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Ex-Olympiasieger im Gewichtheben Was macht eigentlich Matthias Steiner?

Was macht der ehemalige Olympiasieger Matthias Steiner?
Matthias Steiner, 35, der als Dreizehnjähriger mit dem Gewichtheben begann, am Rande von Obersulz bei Wien, wo er mit seiner Familie lebt
© Florian Rainer / stern
Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gewann er Gold im Gewichtheben – ein Jahr nach dem Tod seiner Frau.

Vor zehn Jahren haben Sie olympisches Gold geholt und bei der Siegerehrung das Foto Ihrer verstorbenen Frau Susi hochgehalten. Wo ist das Bild heute?

Das hängt an einer Bilderwand mit den Fotos meiner jetzigen Familie. Susi ist ein Teil meines Lebens, der durch ihren Tod nicht ausgelöscht wird. Ich habe nach wie vor Kontakt zu ihrer Familie. Susis Mutter ist Taufpatin meines ersten Sohns Felix. Für die Kinder ist sie die dritte Oma.

Die Aufnahme haben Sie bei Wettkämpfen immer dabeigehabt. War die Aktion bei den Spielen geplant?

Mit ihrem Bild habe ich auch den Schmerz mit mir herumgetragen. Damit konnte ich die Trauer besser verarbeiten. Mein Alltag bestand nach dem Unfall 2007 nur aus Gewichtheben. Ich habe mich morgens zum Training gequält, und abends bin ich erschöpft ins Bett gefallen. Es blieb keine Zeit für die Trauerbewältigung. Zu Hause oder auf den Hotelzimmern war ich alleine, konnte mit niemandem über mein Leid sprechen. Ich habe jemanden gebraucht, deshalb hatte ich das Foto immer in der Tasche. So auch bei den Olympischen Spielen.

Sie sind seit 2010 mit Ihrer zweiten Frau Inge verheiratet. Manche Menschen haben Ihnen vorgeworfen, Sie hätten sich zu früh nach dem Tod Ihrer ersten Frau wieder verliebt.

Für die Trauerphase gibt es keinen Zeitplan und auch kein Richtig oder Falsch. Wer selbst solch eine Situation erlebt hat, wird wissen, was ich meine. Inge hat mich ins Leben zurückgeholt. Sie hat mich mit 150 Kilogramm kennengelernt, den Menschen gesehen und sich nicht vom äußeren Erscheinungsbild lenken lassen. Wir haben gemeinsam getrauert und verarbeitet.

Nach Ihrem Karriereende 2013 haben Sie innerhalb eines Jahres 45 Kilo verloren. Was ist Ihr Abnehm-Geheimnis?

Es war für mich eine Qual, mir ständig Kilos anzufressen, um das Wettkampfgewicht zu halten. Ich wollte nach dem Karriereende wieder zurück zu einem Wohlfühlgewicht. Es störte mich, nicht mehr richtig ins Auto ein- und aussteigen zu können, dann noch die Probleme beim Klamottenkaufen, und sobald du zehn Schritte gehst, gerätst du ins Schwitzen. Zunächst habe ich angefangen, anstatt drei Teller nur noch einen zu essen. Wie ich es konkret geschafft habe, kann man nicht in einem Satz zusammenfassen, deshalb habe ich auch ein Buch darüber geschrieben: "Das Steiner Prinzip".

Heute sind Sie Sänger. Hatten Sie Bedenken, sich lächerlich zu machen?

Die Sprüche, ich sollte wieder Gewichtheben, weil das das Einzige sei, was ich könne, kamen natürlich. Doch die Musik ist eine Riesenchance, mich anders zu präsentieren. Als Kind habe ich Klavier und Akkordeon gespielt, die Musik wegen des Profisports aber aufgegeben. Als ich bei "Inas Nacht" und in anderen TV-Sendungen gesungen habe, kamen Musikproduzenten auf mich zu. Daraufhin nahm ich Gesangsunterricht und bin ins Studio gegangen. Ich plane eine dauerhafte Musikkarriere. Vier neue Lieder sind gerade in der Produktion. Für das kommende Jahr ist eine Tournee geplant. Ich nehme das Singen ernst. Das ist kein Spaßprojekt.

Sie haben mit 13 mit dem Gewichtheben begonnen, weil Ihr Vater es Ihnen vorgemacht hat. Zeigen Sie Ihren zwei Söhnen auch, wie man reißt und stößt?

Aktuell ist Fußball spielen viel interessanter. Meine Söhne schauen gelegentlich zu, wie ich Gewichte hebe. Ob Felix und Max später die Langhantel stemmen, müssen sie selbst entscheiden. Steine lege ich keine in den Weg.

Interview: Tobias Ott

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