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LINDBERGH-FLUG: Erik Lindbergh startet mit der »New Spirit Of St. Louis«

Der Enkel von Charles Lindbergh, Erik Lindbergh, will 75 Jahre nach dessen Atlantikflug in die Fußstapfen seines Großvaters treten. Mit einer Propellermaschine soll es über den »Großen Teich« gehen.

Erik Lindbergh, der 36-jährige Enkel von Charles Lindbergh, lässt sich höchstens von schlechtem Wetter noch von seinem geplanten Transatlantikflug abbringen. Er will am kommenden Mittwoch (1. Mai) genau 75 Jahre nach dem berühmten Soloflug seines Großvaters dessen historischer Reiseroute folgen. Der Start soll in Farmingdale bei New York erfolgen, sagte Lindbergh am Donnerstag in Manhattan.

Unterwegs mit der neuen »Spirit of St. Louis«

Ebenso wie sein Großvater will Lindbergh mit einer einmotorigen Propellermaschine nonstop von New York nach Paris fliegen. Die neue »Spirit of St. Louis«, eine Lancair Columbia 300, ist mit einer modernen Satellitenanlage (GPS) ausgestattet, die ihm den Weg weist. Das Flugzeug ist aus einem Glas- und Kohlenstoffgemisch gebaut und kleiner sowie wesentlich schneller als das historische Flugzeug seines Großvaters. Die neue »Spirit of St. Louis« hat eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 296 Stundenkilometern, verglichen mit den 108 km/h des Originalflugzeuges.

Überquerung in 17 bis 21 Stunden

»Ich will mich nicht unnötig gefährden, sondern in erster Linie an die Leistung meines Großvaters erinnern. Deshalb habe ich so viele Sicherheitsmaßnahmen wie möglich ergriffen«, sagte Linbergh. »Bei schlechten Wetterbedingungen werde ich den Start verschieben.« Der damals 25-jährige Charles Lindbergh hatte für die Atlantik- Überquerung am 21. Mai 1927 33 Stunden und 28 Minuten gebraucht. Sein Enkel Erik will es - je nach Wetter - in 17 bis 21 Stunden schaffen. Lindbergh hatte seinen Transatlantik-Flug in San Diego begonnen, wo das Flugzeug seines Großvaters hergestellt worden war. Am vergangenen Wochenende war er von St. Louis (Missouri) nach Farmingdale geflogen.

Fliegeridol und Familientyrann: Charles Lindbergh

Als er nach seinem Flug über den Atlantik zur Landung in Paris ansetzte, sah er auf dem Rollfeld zunächst nur einen riesigen, beweglichen, unregelmäßig beleuchteten schwarzen Fleck. 150.000 Menschen warteten an diesem Abend im Scheinwerferlicht ihrer Autos auf den amerikanischen Fliegerhelden Charles Lindbergh, der den Atlantik am 21. Mai 1927 von New York aus erstmals allein und nonstop überquerte - 5750 Kilometer in 33 Stunden und 32 Minuten.

Lindbergh - Der Nazi-Sympathisant

In Deutschland ließ sich das Fliegeridol von prominenten Nazis feiern und trat zeitlebens mit rassistischen und antisemitischen Kommentaren in Erscheinung. »Wenn ich wählen könnte, was ich von dem, was ich in meinem Leben gelernt habe, meinen Kindern bleibend vermittle, dann dies: wie wichtig bei der Partnerwahl die Erbgesundheitslehre ist«, schrieb er noch 1966 in einem Brief an seine Tochter Reeve.

Das entführte Lindbergh-Baby

Am 1. März 1932 wird Lindberghs neunzehn Monate alter Sohn Charles wird entführt. »Den strahlenden Amerikaner, der einst ... mit unsterblichen Flügelschlägen den Ozean überflogen hat, holte der Fluch der Publizität ein und schlug ihn zu Boden«, schreibt Friedrich Sieburg. Ganz Amerika fühlt sich als Opfer der schändlichen Tat. Eine Fahndung, wie es noch keine gab, hält das Land in Atem. Lindbergh zahlt 50.000 Dollar Lösegeld und erfährt nie, an wen. Im Mai wird das Kind tot gefunden. »Baby dead!« heißt die Schlagzeile, die jeder versteht. Die Aufdringlichkeit der Reporter wird zum Albtraum. »Mob« nennt er sie. »Bei afrikanischen Wilden herrscht mehr Würde.« Ein deutscher Einwanderer, Bruno Richard Hauptmann, der immer seine Unschuld beteuerte, wird in einem Indizienprozeß zum Tod verurteilt und hingerichtet. Bis heute bleiben Zweifel, ob er nicht das Opfer eines von der Massenhysterie erzwungenen Justizirrtums wurde.

Lindbergh - der Tyrann

In den eigenen vier Wänden galt der »Pfadfinder der Lüfte« als Tyrann: »Die Atmosphäre, die Spannung ist so schrecklich, dass sie, wenn C. für ein paar Tage aus dem Haus ist, alle singen«, notierte seine Frau Anne, die Lindbergh im Mai 1929 geheiratet hatte. Auf vielen Flügen begleitete sie ihn als Kopilotin und avancierte zu einer bedeutenden feministischen Autorin (»Muscheln in meiner Hand«). Selbst als ihr 1932 entführtes Baby, eines von sechs gemeinsamen Kindern, tot aufgefunden wurde, habe Lindbergh mit Unverständnis auf die Trauer seiner Frau reagiert und eiserne Haltung bewahrt: Er habe nie geweint, schrieb Anne in ihr Tagebuch.

Vom Postflieger zum Idol

Am 4. Februar 1902 als Sohn eines schwedischen Einwanderers geboren, begann Lindbergh 1920 ein technisches Studium, das er zu Gunsten der Fliegerei jedoch schon bald aufgab. 1926 wurde er Postflieger zwischen Chicago und St. Louis und führte den Farmern im mittleren Westen als Flugakrobat für wenig Geld spektakuläre Kunststücke vor, bevor er mit seiner »Spirit of St. Louis« getauften, einmotorigen, nur 8,43 Meter langen Maschine Geschichte schrieb. Zu seiner Beisetzung auf der Hawaii-Insel Maui, wo das von Millionen gefeierte Fliegeridol zurückgezogen lebte und 1974 vereinsamt starb, kamen nur wenige.