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Interview mit Sarah Bradford: "Diana hat die Monarchie modernisiert"

Sarah Bradford ist eine der bekanntesten Biographinnen Groß-Britanniens. Jetzt erscheint ein Werk über Prinzessin Dianas Leben als Taschenbuch. Im Interview spricht sie von einer gebrochenen Lady Di, die sich vom englischen Königshaus entfremdet hat.

Im Wohnzimmer von Sarah Bradford, Viscountess of Bangor, finden die vielen Antikmöbel kaum Platz. Bradford nimmt am liebsten in einem hohen Ohrensessel Platz, direkt vor dem Bücherregal, in dem hunderte Ausgaben verschiedenster Biographien stehen, von Jackie Kennedy bis zur Familiengeschichte der italienischen Papst-Dynastie der Borgia. Sarah Bradford ist eine der bekanntesten britischen Biographinnen, ihr Buch über das Leben von Königin Elizabeth II. gehört zur Standardliteratur, die Lebensgeschichte von Grace Kelly schrieb sie mit Hilfe von Fürst Rainier und ihre Biographie über die Papsttochter Lucrezia Borgia wurde verfilmt.

Als Bradford kurz nach dem Tode Dianas gefragt wurde, ob sie eine Biographie über die Schwiegertochter Elizabeth II. schreiben wolle, hat sie zunächst einmal abgewinkt. Zu hoch schlugen damals die Emotionen, zu unmittelbar war das Geschehen. Doch schließlich ließ sie sich doch überreden - auch, weil sie während ihrer Recherchen zur Biographie der Königin Einblicke ins Hause Windsor zu Zeiten der Ehekrise zwischen Diana und Charles gewonnen hatte, die vorher noch nie veröffentlicht worden waren. Sarah Bradford begann eine fast zehnjährige Recherche in das Leben der Prinzessin. Ihr Buch "Diana" ist in diesem Sommer als englisches Taschenbuch erschienen.

Wie haben die langjährigen Recherchen Ihr Bild von Diana beeinflusst?

Mich hat ihr Leben fasziniert, ihre Entwicklung ist wirklich außergewöhnlich. Wie wurde ein ziemlich unkultiviertes englisches Mädchen, das in Norfolk aufwuchs, zu einem Weltstar? Es sind ganz besondere Menschen, die sich so neu erschaffen können. Jackie Kennedy und Grace Kelly - die haben auch immer daran geglaubt, dass sie für etwas Besonderes bestimmt sind. Und für alle drei, auch für Diana, erfüllte sich dies durch Heirat.

Nun scheint es für Diana nicht einfach gewesen zu sein, Teil der königlichen Familie zu werden. Haben Ihre Recherchen im Königshaus geholfen, diese Probleme zu verstehen?

Ja, ich wusste um die Unnatürlichkeit dieses Lebens, in das Diana da verpflanzt wurde. Es ist dort stets etwas düster, man ist von der Welt abgeschnitten. Und die Höflinge haben alle eine ziemlich beschränkte Sicht, sie können sehr kleinlich und eklig werden. Das gilt auch für die Menschen um Prinz Charles.

Wann wurde Camilla Teil von Prinz Charles' Leben - als sich Diana und Charles entfremdet hatten?

Nein, leider lief das Ganze nicht ganz so glatt ab. Camilla kam nicht erst wieder zurück als die Ehe endgültig vorbei war. Während der ganzen Zeit haben Freunde Charles und Camilla Rückzugsorte auf dem Land zur Verfügung gestellt. Als Diana Prinz Harry bekam, war die Ehe endgültig am Ende.

Glauben Sie, dass Diana die Konsequenzen überblickte, als sie sich entschied, über die Affäre ihres Mannes öffentlich zu sprechen?

Nein, ich bin mir sicher, dass sie das nicht abschätzen konnte. Zu dieser Zeit war sie paranoid, sie glaubte, dass jemand hinter ihr her war. In ihrer Gedankenwelt waren die Interviews eine Art Versicherung. Sie wollte ihre Sicht der Dinge an die Öffentlichkeit bringen. Sie ging einen Schritt zu weit, als sie sagte, dass Prinz Charles nicht zum König geeignet sei. Das hat alle sehr schockiert. Diana hat damit selber endgültig alle Verbindungen zum Königshaus abgeschnitten.

War sie am Ende ein Opfer?

Sie hatte sicherlich eine sehr schwere Zeit durchzustehen. Eine solche Ablehnung muss für eine solch schöne, junge Frau schwer zu ertragen sein. Vor allem, nachdem sie so viel Hoffnung in diese Ehe investiert hatte. Daher sah sie sich selber immer öfter als Opfer. Sie war schwer zu ertragen, wenn sie diesen Opfer-Modus angeschaltet hatte. Aber wenn sie sich daraus befreite, machte es viel Spaß, mit ihr zusammen zu sein.

Was halten Sie von der Untersuchung, die vor einer Jury in London die Frage klären soll, ob hinter dem Unfall doch ein Mordversuch steckte?

Das ist eine große Verschwendung von Zeit und Geld. Ich glaube, dass Mohammed al-Fayed, der Vater von Dodi, der mit Diana in Paris starb, nicht abschließen kann mit diesen tragischen Geschehnissen. Ich glaube, dass die Untersuchung vielleicht die Rolle der Paparazzi anschauen und neu bewerten wird. Das ist alles.

Auf den Fotos vor ihrem Tod ist Diana mit Badeanzug auf der Yacht der al-Fayeds zu sehen. Lief sie Gefahr zu einer B-Berühmtheit zu werden?

Ja, da war so ein Anflug da - aber sie hatte glücklicherweise immer eine A-Klassen-Seite. Sie wollte sich auf eine Karriere im Fernsehen konzentrieren. Das hat sie sehr ernst genommen und wollte sich in New York vor der Kamera ausbilden lassen. Wenn sie das getan und gleichzeitig das Zurschaustellen im Leoparden-Bikini beschränkt hätte, das hätte funktioniert.

War sie nach ihrer Trennung von Prinz Charles auf der Suche nach einem neuen Ehemann?

Sie war wohl eher altmodisch, sie wollte einen Mann in ihrem Leben. Bevorzugt hat sie den Herzchirurg Haznat Khan. Sie hatten noch vor ihrem Tod ein Treffen in London vereinbart - es hätte am Dienstag nach ihrer Beerdigung stattfinden sollen. Aber das hätte wohl auch nichts mehr geändert, Dr. Khan wollte nicht Mr. Diana werden.

Was bleibt von Diana zehn Jahre nach ihrem Tod?

Es ist vor allem ein Standard, wie die Monarchie zu sein hat - mitfühlend, ein Königshaus, das gute Taten wichtig nimmt, hinausgeht und mit den Menschen kommuniziert. Das ist sehr hart für die königliche Familie, es liegt nicht in ihrer Natur. Die konservativen Kritiker von Diana mögen diese Emotionalität überhaupt nicht, sie denken, sie hat da einen fürchterlichen Trend begonnen. Aber Diana hat die Monarchie modernisiert - weil sie eine sehr moderne Frau war.

Interview: Cornelia Fuchs