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Kate Middleton: Die Party-Prinzessin

Noch vor einem Jahr galt sie als elegante "English Rose" und perfekte Gattin für Thronfolger William. Jetzt sinkt der Stern von Kate Middleton, die das süße Leben einer eigenen Karriere vorzieht - sehr zum Vorteil von Prinz Harry und dessen Freundin Chelsy.

Von Cornelia Fuchs

Vielleicht waren es die Bilder aus dem dritten Luxusurlaub in diesem Jahr, in dem Kate Middleton mit gebräuntem Ideal-Körper auf Yachten herumlungerte. Vielleicht waren es auch die erneuten Schlagzeilen nach ihrer Rückkehr ins verregnete London: Die Großmutter ihres königlichen Freundes riet ihr dringend, sich besser einen Job als Wohltäterin zu suchen. Der Eindruck, sie warte nur darauf, endlich eine Prinzessin zu werden, ist nicht vorteilhaft.

Die Zeichen waren jedenfalls deutlich: Die Briten und ihre Königin verloren die Geduld mit Prinz Williams Dauerfreundin, Spitzname "Waity Katie" ("Warte-Kate"). Was, um Himmels willen, macht die Frau eigentlich den ganzen Tag? Sie hat doch einen Uni-Abschluss, sogar mit einer prima Note, sie hat exzellente Verbindungen, ihre Eltern sind strebsame Leute, die durch Kinderpartyartikel-Verkauf ihre Millionen hart erarbeitet haben.

Nur Kate macht nichts. "Wastey Katie" hat die Kolumnistin Liz Hunt sie jetzt schon genannt, die verschwendete Kate. Und als Gemeinheit noch hinzugefügt, dass es bei Diana in der Schule zwar nur zu einer Auszeichnung für den wohlgenährtesten Hamster reichte. Aber immerhin habe die es geschafft, vor ihrer Heirat noch einen Job als Kindergärtnerin anzutreten. Dagegen hat sich Kate wohl, so die Sonntagszeitung "The Observer", für "Vollzeit-Parasitentum" entschieden. Das saß.

"Sie arbeitet doch"

Jetzt gingen ominöse Freunde von Kate in der englischen Presse zum Gegenangriff über: Sie arbeite doch! Jeden Werktag, von neun bis fünf Uhr im Büro ihrer Eltern in Bucklebury, Abteilung Katalog-Zusammenstellen für Kinderparty-Accessoires. Und außerdem organisiert sie auch noch eine Wohltätigkeits-Disco für arme Kinder. Ja, ist das etwa nicht genug für eine zukünftige Prinzessin Großbritanniens?

Catherine Elizabeth Middleton, das sollte man bei den aktuellen Schlagzeilen nicht vergessen, war doch einmal das Mädchen, "das am ehesten alle bezaubern würde", wie ihre Klassenkameraden am Marlborough College einstimmig befanden. Sie war noch im vergangenen Jahr die "mühelos elegante englische Rose", jedenfalls wenn man einem der am besten vernetzten Männer Londons glauben darf, dem Chefredakteur der Reichen-und-Schönen-Bibel "Tatler", Geordie Greig.

So nett war Miss Middleton, dass sie sogar einem furchtbar nervigen Journalisten, der sie telefonisch bis in ihre 2300-Euro-pro-Nacht-Ferienvilla auf der karibischen Insel Mustique verfolgte, nur ein "Es tut mir ja so furchtbar leid, aber ich werde nicht weiter mit Ihnen sprechen. Bitte entschuldigen Sie mich" durch den Hörer entgegenflötete, bevor sie auflegte.

Das war Ende Mai, und da Kate nicht redet, weder über Hochzeitspläne noch über sonst irgendetwas, bleiben für die Neugierigen nur die Bilder - und die erzählen ihre eigene Geschichte: Ein typisches Kate-Wochenende beginnt zum Beispiel an einem Freitagabend im Juni im VIP-Bereich des Nelson-Mandela-Benefizkonzerts, geht weiter im Club "Whisky Mist", bis um Mitternacht die Wimperntusche verschmiert ist, und endet am Samstag beim Champagnertrinken mit Wimbledons High Society. Dazwischen, danach und davor geht sie einkaufen.

Opfer bringen

"Sichtbare öffentliche Aufopferung lenkt von zu vielen Polo-Champagner- Wochenenden und Skiferien ab", sagt Patrick Jephson, Ex-Privatsekretär der seligen Diana, die dieses Spiel perfekt beherrschte. "Das ist die wichtigste Lektion für ein mögliches Mitglied der königlichen Familie." Denn die Engländer mögen zwar, wenn ihre Stars mit verrutschten Röcken und roten Bäckchen aus Kneipen fallen. Das gilt aber nicht für weibliche Mitglieder des Königshauses, wie Fergie ihrerzeit schmerzlich erfahren musste.

Die Royal Highnesses sind desto beliebter, je mehr Opfer sie zu bringen bereit sind: Queen Alexandra, die Urgroßmutter Elizabeths, ertrug die Geliebten ihres Mannes, Queen Mom ertrug die Bomben auf London, und Williams Großmutter, die heutige Königin, trägt die Last der Verantwortung, wie sie in der Radioansprache zu ihrem 21. Geburtstag dem englischen Volk versprach: "Hiermit erkläre ich, dass mein ganzes Leben, sei es lang oder kurz, zu euren Diensten steht." Das sitzt bis heute.

Kate dagegen "muss sich noch in ihre zukünftige Rolle am Hofe einfügen", wie das die Klatschpostille "Hello!" süffisant bemerkte. Anlass für diesen Ausbruch gut gemeinter Ratschläge waren Bilder der Zeremonie des Hochedlen Ordens vom Hosenbande. Prinz William wurde von seiner Großmutter als tausendster Ritter mit dieser höchsten aller englischen Auszeichnungen bedacht. Und was macht seine Herzallerliebste an solch einem Tag? Sie steht neben Prinz Harry und giggelt. Vielleicht nicht ganz unverständlich angesichts des schwarzen Samthaufens auf Williams Kopf, der aussieht, als hätte sich zuvor ein Elefant darauf niedergelassen. Aber dennoch hätte Großbritannien ein bisschen mehr Zurückhaltung erwartet.

Die Zeichen sind klar: William und Kate verbrauchen ihre Sympathiepunkte gerade schneller, als nettes Lächeln und ein paar Uniformbilder des schnittigen Prinzen beim Anti-Drogen-Einsatz in der Karibik wieder hereinholen können. Zur schlechten Stimmung trägt William auch selbst bei: Während seines Einsatzes bei der Royal Airforce hielt er es für eine schlaue Idee, einen Helikopter auf der Wiese der Middletons zu landen, nachdem er vorher über deren Haus in Bucklebury geknattert war. Kostenpunkt: 8716 englische Pfund.

Harry erobert die Herzen der Briten

So unglücklich William gerade in den Medien agiert, so gern haben die seinen Bruder Harry. Der ehemalige Party-Prinz Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor mausert sich gerade zum wahren Sohn seiner Mutter. Seinen Bruder hat er in der Beliebtheitsrangfolge spätestens seit seinem Bilderbuchausflug mit gestähltem Oberkörper in der afghanischen Steppe überholt. Acht Seiten widmete ihm "Hello!" und zeigte ihn im afrikanischen Lesotho beim Buddeln im Sand und mit Hammer in der Hand beim Abreißen des Daches einer Behindertenschule. William bekam in schicker blauer Navy-Uniform auf seinem Schiff in der Karibik gerade einmal drei Seiten in derselben Ausgabe.

Harry hilft den Armen, verzückt Aidswaisen und erobert die Herzen in Großbritannien - wie seine Mutter. William dagegen verliert Haare, verschwendet sinnlos Geld und wird so seinem royal irgendwie unvollendeten Vater immer ähnlicher.

Harrys neuer Beliebtheitsgrad färbt sogar auf seine Freundin Chelsy ab, die bisher eher mit Zigarette im Mund und Wodkaglas in der Hand auffiel. Immerhin hat die 22-Jährige in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie noch lernen kann. Sie wird jetzt häufiger in knielangen Röcken und gut geschnittenen Blazern gesehen als im Ledermini und mit orangefarbenen "Boob-Tubes" (das sind geschmacklich zweifelhafte elastische Textilschläuche zur Verdeckung der weiblichen Oberweite). Außerdem macht sie gerade ihren Magister in Politik- und Rechtswissenschaften und scheint auch ansonsten ein ganz patentes Mädel zu sein: Freunde erzählen, dass sie zwar weder Bett noch Tee machen könne, aber dafür Schlangen erwürgen und ohne Sattel auf Pferden reiten.

Rückkehr in die 50er Jahre

Prinz William ließ gerade verlauten, dass er nach seinem Militärdienst Ende des Jahres einen eigenen Pressesprecher sucht. Was allgemein so interpretiert wird, dass sich William aus dem Schatten seines Vaters lösen und ein weiteres Subunternehmen des Hauses Windsor gründen will. Spätestens dann wird die Frage dringender werden: Was ist nun mit Kate Middleton? Und es gibt böse Stimmen aus den Reihen des Hochadels, die der Königshaus-Expertin Jessica Fellowes anonym zugeflüstert haben, dass der Prinz gar nicht mehr anders kann, als Kate die Stufen zur Westminster Abbey oder St. Paul's Cathedral hinaufzuführen - weil er Miss Middleton "schon die Zwanziger gestohlen hat".

Prinzessin Victoria von Schweden spricht vier Sprachen und hat unter anderem ein Praktikum bei den Vereinten Nationen absolviert, Prinzessin Letizia von Spanien war Nachrichtenmoderatorin, und sogar Williams kleine Cousine Beatrice hat gerade Erfahrungen im Kaufhaus Selfridges gesammelt. Kate dagegen steckt sich Federn ins Haar, hängt sich winzige Handtaschen um den Arm und steht mit älteren Damen der königlichen Familie vor Partyzelten und Kirchen herum. "Wie traurig", meint da nicht nur Liz Hunt, Kolumnistin der Tageszeitung "Daily Telegraph". Mit Kate Middleton ist die königliche Familie endgültig wieder in den 50er Jahren angelangt.

Was eigentlich, wenn man Beziehungsexperten glauben mag, kein besonders sicheres Fundament für eine glückliche Ehe sein kann. Oder, anders gesagt: Die Seifenoper rund um die Windsorschen Beziehungsprobleme hat alle Aussichten, offiziell in die nächste Runde zu gehen.

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