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Jenna Jameson: ...Beruf: Pornostar

Sie hat eine traumatische Jugend durchlebt - und ihr Glück ausgerechnet in der Schmuddelecke der Filmindustrie gefunden. Jenna Jameson ist die ungekrönte königin des Hardcore.

Natürlich sagt jetzt jeder, dass er sie nicht kennt. "Jenna wer? Jameson? Nie gehört." Schon okay. Denn wer stattdessen fragte: "Oh ja, hat sie nach ,Die Masseuse" einen neuen Film gedreht?", der schaut Pornos. Und vermutlich richtig viele, denn Jenna Jameson hat in den vergangenen zehn Jahren 83 solcher Filme gedreht, sie hat den Porno-Oscar bekommen, sie hat eine eigene Filmfabrik und ist in den USA so was wie die Julia Roberts des Pornos - ein Superstar. Es gibt sie auf unzähligen Postern, Websites, als Puppe. Nun hat Jenna ein Buch geschrieben, das alle Fragen beantwortet, die Männer schon immer mal hatten. Und Frauen auch.

"How to Make Love Like a Porn Star" ist - nicht gähnen jetzt! - wieder mal eine Biografie, aber sie packt einen. Nach zwei Seiten schon. Und dann liest man weiter. 579 Seiten aus dem Unterleib einer der mächtigsten Unterhaltungsindustrien der Welt. Jenna Jameson ist heute 30. Als sie drei Jahre alt war, starb ihre Mutter nach einer schweren Krankheit, ihr Vater hatte hohe Schulden nach den Krankenhausrechnungen, mit Bruder und Vater zog sie nach Las Vegas, man lebte in einem Wohnwagen.

Jenna wurde 16, ihre Brüste wuchsen. Und wuchsen und wuchsen. Sie trug kurze Jeans und kleine T-Shirts und zeigte, was sie hatte. Selbstbewusstsein irgendwie. Aber noch keine Kraft. Jenna wurde ver-gewaltigt und beinahe totgeschlagen. Von irgendwelchen Jungs, die sie nach Hause fahren wollten. Heute sagt sie, dass sie die Täter nie angezeigt hat, weil sie nicht wusste, wer sie eigentlich waren. Dann traf sie Jack, einen Tattoo-Stecher, cool war er, anderes Leben, irgendwie gefährlich. Jennas Vater verstößt sie, Jack nimmt sie mit auf eine Party, ein alter, stinkender Hippie vergewaltigt sie. Alle schweigen.

Man kann nach ein paar Seiten

das Leben im Pornoland riechen, Haarspray, Nagellack, Rasierschaum und Desinfektionsspray. Jenna Jameson erzählt klaglos und präzise, sie will kein Mitleid und nichts, sagen wir, enthüllen. Sie hat in Las Vegas oben ohne getanzt, hat ihren alten Nachnamen Massoli in Jameson getauscht, weil eine Whiskeymarke so heißt, hat erst weiche Sexfilme gedreht und dann die harten. Und es hat ihr gefallen, "du kriegst einen Haufen Geld für sehr wenig Arbeit", manchmal 3000 Dollar pro Szene.

Jenna spürte die Macht, die sie auf einmal hatte, Regisseure bettelten sie an, ihre Videos und Internetclips wurden zu den Hits einer immer weniger heimlichen Kultur. Pornovision hat sich in den USA längst zu einer Variante der Popkultur entwickelt, Stars wie Sadie Sexton sind gesellschaftsfähig und werbetauglich; auch Jameson, die in Eminem-Videos auftrat und für die Textilkette Abercrombie & Fitch ihren Körper streckte. Im Oktober 2003 schlug das "New York Magazine" mit Jenna auf der Titelseite Beziehungsalarm, weil viele Großstadtyuppies mehr Zeit im Internet mit Pornos als im Bett mit ihrer Freundin verbrachten.

Jenna Jameson ist also ein Star. Aber um welchen Preis? Ist ihre Pornokarriere nicht die direkte Folge einer traumatischen Kindheit und Jugend? "Ob das nun passiert ist oder nicht, ich wäre trotzdem ein Pornostar geworden", sagt sie heute.

Ihr Buch versteht sie auch als Ratgeber für andere, die es in ihrem Metier wagen wollen. Sie führt durch jedes Detail des Geschäfts und druckt sogar Musterverträge ab: "Anal mit demselben Geschlecht (mit Hilfsmitteln) 125 Dollar pro Szene extra, anal mit anderem Geschlecht 250 Dollar pro Szene extra." Vor der Kamera solle man bitte nicht brüllen wie eine Irre, "das macht den Tontechniker verrückt und sieht sowieso nicht echt aus". Überhaupt, "nur sehr wenig Frauen sehen beim Ficken gut aus". Und sie rät, das Pornoleben nicht nur mal so zu testen, sondern sich gleich zu entscheiden, es lange zu machen und das der Familie und Freunden zu sagen. Sonst, Sibel Kekilli hergehört, habe man ein Leben lang Angst, die kurze Karriere könne aufgedeckt werden.

Und Porno-Männer?

Na ja, sie sind das Fußvolk der Branche. Schlechter bezahlt, haben sie nur einen Job: "be wooden" (sei hart wie Holz), wie Jenna sagt. Wichtigster Tipp der Porno-Queen: Übt euer Orgasmusgesicht.

Jenna Jameson ist heute mit dem Produzenten Jay Grdina verheiratet, macht schätzungsweise zehn Millionen Dollar Umsatz im Jahr und lebt auf einem Anwesen in Arizona. In ihrem ganzen Haus, sagt sie, gebe es keinen einzigen Pornofilm, "ich hasse es, mich anzuschauen". Irgendwann will sie mal aufhören mit dem Job und Kinder bekommen. Fürs Alter hat sie vorgesorgt: In einem Archiv liegen noch etliche Pornofilme, die sie mit ihrem Mann auf Vorrat gedreht hat.

Jochen Siemens / print
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