VG-Wort Pixel

ZDF-Dreiteiler Grand Prix Vorentscheid in Berlin – "Ku'damm 63" ging freizügig mit Ereignissen um

"Ku'damm 63"
Szene aus dem dritten Teil von "Ku'damm 63": Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) tritt beim deutschen Vorentscheid für den Grand Prix Eurovision de la Chanson an.
© Boris Laewen / ZDF
Die "Ku'damm"-Reihe verknüpft geschichtliche Ereignisse mit der fiktiven Geschichte der Familie Schöllack. Dabei gehen die Serienmacher bisweilen äußerst freizügig mit historischen Daten um - wie das Finale des ZDF-Dreiteilers zeigt.

Fast fünf Millionen Zuschauer sahen am Mittwochabend das Finale von "Ku'damm 63". Der ZDF-Dreiteiler endete mit Monika Schöllacks - erfolgloser - Teilnahme beim Vorentscheid zum Grand Prix Eurovision de la Chanson. In dem Song hat die von Sonja Gerhardt gespielte Musikerin die Trauer über den Tod ihres Ehemannes verarbeitet, der sich im Juni 1963 das Leben genommen hat.

Das Ehepaar war in Folge zwei gemeinsam für eine Nacht dem Trubel aus West-Berlin entflohen, das an dem Tag den Besuch von US-Präsident John F. Kennedy erwartete. Bis auf ein paar US-Fähnchen wurde der Staatsbesuch nicht weiter thematisiert, er sollte wohl den Vorwand dafür liefern, dass die Eheleute ein letzte Mal gemeinsam verreisen. 

Der Kennedy-Besuch fand am 26. Juni 1963 statt. Fast auf den Tag genau drei Monate nachdem das Finale des Grand Prix Eurovision de la Chanson in London über die Bühne ging. 

"Ku'damm 63" und die historischen Fakten

Der Wettbewerb, für den sich Monika Schöllack in "Ku'damm 63" qualifizieren möchte, ist der Grand Prix 1964 in Kopenhagen. Nach einer längeren Trauerphase um ihren Ehemann schreibt Witwe Monika schließlich den Song, mit dem sie zum Vorentscheid antritt. Damit die ganze Familie entspannt anreisen kann, lässt Autor Marc Terjung den Vorentscheid in Berlin stattfinden.

Der echte deutsche Vorentscheid wurde hingegen am 11. Januar 1964 in Frankfurt ausgetragen - und verlief ganz anders. Nachdem mit Heidi Brühl die Teilnehmerin vom vergangenen Jahr vorab feststand und nur über das Lied abgestimmt wurde, gab es diesmal wieder einen offenen Wettbewerb, es traten berühmte Künstler wie René Kollo, Gerhard Wendland und Fred Bertelmann an.

Beim Grand Prix reichte es nur für Platz 13

Das Ticket nach Kopenhagen löste am Ende aber die eher unbekannte Nora Nova. Zehn Experten und 50 Laien votierten für die in Bulgarien geborene Sängerin, die mit "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" in Dänemark an den Start ging.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist der ESC 2020 abgesagt

Beim Finale landete Nora Nova jedoch mit null Punkten auf einem enttäuschenden letzten Platz - zusammen mit Portugal, Jugoslawien und der Schweiz. Somit lässt sich festhalten: Schlechter hätte Deutschland mit Monika Schöllacks Trauerhymne auch nicht abgeschnitten.

Richtigstellung: In der ersten Version des Artikels haben wir fälschlich geschrieben, dass es in "Ku'damm 63" um den Grand Prix 1963 gegangen sei und dass deshalb die zeitliche Reihenfolge der Ereignisse falsch dargestellt worden sei. Dem ist nicht so: Monika Schöllack bewirbt sich für den Grand Prix 1964. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

che

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker