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Lindsay Lohan Ist der Ruf erst ruiniert


Lindsay Lohan ist in aller Munde, allerdings weniger wegen ihrer schauspielerischen Leistungen, als wegen ihrer Drogen- und Alkohol-Eskapaden.
Von Frank Siering, L.A.

Lindsay Lohan ist ein amerikanisches Popkultur-Phänomen: Gerade einmal 20 Jahre alt, hat die Schauspielerin in Amerika mittlerweile den Status einer Ikone erreicht. Das liegt weniger an ihrer großartigen Schauspielkarriere. Selbst eingefleischte Kinofans können sich an Streifen wie "The Parent Trap", "Herbie Fully Loaded" oder "Get a Clue" kaum erinnern. Sicher, "Freaky Friday" oder auch "Mean Girls" waren ansehnlich, aber Lohans Leistung in "Bobby" erhielt nur lauwarme Kritiken. Und der anstehende Streifen "Georgia Rules" hätte Lohan fast die Karriere gekostet. Dennoch vergeht kein Tag, da nicht ein neues "Lindsay-Update" über die Nachrichtenticker hüpft.

Der neueste Skandal: Lohan wurde beim Koksen erwischt. 20 Lines soll sie sich in einer Nacht mit dem Fingernagel in die Nase geschaufelt haben. Und das in der Toilette des exklusiven Nachtclubs Teddy's in Hollywoods Roosevelt Hotel. Und wie schon Kate Moss wurde sie dabei gefilmt, vermutlich von einer Handykamera. Dabei wurde die Jung-Aktrice gerade aus der Einzugsklinik Wonderland entlassen, in die sie sich selbst für eine 20.000-Dollar-Therapie eingewiesen hatte, um vom Alkohol loszukommen. Doch das scheint wenig genutzt zu haben, wie einer ihrer sogenannten Freunde nun verriet. Die Wasserflasche, die sie ständig mit sich herumträgt, ist mit Wodka gefüllt, so steht es in der britischen Zeitung "News of the World". Und Kokain ziehe sie gern auch einmal von Glastischen - mit nichts weiter bekleidet als einer Unterhose.

Warum also ist der Name Lindsay Lohan so bekannt wie Ketchup, warum ist sie trotz zugegebener Alkoholprobleme weiterhin so umtriebig wie ein herrenloser Straßenköter? ¬Weil sie der Prototyp einer neuen Generation von amerikanischen Mimen ist. Eine Generation, die Kritik an sich abperlen lässt wie brackiges Teichwasser von Entengefieder. Eine Generation, die von ihren Eltern schon als Kind in eine Industrie getrieben wurde, in der die Jungen dem Wolf zum Fraß vorgeworfen werden. Eine Generation, die viel zu früh viel zuviel Geld verdient.

Beliebig austauschbare Mädchen

Lohan ist das Paradebeispiel dafür und gleichzeitig beliebig austauschbar. Paris Hilton, Nicole Richie, Jessica und Ashlee Simpson, Britney Spears. Sie alle könnten an dieser Stelle stehen. Verkörpern sie doch ein Image und - fast noch schlimmer -¬ eine Vorbildfunktion für Millionen anderer junger Mädchen, die ebenso leben wollen wie sie.

Nun allerdings scheint sich ein leichter und - zugegeben - von außen erzwungene Paradigmen-Wechsel bemerkbar zu machen im Universum Lohan. Angefangen hatte der mit einem offenen Brief des Produzenten James Robinson, der sich öffentlich über die "unprofessionelle Einstellung" Lohans gegenüber ihres Arbeitgebers Morgan Creek Productions auf dem Set von "Georgia Rules" (kommt demnächst in die US-Kinos) beschwert hatte. Damals verglich Robinson Lohan, die die gesamte Produktion gefährdete, weil sie einfach mehrere Tage hintereinander nicht zur Arbeit erschien, mit einem "verwöhnten Kind". Damit aber nicht genug. Auch Kollegen, und das ist neu, halten nicht mehr hintern Berg, wenn es um die "Ich kann mir alles erlauben"-Einstellung geht. Jane Fonda soll sich derzeit heftig darum bemühen, dass ihre "Georgia Rules"-Kollegin Lohan nicht mit ihr über den Roten Teppich schreitet bei der Premiere des Films am 7.Mai in Atlanta. Den Altstar haben die "Diva-Allüren" der 20-Jährigen so geschockt, dass sie mit dem Rotschopf nichts mehr zu tun haben möchte. Auch wenn die Publizistin von Fonda zu den Gerüchten heftig ihren PR-Kopf schüttelt.

Nicht überall gern gesehen

Belegt ist allerdings die Warnung, die Stevie Nicks nach den Eskapaden von Lohan und Co ausgestoßen hat. "Lindsay Lohan und Britney Spears werden ihre wilden Tage irgendwann einmal bedauern", sagt die Fleetwood Mac-Frontfrau. Sie muss es wissen. Kämpfte doch auch Nicks einst gegen Alkohol-und Drogenprobleme. "Hätte ich mich mehr auf meine Karriere und weniger auf meine Eskapaden konzentriert, dann wäre ich sicherlich erfolgreicher gewesen", so Nicks fingerzeigend in Richtung Lohan und Bagage.

Genug von Partymaus Lindsay scheint Keira Knightley zu haben. Sie soll maßgeblichen Anteil daran gehabt haben, dass Sienna Miller und nicht Lindsay Lohan eine Rolle im neuen Film "Best Times of our Lives" bekommen hat. Knightleys Mutter Sharman Macdonald hat das Skript zu dem Film geschrieben. Und Tochter Knightley soll als Financier im Hintergrund fungieren. Als der Star aus der Pirates of the Carribean-Trilogie erfuhr, dass die Produzenten mit Lohan verhandelten, habe die Engländerin sofort interveniert und "No" gesagt. Lindsay Lohan stört die Aufregung um ihre Person weniger. Genau wie ihre Society-Genossinnen Hilton, Spears und Simpson, zieht sie einfach weiter durch die Nachtclubs und zerlegt ab und zu mal wieder einen Mercedes auf dem Robertson Boulevard. Warum auch nicht, passt es doch ins Image der modernen Chaos-Generation von Hollywood.


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