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Jubiläum: Fünf Jahrzehnte auf dem Thron

Seit 50 Jahren regiert Königin Elisabeth II. Großbritannien. Obwohl sie bereits 1952 nach dem Tod ihres Vaters Staatsoberhaupt geworden war, erfolgte die Krönung erst im darauf folgenden Jahr.

Vor fünfzig Jahren verfolgten Fernsehzuschauer in aller Welt gebannt die flimmernden Schwarz-Weiß-Bilder aus London: Dort bestieg nach den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren eine neue Königin den Thron, ein neues Zeitalter begann. Gut ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters wurde Elizabeth II. am 2. Juni 1953 in der Westminster-Abtei offiziell zur Queen gekürt.

Queen des Volkes

Mit einem landesweiten Volksfest hießen die Briten damals ihre junge Königin willkommen. Die 27-Jährige, die nach dem Tod König Georg VI. bereits im Februar 1952 die Regentschaft übernommen hatte, stand für neuen Schwung und Hoffnung. Ein halbes Jahrhundert später hat Großbritannien das Ende des Empire er- und große politische und wirtschaftliche Veränderungen durchlebt. Geändert hat sich auch die Rolle des Königshauses. Unter der Regentschaft von Elizabeth II. ging sein Einfluss zurück, die Royals gerieten immer wieder scharf in die Kritik. Zerrüttete Ehen und Skandale im Familienkreis brachten die Königlichen in die Schlagzeilen und machten der Königin schwer zu schaffen.

Eine Queen des Volkes ist Elizabeth II. in ihrer mehr als 50-jährigen Regentschaft nicht geworden. Als distanzierte Persönlichkeit, die nichts aus der Fassung bringen kann, hat sie stets ihre repräsentative Rolle ausgefüllt. So eröffnet sie jedes Jahr feierlich die neue Sitzungsperiode des Parlaments und verliest in ihrer Thronrede die Regierungserklärung des Premierministers ohne kommentierenden Unterton.

Im 40. Jahr von Elizabeths Regentschaft überschlugen sich die Ereignisse, die das Ansehen der Monarchie zutiefst erschütterten. Die Königin selbst bezeichnete 1992 als "annus horribilis", als Schreckensjahr. Es begann mit der Ehekrise zwischen ihrem zweiten Sohn Andrew und seiner Frau Sarah. Die beiden trennten sich im März. Im April ließ sich Tochter Anne von Hauptmann Mark Phillips scheiden. In den Sommermonaten wurden die Eheprobleme von Thronfolger Charles und Prinzessin Diana in den Medien ausgeschlachtet. Die offizielle Trennung wurde im Dezember 1992 bekannt gegeben, die Scheidung folgte 1996.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das einstmals unerschütterliche Vertrauen der Briten in ihr Königshaus einen Tiefpunkt erreicht. Bei einer Umfrage im Februar 1996 vertraten 43 Prozent die Ansicht, dass die Monarchie die nächsten 50 Jahre nicht überleben werde. Nach Erhebungen aus den vergangenen Jahren will ein Großteil der Briten lieber als "Bürger" gelten, nicht als königliche Untertanen.

Jubiläumsgottesdienst in der Westminster-Abtei

Noch hat die 77-jährige Queen die Regentschaft aber fest in der Hand. Und wenn sie genau so lange rüstig bleibt wie ihre Mutter, die im vergangenen Jahr im Alter von 101 Jahren starb, dürfte sie den Briten noch einige Zeit erhalten bleiben. Sie könnte sogar den Rekord von Königin Viktoria einstellen, die 64 Jahre lang auf dem britischen Thron saß und mit ihrem Namen ein ganzes Zeitalter prägte.

Den 50. Jahrestag der Krönung will die Queen im privaten Rahmen feiern. Die Zeitung "Daily Telegraph" berichtete, Prinz Charles wolle für seine Mutter eine Party unter dem Motto "1953" ausrichten. Höhepunkt des Tages soll ein Jubiläumsgottesdienst in der Westminster-Abtei sein, und im Buckinham-Palast will Elizabeth Kinder aus ärmeren Familien zum Tee empfangen.

Audrey Woods