VG-Wort Pixel

Verstorbener Designer Neue Biografie enthüllt: Karl Lagerfelds Eltern waren Mitglieder in der NSDAP

Karl Lagerfeld
 Karl Lagerfeld verstarb im Februar vergangenen Jahres
© Ekaterina Chesnokova / Picture Alliance
Eine neue Biografie über Karl Lagerfeld deckt auf, dass die Eltern des verstorbenen Chanel-Designers Mitglieder in der NSDAP waren. Bei Lagerfelds Vater hatte das wohl strategische Gründe. 

In seiner neuen Biografie "Karl Lagerfeld. Ein Deutscher in Paris" (erscheint am 17.9.) enthüllt F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser Details über Karl Lagerfelds Eltern. Einen ersten Auszug hat die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" veröffentlicht. Sowohl der Vater des Designers als auch seine Mutter seien Mitglieder in der NSDAP gewesen.

Karl Lagerfelds Eltern waren Mitglieder in der NSDAP

So soll Otto Lagerfeld, der das Kondensmilch-Unternehmen Glücksklee gründete, Adolf Hitlers Partei aus wirtschaftlichen Interessen beigetreten sein. Seine zweite Ehefrau und Mutter von Karl Lagerfeld, Elisabeth, sei jedoch in den 30er Jahren überzeugte Nationalsozialistin gewesen.

Autor Alfons Kaiser fand während seiner Recherche über die Modeikone ein maschinenschriftliches Schreiben im Nachlass von Elisabeth Lagerfelds Schwester Felicitas Ramstedt. Darin spricht Lagerfelds Mutter über ihre Parteizugehörigkeit und gibt zu, später anders über die Ideale der Nazis gedacht zu haben. 

Nicht bekannt, ob der Designer was wusste

Es ist nicht bekannt, ob Karl Lagerfeld selbst von den politischen Ansichten seiner Eltern wusste. Was seine Kindheit und Jugend anging, hielt sich der Modezar meist bedeckt. Alfons Kaiser könnte sich aber vorstellen, dass er davon ablenken wollte, als er später über seine Mutter sprach. "Können Sie Ihrem Sohn nicht mal sagen, er soll sich die Haare abschneiden?" soll ein Lehrer nach dem Krieg zu ihr gesagt haben. "Wieso? Sind Sie noch Nazi?", soll Elisabeth Lagerfeld erwidert haben.

Dass seine Mutter eine Schlüsselfigur in seinem Leben war, hat der Designer derweil oft angedeutet. "Ihr lag nicht viel an Kindergeschwätz. Sie sagte: 'Wenn du mit mir reden willst, dann streng dich an, oder sei ruhig. Dein Unfug verdient nicht mehr Zeit, also sprich schneller'", erinnerte er sich zu Lebzeiten. "Sie verteilte keine Komplimente, sagte stattdessen Dinge wie: 'Du bräuchtest Vorhänge für deine Nasenlöcher. Sie sind zu groß.'"

"Mit seinem eigenen Leben hat das natürlich wenig zu tun", erzählte Alfons Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. "Aber seine Karriere hätte womöglich anders verlaufen können, wäre das früher bekannt geworden. Vielleicht hätte ihn Chanel dann gar nicht genommen, denn als Deutscher hatte er es in Paris in den Anfangsjahren ohnehin nicht leicht."

Die Biografie "Karl Lagerfeld. Ein Deutscher in Paris" von Alfons Kaiser erscheint offiziell am Donnerstag (17.9.) im Verlag C.H. Beck.

ls / dpa

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker