HOME

Londoner Nachtleben: Auf der Suche nach "Dirty Harry"

Prinz Harry steht auf der Abschussliste: Eine Londoner Partynacht gilt seit kurzem dann als gelungen, wenn man den Royal im Getümmel aufstöbert. Doch statt sich zurückzuhalten, lässt der königliche Spross keine Bar und keinen Cocktail aus.

Es ist fast 02.00 Uhr am Morgen. Tommy Two Shoes, der DJ mit der Vorliebe für Oldies, legt gerade Stevie Wonder auf, als eine Minirock-Blondine aufgeregt in ihr Handy ruft "Da vorn, ich sehe seinen Rotschopf!" Triumphierend fügt sie hinzu: "Ihr seid im falschen Club, Prinz Harry ist hier bei uns!" Londons Nachtschwärmer haben einen neuen Sport: Prinzen-Spotting, Ausschau halten nach Harry (22). Wer in genau jenem der derzeit einem halben Dutzend angesagten Londoner Nachtclubs tanzt und trinkt, für den sich auch der Enkelsohn der Queen entschieden hat, darf sich als Gewinner fühlen.

Findet den Party-Prinz

Die Chancen auf so eine Begegnung der royalen Art stehen nicht schlecht. Harry, die Nummer drei in der Thronfolge nach seinem Bruder William (24), macht seinem Ruf als "Party-Prinz" seit Wochen alle Ehre. Zwar verzichtet er inzwischen auf unfeine Accessoirs wie die Hakenkreuzarmbinde, mit der er einst einen Sturm der Entrüstung auslöste. Doch ansonsten bieten Harrys Partynächte den Boulevardblättern jede Menge Stoff.

Zugleich erweist sich der jüngste Sohn von Prinzessin Diana und Prinz Charles als Trendsetter. "Wenn Harry im Che-Guevara-Shirt auftaucht, gilt das als modisch, selbst für die smarten Jungs aus dem Bankenviertel", sagt ein Barkeeper im Edelclub "Boujis". Auch was Harry trinkt, setzt Maßstäbe. Kenner wissen, dass er gern im Club "Mahiki" den Cocktail "Treasure Chest" bestellt.

Königlicher Kater im Morgengrauen

Die "Schatzkiste" aus Wodka und Champagner kostet 100 Pfund (150 Euro). Sie wird mit Strohhalmen gereicht und ist für zehn Schlürfer gedacht. Harry und seine Begleitung - meist Kameraden von den "Blues and Royals", dem Leibregiment der Queen - putzen davon enorme Mengen weg. Die Prinzen-Spotterin und Society-Reporterin Anna van Pragh versuchte mitzuhalten: "Ich hatte den Hangover aus der Hölle."

In einer einzigen Wochenendnacht, berichtete die "Daily Mail", habe der "Party-Prinz" zusammen und mit einer Schar von Freunden den Umsatz einer Bar um 11.000 Pfund nach oben getrieben (15.000 Euro). "Harry ist besessen davon, vor applaudierendem Publikum bis zum Morgen zu trinken", erzählte einer seiner Kameraden.

Vorgesetzte räumen ein, dass der Unterleutnant keinen Gefallen daran findet, nach dem Dienst beim Wachschutzregiment Ihrer Majestät Elizabeth II. in Windsor vor den Toren Londons in seiner Offiziersstube Bücher zu lesen. Und das Foto seiner in Afrika lebenden Freundin Chelsy Davy könne ihn ebenso wenig vom Nachtschwärmen abhalten wie das Bildungsprogramm im BBC-Fernsehen.

Engelchen beschützen das Teufelchen

Früher oder später, orakelte das Boulevardblatt "Daily Mirror", werde Harry bei einem Saufgelage "wieder einen kräftigen Skandal auslösen". Dafür würde schon eine erneute kleine Prügelei mit einem Fotografen genügen. Damit das nicht passiert, sind die Schutzengel einer Sondereinheit der Polizei nie weit entfernt.

Zu den Tricks, mit denen der Prinz vor Zusammenstößen mit Fans oder Paparazzi bewahrt wird, gehört dieser: Sein offizieller Wagen fährt mit Getöse vor dem Haupteingang eines Clubs vor, während Harry durch die Küchentür verschwindet, vor der ein Personenschützer samt unauffälligem Taxi wartet.

Aus Sicherheitsgründen wechselt er zudem oft die Clubs, was es den Prinzen-Spottern nicht ganz leicht macht. Allerdings war er im "Mahiki", der ganz im Südseestil gehalten ist, in letzter Zeit am häufigsten. Dort traf er auch US-Popsängerin Madonna. Angeblich haben sie eine halbe Nacht über Waisenkinder in Afrika geredet.

Der Meister der punktuellen Saufgelage

Dass "Mahiki" in der polynesischen Mythologie "Weg in die Unterwelt" bedeutet, sahen manche bei Hofe als böses Omen. Das Gewisper über Harrys Partylust soll sein größter Fürsprecher mit einem Machtwort beendet haben: Prinz Philip, der 85-jährige Ehemann der Queen und Harrys Opa. Junge Offiziere würden nun mal über Stränge schlagen, befand der einstige Marinekommandeur. Solange Harry am nächsten Morgen pünktlich zum Dienst erscheine, solle man den Jungen in Ruhe lassen. Bislang hat er das noch immer geschafft.

Thomas Burmeister/DPA / DPA