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Knigge 2.0: Single im Leben, online vergeben

Es gab Zeiten, da mussten wir uns nur im echten Leben um unseren Beziehungsstatus sorgen. Als sei das nicht schon schwer genug, nötigt einen das Internet inzwischen, öffentlich zu erklären, wie verliebt, verlobt oder verheiratet man gerade ist. Wer nicht mehr ganz "Single", aber auch noch nicht so richtig "vergeben" ist, hat es da oft schwer.

Von Christoph Koch

Früher war alles einfacher. Wenn man einige Male mit der neuen Flamme ausgegangen oder im Bett gelandet war, sich aber dennoch nicht entscheiden konnte, ob sie oder er die oder der Richtige war, bediente man sich einer simplen Taktik: Man druckste herum. Denn meistens war es ja nur der eigene Freundeskreis, der mit Fragen zum neuen Liebesglück nervte. Man konnte sich dann mit einem klaren "Hmm, also... " oder "Wir haben schon eine Menge Spaß zusammen" rauswinden oder auch ein offenes "Mal sehen, wie sich's entwickelt" entgegnen und dann schnell das Thema wechseln.

In Zeiten der sozialen Netzwerke hat sich das jedoch geändert. Egal, ob Jobbörse oder Meine-alten-Klassenkameraden-Portal - überall gehört neben Alter, Geschlecht und Hobbys auch der Beziehungsstatus zu den Standards, die es auszufüllen oder anzukreuzen gilt. Auf "MySpace" zum Beispiel kann man zwischen "Single", "vergeben", "verlobt", "verheiratet" und "geschieden" wählen. Witwen und Witwer werden offenbar für zu alt gehalten, noch einen Computer oder ein romantisches Herz zu bedienen. Für Verlobte und Verheiratete ist es ein Leichtes, das richtige Feld anzukreuzen. Aber für die nicht - oder noch nicht so ganz - Liierten, stellt sich spätestens hier das Problem: Wann klickt man den Status "Single" weg und dafür "vergeben" an?

Wer sich an dieser Stelle mit Bauchentscheidungen schwer tut, der sollte anfangen, sich selbst und das eigene Tun und Handeln etwas genauer zu betrachten: Im selben Moment, in dem Sie einer Bar-Bekanntschaft nicht mehr zwinkernd ihre Telefonnummer geben, sondern ihr stattdessen begeistert von Ihrer Freundin oder Ihrem Freund erzählen, könnte ein Hinweis darauf vorliegen, dass es Ihnen ernst ist. Das mag Ihnen vielleicht auch unausgesprochen klar sein. Ob aber Ihr neuer Partner das genau so sieht, das wissen Sie nicht. Deshalb ist ein offenes Gespräch auf alle Fälle ratsam. Wenn Sie sich einig sind, dass Sie bestimmte Sachen nur noch mit dem anderen machen wollen und nicht mehr mit tätowiertem Barpersonal nach Dienstschluss oder Ex-Affären, die zufällig für ein Wochenende in der Stadt sind, dann ziehen Sie aus diesem Schritt auch online die Konsequenzen. Stellen Sie Ihren Status von "Für alles zu haben" auf "Bitte keine Nacktbilder mailen" - oder wie auch immer die Knöpfe für "bin Single" und "bin vergeben" bei der Online-Gemeinde Ihrer Wahl heißen mögen.

Fairness und Manieren gelten auch online

Natürlich könnten Sie darauf spekulieren, dass Ihr neuer Partner nicht bei der als Karriere-Portal getarnten Online-Mitfickzentrale so-und-so.de angemeldet ist und deshalb gar nichts von Ihrem Profil dort weiß. Doch das ist zu kurz gedacht. Erstens könnte er dort schon seit Ewigkeiten unter einem anderen Namen registriert sein - oder sie im ersten Liebesrausch googeln und auf Ihr Profil stoßen. Und zweitens sollte es ja gar nicht darum gehen, ob Sie nur dann aufrichtig und treu sind, wenn der andere es mitbekommt. Denn wie im restlichen Lebens auch sind in der Beziehung Manieren und anständiges Verhalten dann am wichtigsten, wenn niemand außer einem selbst hinsieht.

Dass es sich in einer Beziehung nicht gehört, heimlich andersgeschlechtliche Mitglieder einer Online-Community zu "gruscheln" (StudiVZ) oder zu "poken" (Facebook) sollte sich daher ebenso von selbst verstehen wie das Entfernen einiger überholter Fotos aus der eigenen Bildergalerie. Denn auch wenn Bilder, auf denen Sie noch innig mit Ihrem Expartner durch die Dünen von St. Peter-Ording hüpfen, für Sie eine schöne Urlaubserinnerung sind - Ihrer neuen Liebe wird diese offen zur Schau gestellte Nostalgie wenig Freude bereiten.

Und um wieder zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Singles dürfen übrigens durchaus schwindeln und ankreuzen, dass sie bereits vergeben sind. Vor allem bei Frauen, die auf einer Job-Plattform wie xing.de nicht dauernd Komplimente für ihren "wirklich zauberhaften Namen" bekommen und zum Essen auf einer Autobahnraststätte eingeladen werden wollen, ist das eine legitime Abwehrstrategie. Denn fragt man einige dieser so forsch wie plump flirtenden Männer, ob sie denn nicht selbst in festen Händen seien - schließlich könne man auf einem ihrer Profilfotos doch ganz deutlich einen Ehering erkennen - so merkt man schnell, dass eines auch in Zeiten des Internets nie aussterben wird: das gute alte Rumdrucksen.

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