacqueline, davor Gouverneur John Connally und dessen Frau Nellie.

"Herr Präsident, Sie können nicht sagen, dass Dallas sie nicht mag."

Tausende Texaner säumen die Straßen und winken. Die Frau des Gouverneurs wendet sich zu Kennedy um und sagt: "Herr Präsident, Sie können nicht sagen, dass Dallas sie nicht mag." Da peitscht der erste Schuss. Kennedy greift sich an den Hals. Das Geschoss hat seinen Hals durchschlagen und verwundet auch den vor ihm sitzenden Connally. Eine weitere Kugel zerfetzt Kennedys Hinterkopf. Seine Frau Jacqueline schreit: "Was machen sie mit dir? Ich liebe dich. Jack!" Es fallen insgesamt drei Schüsse. Der Wagen mit dem im Sterben liegenden Präsidenten rast zum nahe gelegenen Parkland-Krankenhaus, wo der 46-jährige Kennedy eine halbe Stunde nach dem Attentat für tot erklärt wird.

Lee Harvey Oswald verhaftet

Den Ermittlungen zufolge wurden die Schüsse aus dem fünften Stock eines Schulbuchlagers abgefeuert. Die Tatwaffe, ein Mannlicher-Carcano-Gewehr, wird kurze Zeit später von der Polizei hinter einer Kiste versteckt gefunden. Keine zwei Stunden nach dem Attentat wird der 24-jährige Lee Harvey Oswald in einem Kino von Dallas als mutmaßlicher Attentäter festgenommen. Oswald, der in dem Buchlager arbeitete, bestreitet jede Verwicklung. Zwei Tage nach dem Attentat wird er bei der Überführung vom Polizeigebäude ins Bezirksgefängnis von dem Barbesitzer Jack Ruby vor laufenden Fernsehkameras aus nächster Nähe erschossen. Er wollte es Jacqueline Kennedy ersparen, in einem Prozess dem Mörder ihres Mannes gegenüberzusitzen, gibt Ruby zur Begründung seiner Tat an.

Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien

Das als Jahrhundertmord apostrophierte Attentat auf Kennedy gibt bis heute Rätsel auf. Es sind die Ungereimtheiten, die die wildesten Verschwörungstheorien blühen lassen. Der Wirrkopf Oswald soll den Mordanschlag allein verübt haben, allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz und mit einem billigen Gewehr aus dem Versandhaus? Und rein zufällig wird dieser zwei Tage später von einem Barbesitzer erschossen?

Wer steckte wirklich hinter der Bluttat, fragen sich immer noch viele Menschen, nicht nur in Amerika. Die Bandbreite möglicher Hintermänner ist groß. Sie reicht von den Russen über die Mafia bis zum Geheimdienst CIA oder dem kubanischen Staatschef Fidel Castro.

Oswald, ein entwurzelter armer Teufel

Anlass aller Spekulationen ist vor allem die Tatsache, dass Opfer und Täter so wenig miteinander zu tun haben: Auf der einen Seite der Hoffnungsträger John F. Kennedy, das Symbol für den Aufbruch einer neuen Generation - inzwischen zu mythischer Größe verklärt. Auf der anderen Seite ein wenig erfolgreicher und entwurzelter armer Teufel, der vielleicht nur den Weg in die Geschichtsbücher suchte. "Da möchte man Oswald etwas bedeutenderes hinzufügen", sagte vor Jahren William Manchester, der das von der Kennedy-Familie autorisierte Buch über das Attentat schrieb. "Das würde dem Tod des Präsidenten eine Bedeutung geben, würde ihn zum Märtyrer machen."

Mailer in Oswald-Biografie: Ohne allen Zweifel schuldig

Fest steht jedenfalls, dass die offizielle Version über den Tathergang, wie er von einer Kommission unter der Leitung des seinerzeitigen Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, Earl Warren, ermittelt wurde, wenig Glauben findet. Eine Woche nach dem Attentat waren laut einer Umfrage des Gallup-Instituts nur 29 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass Oswald allein gehandelt habe. Zum 30. Jahrestag des Attentats vor zehn Jahren erklärten in einer Umfrage im Auftrag der AP weniger als 15 Prozent, sie glaubten, Oswald sei der alleinige Täter gewesen.

Computeranalysen beweisen, es war Oswald

Und doch scheint es, als sei die Schlussfolgerung der Warren-Kommission richtig. Der Journalist und Sachbuchautor Gerald Posner kommt in seinem Buch "Case closed" zu dem Schluss, dass die Warren-Kommission zwar viele Fehler gemacht habe, ihr Urteil aber richtig gewesen sei: Es war Lee Harvey Oswald und nur er. Posner nutzte bei der Bestimmung der Schussbahnen modernste Computeranalysen. Auch der Erfolgs-Autor Norman Mailer stellt in einer 1995 erschienenen Oswald-Biografie fest, dass Oswald ohne allen Zweifel schuldig sei und er der einzige Akteur bei dem Attentat gewesen sei.