Jackson-Prozess "Dies ist kein Zirkus"


Worüber die Geschworenen im Jackson-Prozess sprechen, dringt nicht aus dem Gerichtsgebäude nach außen. Dafür ist ein interner Zwist im Jackson-Lager umso lauter zu hören.

Eine Sprecherin Michael Jacksons rief vor dem Gerichtsgebäude wartenden Fans zur Ruhe auf. In den vergangenen Tagen war es vor dem Justizgebäude zu heftigen Wortgefechten zwischen Fans und Reportern gekommen. "Alle sollten sich jetzt irgendwie beruhigen", sagte sie. "Wir befinden uns mitteln in einem Gerichtsverfahren. Dies ist kein Zirkus. Dies ist kein Konzert. Das Leben eines Mannes steht auf dem Spiel." Es gebe Gerüchte, dass Jackson dem Tode nahe sei, sagte sie. "Das ist absolut nicht wahr."

Auch am Mittwochabend trennte sich die Jury nach der 20. Beratungsstunde ohne Entscheidung. Die Geschworenen beraten darüber, ob der ehemalige Weltstar ein Kinderschänder ist oder nicht. Bis zu 20 Jahre Haft drohen dem Ex-Weltstar. Jackson soll im Frühjahr 2003 einen 13- jährigen Jungen sexuell missbraucht, die Familie des Jungen unter Druck gesetzt und quasi gefangen gehalten haben

Die Jury muss in allen Anklagepunkten einstimmig entscheiden. Schon bei gewöhnlichen Verfahren gilt die Einigung als schwieriges Unterfangen. Im Falle Jacksons spielen offenbar auch persönliche Motive der Geschworenen eine Rolle. Aus Kreisen hieß es, die Geschworenen zögen die Beratungen künstlich in die Länge , um später mehr "Stoff" bei einer möglichen Verfilmung des Gerichtsverfahrens an die Produktionsfirma verkaufen zu können. Ähnliche Fälle hatte es bereits beim Mordprozess des Football-Stars O.J. Simpson gegeben, der des Mordes an seiner Frau und ihres Geliebten angeklagt war, jedoch freigesprochen wurde.

Wegen privater Verpflichtungen einiger Juroren ist für Donnerstag nur ein halber Sitzungstag geplant. Jackson suchte nach Angaben des Senders CNN wieder ein Krankenhaus auf. Seine Sprecherin bezeichnete den Arztbesuch am Mittwoch als eine "Routinebehandlung". Am Sonntag hatte der Popstar wegen starker Rückenschmerzen mehrere Stunden in der Notaufnahme verbracht.

Im Jackson-Lager bestehen offenbar Differenzen darüber, wer sich über den Sänger äußern dürfe. Nach stundenlangem angespanntem Warten sorgte eine Mitteilung von Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau unter Reportern und Fans für Wirbel. Der Anwalt sagte in einer Erklärung, dass er niemanden damit beauftragt habe, im Namen von Jackson oder dessen Familie mit der Presse zu sprechen. Mesereau hatte sich zuvor die Erlaubnis des Richters für diese Bekanntmachung eingeholt. Alle Prozessbeteiligten sind nach Anordnung von Richter Rodney Melville an eine strikte Schweigepflicht gebunden.

Im Kreis seiner Kinder

Jackson-Sprecherin Raymone Bain und der Bürgerrechtler Jesse Jackson, der seit Wochenbeginn über das Befinden des Popstars Auskunft gibt, hatten sich am Mittwoch ausgiebig geäußert. Bain zufolge verbringt der Sänger die Wartezeit im Kreis seiner Kinder auf Neverland. Der dreifache Vater tue alles, "was seine Kinder sich wünschen".

Jesse Jackson attackierte Medienberichte über die mögliche Inhaftierung Jacksons als "psychologische Kriegsführung". Er spielte auch Berichte über Jacksons angebliche Millionenschulden hinunter und versicherte, dass der Popstar genügend Bargeld habe. Das "Wall Street Journal" bezifferte Jacksons Schuldenberg am Mittwoch mit mindestens 270 Millionen Dollar. Zur Deckung hoher Unterhaltskosten bei einem sinkenden Einkommen habe der Popstar teure Anleihen aufnehmen müssen, berichtete die Zeitung.

DPA/Reuters DPA Reuters

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