Cap mit breitem Schirm, dazu Brille und Hits wie "Chöre" - so haben viele Mark Forster (43) immer noch vor Augen. Dabei hat der Sänger dieses Bild längst hinter sich gelassen: Mit seinem letzten Album schlug der Popsänger 2023 ein neues, reflektierteres Kapitel auf, parallel verschwand die markante gerade Cap zugunsten eines gebogenen Schirms. Auf TikTok und Instagram ist Forster dennoch zur Symbolfigur des "typisch deutschen Spießers" geworden, ungewollter Held unzähliger Memes über seine "Kartoffeligkeit", der morgens Dinge wie "Jetzt aber raus aus den Federn!" sagt. Mit diesem neuen Ruf ist er nun nach acht Jahren zurück bei "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" (seine Folge am 5. Mai um 20:15 Uhr bei Vox, auch via RTL+).
Er habe diesmal unter ganz anderen Vorzeichen teilgenommen, betont er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Damals sei "Echtsein" nicht angesagt gewesen, heute habe er keine Lust mehr auf Fake. Was sein Dasein als Meme mit seinem heutigen Selbstverständnis zu tun hat, warum er Mit-"Tauschkonzert"-Teilnehmer Tream (27) für "noch nicht reif genug" hält und weshalb er sich statt auf ein neues Album auf TikTok-Videos fokussiert, verrät er im Gespräch.
Sie waren schon zweimal bei "Sing meinen Song" dabei. Wieso haben Sie sich entschieden zurückzukommen?
Mark Forster: Ich wurde schon immer mal wieder gefragt, aber es hat nicht gepasst. In den letzten Jahren war ich viel außerhalb des Fernsehens und des Radios unterwegs. Jetzt hatte ich aber Lust darauf. Vieles ist auch noch genauso wie vor acht Jahren. Aber es war ein komplett anderes Gefühl dahinter: Damals wusste ich, es schalten viele Leute ein, meine CD geht auf die Eins und super viele Tickets werden verkauft. Die Hoffnung habe ich jetzt nicht, weil ich nicht weiß, wie viele Leute die Sendung tatsächlich noch verfolgen. Deswegen habe ich das nur für mich gemacht, wie eine sehr aufwendige private Reise. Dadurch habe ich es fast ein bisschen mehr genossen.
Wieso glauben Sie, dass sich der Fernsehzuschauer so verändert hat?
Forster: Das liegt an mehreren Aspekten. Für "Sing meinen Song" braucht man Zeit und Aufmerksamkeit, denn man beschäftigt sich stundenlang mit dem Werk eines Künstlers. Ich weiß nicht, ob das in die Zeit passt. Und natürlich gucken wir allgemein immer weniger Fernsehen. Es war aber auf jeden Fall superschön, egal wer das guckt.
Auch Sie selbst haben sich seit Ihrer letzten Teilnahme verändert: Sie haben sich gerebrandet und sind zum Internet-Meme geworden. Was für einen Einfluss hat dieser Ruf auf Ihr Verhalten in der Show?
Forster: Diese Meme-Sache hat auf alles einen Einfluss. Das ist eine Art liebevolles Mobbing zum Thema meiner Kartoffeligkeit. Ich habe von Anfang an verstanden, warum ich Gegenstand davon bin und dass das witzig ist. Aber ich habe nicht verstanden, warum das so groß und überall ist. Das hat dazu geführt, dass ich mich damit beschäftigt habe. Und ich bin in eine Online-Welt eingestiegen, die ich früher ein bisschen stiefmütterlich behandelt habe. Ich bin ja nicht nur Mark Forster in der Öffentlichkeit, sondern lebe auch einfach mein Leben und mache Erfahrungen. Auch bei "Sing meinen Song" bringe ich das mit. Ich habe jetzt keine Angst mehr davor, dass etwas zum Meme wird. Ich habe auch kein Interesse mehr daran, unwirklich zu sein. Wie ich mich zum Beispiel 2015 in der Öffentlichkeit verhalten habe, hat damals in die Zeit gepasst. Da war dieses Echtsein gar nicht so angesagt, das wäre total komisch oder zu viel gewesen. Aber die Dinge haben sich etwa durch Podcast und Co. so entwickelt, dass man heute in der Regel einfach so ist, wie man ist. Das empfinde ich als eine gute Entwicklung und es entspannt mich eher, als dass es mich stört.
Das heißt, Sie waren bei Ihrer Teilnahme jetzt mehr Sie selbst?
Forster: Irgendwie schon. Ich glaube, dass ich an sich mit etwas jüngeren Leuten am realsten sein kann, weil sie gar nicht mehr versuchen, die alte Form von Öffentlichkeit zu verkörpern. Bei "Sing meinen Song" ist man umgeben von einer Welt, die sich noch auf diese alte Wirklichkeit bezieht. Das ist süß und okay, das gehört auch dahin. Aber das macht es für mich vielleicht hier und da ein bisschen schwer. Ich passe mich schon an, weiß, was ich tue, und das ist dann in Ordnung.
Wie haben Sie sich mit den - jüngeren und älteren - Teilnehmern verstanden?
Forster: Am meisten hat mich der Graf von Unheilig beeindruckt. Das habe ich vorher nicht kommen sehen, aber ich finde, der ist der Realste von allen. Ein wirklich besonderer Mensch. Er stellt sich die simplen Fragen des Lebens und findet für sich Antworten. Bei mir führt eine Antwort eher zur nächsten Frage. Aber er ist bei vielen Dingen so klar und entschlossen. Das ist wirklich eine krasse Power und schön zu beobachten.
Tream hat mir erzählt, dass Sie einander gesagt haben, die Musik des jeweils anderen sei 'scheiße'."
Forster: Ich finde seine Musik nicht scheiße, aber sie ist überhaupt nicht meins. Ich checke, warum er das macht und ich glaube ihm auch, dass er das fühlt. Aber ich muss das nicht gut finden und er meine Sachen auch nicht. Ich finde ihn trotzdem nett. Für "Sing meinen Song" ist er aber noch nicht reif genug: Er ist noch gar nicht an dem Punkt, sich mit anderen auseinanderzusetzen. Es ist ein Privileg der Jugend, sich nur um sich zu kümmern. Er ist ultra real, das hat nichts mit unecht zu tun, aber er übertreibt, was er ist, ein bisschen. Das kommt mir aus meiner Anfangszeit auch bekannt vor: dass man entdeckt, was die Leute an einem schätzen, und das dann überspitzt, overperformt.
Was konnten Sie außer dieser Erkenntnis aus "Sing meinen Song" mitnehmen?
Forster: Vieles. Ein Gefühl verstärkt sich in den letzten Jahren bei mir: Arbeitszeit ist Lebenszeit. Ich sitze zwar bei "Sing meinen Song", aber ich bin da sehr viel mehr Ich als vor acht Jahren, nehme alles mit und trage das in mir. Das habe ich mir vielleicht früher selber nicht so geglaubt. Ich war der Mark Forster mit dieser geraden Cap, dann habe ich die abgesetzt und eine andere, gebogene aufgezogen. Und damit war ich von allem davor getrennt. Diese Trennung habe ich bei einem Erlebnis, das ich quasi schon mal als jemand anderes hatte, noch mal ganz deutlich gespürt.
Apropos neuer Mark Forster: Stimmt es, dass Sie keine Alben mehr herausbringen wollen?
Forster: Ich mache ein Album, wenn ich das Gefühl habe, dass es Sinn ergibt. Und Sinn ergibt es dann, wenn viele Leute gerne Alben hören. Im Augenblick habe ich eher das Gefühl, dass die Leute super gerne TikToks mit Musik schauen und, wenn überhaupt, mal einen Song hören. Daher ergibt es sich aus der Logik gerade, einzelne Lieder zu veröffentlichen.
Auf Tour gehen Sie aber trotzdem ganz klassisch.
Forster: Ich glaube, auf Tour zu gehen, ist richtig wichtig, weil es eine der Möglichkeiten ist, sich zu begegnen. Alle sind nur noch am Handy - es ist, als würden alle rauchen und es gibt keine Nichtraucher mehr. Keiner schafft es aufzuhören und jeder fühlt sich ertappt. Ein Konzert ist eine gute Möglichkeit, rauszugehen und andere Leute zu treffen.
Sie sprechen von Handysucht und bedienen genau das mit Ihren TikToks trotzdem. Wie passt das zusammen?
Forster: Gar nicht. Aber TikTok ist eine super Möglichkeit, mich als Musiker und Entertainer gleichzeitig auszuleben. Ich habe zwei systematische Probleme: Ich singe Deutsch und werde deswegen nicht im Radio gespielt. Und ich rappe nicht und werde deswegen nicht gestreamt. Diese Probleme habe ich auf TikTok nicht. Mein Song "Beste" hat zum Beispiel miserabel gestreamt. Aber als ich als Überraschungsgast in einem Club aufgetreten bin, konnte trotzdem jeder das Lied mitsingen. Das heißt, die Leute haben das auf TikTok einfach so gehört, wie ich früher Songs im Radio oder im Musikfernsehen gehört habe. Das fand ich total interessant und auch schön zu erleben, dass das Lied nicht einfach in den Orbit gesendet wird, sondern Leute das tatsächlich mitkriegen. Es gibt halt Kräfte, die auf uns alle wirken und verhindern, dass man Bock auf ein Album hat. Man kann zig andere Sachen machen im Internet. Ich zeige da auch auf mich. Deswegen bleibt echte Begegnung das Entscheidende. Es ist gut, wenn sich unsere Wege kreuzen.