Lindbergh-Kinder "Ich bin mir absolut sicher, dass er mein Vater ist"


Die drei mutmaßlichen unehelichen Kinder des Fliegerhelden Charles Lindbergh wollen ihre Herkunft mit einem DNA-Test noch in diesem Jahr beweisen. Dies erklärten Astrid Bouteuil und ihre beiden Brüder Dyrk und David Hesshaimer in München.

Auch nach ihrem ersten gemeinsamen Medienauftritt ranken sich weiter Zweifel um die angeblichen deutschen Kinder des Flugpioniers Charles Lindbergh. Auf die Frage, ob die beiden Söhne und die Tochter der angeblichen Münchner Geliebten des amerikanischen Nationalhelden einen Gentest machen wollen, gingen die Antworten am Donnerstag durcheinander.

Dyrk Hesshaimer, ältester Sohn der Familie, sagte: "Wir sind offen für einen Gentest." Seine 42-Jährige in Frankreich lebende Schwester Astrid Bouteuil meinte zunächst, dafür gebe es derzeit keine Notwendigkeit. Auf Nachfrage sagte sie, wenn es von Rechts wegen erforderlich werde, sei auch sie für einen Test. Und zum Schluss sagte der PR-Berater der drei Geschwister: "Das Thema Gentest werden wir aktiv sicherlich selbst angehen." Auf die Frage, wann, antwortete er, ein Testergebnis werde sicher noch dieses Jahr vorliegen.

Von Medienrummel überrascht

Die drei Geschwister wurden von dem Medienrummel, den sie mit ihrer Lebensgeschichte vergangene Woche in der "Süddeutschen Zeitung" ausgelöst haben, nach eigenen Angaben total überrascht. Sämtliche Telefonanschlüsse verweisen seit Tagen nur auf eine E-Mail-Adresse des PR-Beraters. Nach der Flut von Interviewanfragen, entschlossen sich die Kinder zu einer Pressekonferenz, zu der Dutzende Fotografen und Journalisten in den Stadtratsaal des Münchener Rathaus kamen.

Anders als ihre Brüder genoss es Astrid Bouteuil sichtlich, im Blitzlichtgewitter der Kameras zu stehen. Auch bei kritischen Fragen, strahlte sie ihr Publikum an. Etwa, ob es nicht rücksichtsvoller gewesen wäre, zunächst mit der amerikanische Lindbergh-Familie Kontakt aufzunehmen, bevor die Geschichte in der Presse erschien.

"Doch, doch, Sie haben recht", lächelte Bouteuil. Aber sie sei eben sehr naiv. "Für mich ist er mein Vater", sagte sie zu den Journalisten. "Für Sie ist es Charles Lindbergh. Für mich ist das ziemlich egal." Sie habe nur die Geschichte ihrer Familie erzählen wollen, hauptsächlich für ihre eigenen vier Kinder. Aber jetzt, nachdem sie sehe, wie groß das Interesse ist, habe sie "richtig Lust ein Buch drüber zu schreiben".

US-Idol mit Doppelleben

Nach ihrer Version soll der amerikanische Nationalheld, der 1927 als erster Pilot nonstop über den Ozean von New York nach Paris flog, ihre Mutter, die 24 Jahre jüngere Hutmacherin Brigitte Hesshaimer 1957 in München kennengelernt haben. Lindbergh selbst war damals 55 Jahre alt. Zwischen 1958 und 1967 kamen die drei Kinder Dyrk, Astrid und David auf die Welt. Zum Beweis legten die Geschwister eine Reihe von Fotos vor, auf denen Lindbergh mit ihnen und ihrer Mutter zu sehen sei.

Auch fand Bouteuil auf dem Dachboden des Elternhauses über einhundert Briefe, die Lindbergh an ihre Mutter geschrieben habe, alle unterzeichnet mit "C.". Laut "Süddeutscher Zeitung" hat ein Gutachten Lindberghs charakteristische Handschrift bestätigt.

Zweifel an der Vaterschaft

Doch der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Lindbergh-Biograf A. Scott Berg bezweifelt, dass die Geschwister wirklich Kinder des amerikanischen Fliegerpioniers sind. Dem stern sagte er, es sei zwar gut möglich, dass ein Kontakt Lindberghs zu Brigitte Hesshaimer und ihren Kindern bestanden habe. Nur an die Vaterschaft glaube er nicht. "Ich glaube gern, dass ihre Mutter ihnen gesagt hat, Charles Lindbergh sei ihr Vater. Ich weiß nichts über die mentale Verfassung dieser Frau. Es war sicher nicht leicht, in den fünfziger Jahren drei Kinder ohne Vater großzuziehen."

Die Lindbergh-Familie erklärte unterdessen, für sie sei wichtig, die Wahrheit herauszufinden. Da es sich aber um eine private und persönliche Sache handle, solle dies aber nicht über die Medien ausgetragen werden.

Astrid Bouteuil berichtete, sie habe erst mit 21 Jahren die wahre Identität ihres Vaters herausgefunden. Gegenüber den Kindern hätten Lindbergh und ihre Mutter angegeben, er heiße Careu Kent und sei Schriftsteller. Sie sei eigens nach Liverpool gereist, um Bücher von ihrem Vater zu finden, die es freilich nicht gegeben habe. "Ich sagte zu meiner Mutter immer, sag mir den richtigen Namen. Sie sagte aber immer: kann ich nicht."

"Das war mein Vater"

Später habe die Tochter auf dem Dachboden Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Lindbergh und ihrer Familie gefunden, sowie ein Heft des US-Magazins "Time-Life". Ihre Mutter habe ihr das Heft sofort aus der Hand gerissen, später hätten drei Seiten gefehlt - eine Geschichte über den Flugzeugpionier Lindbergh. Dann habe sie die Bilder verglichen: "Das war mein Vater."

Ihre Mutter habe ihr schließlich die geheime Beziehung gestanden. Sie habe aber versprechen müssen, das Geheimnis, nicht öffentlich preis zu geben, solange ihre Mutter und auch Lindberghs amerikanische Ehefrau Anne Morrow noch lebten. Beide Frauen starben 2001.


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