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Kleinlautes Eingeständnis Meghans Klage entwickelt sich zum Desaster – und sie trägt Mitschuld

Meghan Markle beim "Global Citizen Concert" Ende September in New York City
Herzogin Meghan steht unter Druck: Sie musste vor Gericht einräumen, dass sie Informationen nicht mitgeteilt hat
© Kristin Callahan/Everett Collection/ / Picture Alliance
Schluss mit dem Eindringen in ihre Privatsphäre: Herzogin Meghan hat sich mit ihrer Klage gegen einen der größten Verlage Englands ein hehres Ziel gesetzt. Doch auf dem Weg strauchelt sie – selbstverschuldet.

Was hat sie sich nur dabei gedacht? Die Herzogin von Sussex, gebürtige Meghan Markle, muss vor wenigen Stunden kleinlaut zugeben, dass sie dem Berufungsgericht in London nicht alle Informationen weitergegeben hat. Dieses Eingeständnis ruft Verwunderung hervor und es wirft einen Schatten auf einen scheinbar glasklaren Fall.

Stein des Anstoßes ist ein Brief, den Meghan im Sommer 2018 ihrem Vater Thomas Markle schickt. Darin schreibt sie, wie traurig sie über das zerrüttete Verhältnis sei. Sie nennt ihn "Daddy". Er gibt den Brief an die britische Wochenzeitung "Mail on Sunday" weiter, dessen Herausgeberverlag die Herzogin aufgrund von mutmaßlichem Eindringen in ihre Privatsphäre verklagt. Und sie gewinnt. Der Fall wird ohne Prozess entschieden.

Meghan Markle: Hat sie damit gerechnet, dass der Brief geleaked wird?

Dagegen hat der Verlag Berufung eingelegt und am zweiten Tag der Vorverhandlung ein neues Statement eines ehemaligen Mitarbeiters der Sussexes vorgelegt. Darin berichtet Jason Knauf, Ex-Pressesprecher des Paars, dass ihm die Herzogin einen Entwurf des Briefs mitsamt Erklärungen und Begründungen geschickt hat. Demnach soll es darin laut "ITV News" unter anderem heißen: "Natürlich habe ich alles mit dem Bewusstsein, dass es geleaked wird, entworfen und so war ich sorgfältig bei der Wortwahl." Meghan habe Knauf ebenfalls gefragt, ob sie ihren Vater "Daddy" nennen solle, denn es würde bei einem Leak "zu Herzen gehen". Außerdem soll die heute 40-Jährige den Brief geschrieben haben, damit im Falle der Weitergabe, der Inhalt nicht sehr verkürzt oder einzelne Passagen veröffentlicht werden könnten. 

Jason Knauf beim Earthshot Prize von Prinz William
Jason Knauf ist der ehemalige Pressesprecher von Herzogin Meghan und Prinz Harry. Heute arbeitet er für die Stiftung von Prinz William und Herzogin Kate
© Alberto Pezzali / Avalon / Picture Alliance

Sie erwidert in einem eigenen Statement, dass sie es nicht für wahrscheinlich gehalten habe, dass ihr Vater den Brief weitergibt, weil dieser ihn in einem schlechten Licht zeige. Sie habe der Royal Family zeigen wollen, dass sie (und Harry) etwas gegen die Attacken von Thomas Markle täten. Sie habe nicht gewollt, dass er veröffentlicht werde, und verhindern wollen, dass er manipuliert würde.

Vor Gericht bewiesen: Meghan und Harry ließen private Details an Biografen weitergeben

Wie wichtig den Sussexes die Außenwahrnehmung nach ihrer Hochzeit und in den folgenden Jahren gewesen ist, verdeutlicht auch ein weiterer Aspekt. Bisher hatten der Herzog und die Herzogin vehement bestritten, mit den Autoren ihrer Biografie "Finding Freedom" zusammengearbeitet zu haben. Jason Knauf behauptet nun vor Gericht, dass er mit dem Wissen der beiden mit den Autoren gesprochen und private Details geteilt habe. Als Beweis legt er E-Mails vor, in denen Meghan vorformulierte Antworten auf eingereichte Fragen schickt. 

Nun hat es wohl kein direktes Treffen des Herzogpaars mit den Autoren gegeben – aber kann Meghan auf Privatsphäre pochen, wenn sie selbst private Details durch einen Mitarbeiter preisgibt? 

Juristisch werden diese Frage Richter beantworten müssen. Aber gesellschaftlich wird die Auseinandersetzung gerade wieder heiß unter Fans und Gegnern der Sussexes diskutiert. Denn die Eingeständnisse der Herzogin lassen sie nicht gut aussehen. Prinzipiell ist es allzu verständlich, dass Personen des öffentlichen Lebens ein Bedürfnis haben, falsche Geschichten zu korrigieren. Das britische Königshaus mit seiner restriktiven Kommunikationsstrategie ist sicherlich bis heute das falsche, um offensiv in eine öffentliche Debatte einzusteigen. Und sei es auch, um sein eigenes "Personal" zu schützen. 

Die Ohnmacht kann man sich kaum vorstellen.

Nun sind Meghan und Harry in die Offensive gegangen: Sie haben das Königshaus verlassen, leben Tausende Kilometer weit entfernt, bauen sich ein eigenes Netzwerk und neue Tätigkeitsbereiche auf. Trotzdem wirken sie in manchen Situationen immer noch gefangen. Das ist jüngst sichtbar geworden bei ihrem Auftritt bei einer Gala zu Ehren von Veteranen in New York City. Die Herzogin strahlt in einem knallroten Satinkleid mit exzentrischem Schnitt. Sie ist perfekt geschminkt, trägt Schmuck von Prinzessin Diana, lächelt, plaudert, macht Witze. Eigentlich ein perfektes Bild. Wenn man nicht auf ihre Hände achten würde. Denn wie gewohnt hält sie Händchen mit ihrem Ehemann. Tatsächlich wirkt es eher so, dass sie aneinander festklammern wie Ertrinkende. 

Es bleibt zu hoffen, dass Meghan den Frieden für sich und ihre Familie findet, den sie ursprünglich mit ihrer Klage gegen den britischen Verlag anstrebte.


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