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Analyse

Elizabeth II. und der Megxit: Die beste Queen ever

Staatsräson und eiserne Disziplin: Queen Elizabeth II. handelt seit über 60 Jahren nach diesen Grundwerten. Doch gegenüber Harry und Meghan ist sie nachgiebig – und zeigt damit Pragmatismus, Lernfähigkeit und Empathie. Ein Hoch auf die beste Queen ever.

Queen Elizabeth II. 

Queen Elizabeth II. sitzt seit 68 Jahren auf dem britischen Thron. Doch sie ist nicht nur Monarchin, sondern auch Großmutter.

DPA

Es ist eine Entscheidung, die sich die Queen bis heute nicht verzeiht: 1955 untersagte sie ihrer Schwester Margaret die Hochzeit mit ihrem geschiedenen Liebhaber Peter Townsend. Die Prinzessin heiratete schließlich einen anderen, wurde unglücklich und ließ sich 1978 scheiden. Das Verhältnis der beiden Schwestern war bis zu Margarets Tod 2002 angespannt und belastete die Familie. Eine schwere Bürde für Elizabeth II. Sie hatte aus Staatsräson gehandelt – und fragt sich vermutlich bis heute, ob diese Entscheidung richtig war.

Am Montagabend stand die Queen wieder vor einer schwierigen Frage: Soll sie Prinz Harry und Herzogin Meghan erlauben, ihren Dienst innerhalb der Royal Family zu versagen und nach Kanada zu ziehen? Teile des englischen Hochadels schrien Zeter und Mordio und verlangten nichts weniger als ein Exempel, das es vor allem an – der nach ihrer Meinung undankbaren – Meghan zu statuieren galt. Doch die Königin enttäuschte die Hardliner.

Die Queen macht Harry und Meghan große Zugeständnisse

Seitdem Elizabeth II. die Last der britischen Krone trägt, standen Disziplin und der Schutz der Monarchie im Vordergrund ihres Handelns. Doch dieses Mal war sie nicht nur Monarchin und Staatsoberhaupt, sondern auch Großmutter. Statt Harry und Meghan vor die Tür zu setzen, ihnen die Titel zu entziehen und den Geldhahn zuzudrehen, entschied sie sich für große Zugeständnisse an das junge Paar.

Die Queen beweist, dass sie auch mit 93 Jahren fähig ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Zu oft war die Geschichte dieser Familie geprägt von Einmischungen. Nicht nur bei Margaret, sondern auch bei Charles und Camilla. Heute weiß die Queen: Eine Garantie, dass Ehen in ihrer Familie halten, gibt es nicht. Doch ohne ihr Zutun ist sie hinterher wenigstens nicht schuld.

Harry und Meghan ein Leben in Kanada und Großbritannien zu erlauben, abseits der Krone und doch unter dem Schutz der Royal Family, ist ein Meisterstück der Königin. Sie wusste, sie kann nicht gewinnen, indem sie Harry zum Dienst an der Krone verdonnert. Zu groß war das Risiko, den rebellischen Enkel zu verlieren. Es stand nichts weniger als der Familienfrieden auf dem Spiel.

Harry und Meghan ziehen sich aus dem britischen Königshaus zurück

Empathie löst Staatsräson ab

Die Queen handelte nicht nur altersmilde, sondern vor allem weise. Sicher wäre es ihr lieber gewesen, Harry würde sich in ein Reihenhaus in Swindon zurückziehen, Archie auf eine öffentliche Schule schicken und als KFZ-Mechaniker arbeiten, statt womöglich ein Glamourleben in Kanada und den USA an der Seite einer (ehemaligen) Schauspielerin zu führen. Doch sie kann sein Glück nicht erzwingen.

Elizabeth II. erhält die Einheit der Royal Family und dient mit ihren Zugeständnissen Staat und Krone mehr, als es eine harte Entscheidung gegen Harry und Meghan getan hätte. Sie ist eine Meisterin der Diplomatie. Umsichtig, klug und neuerdings vor allem empathisch. Nach 68 Jahren auf dem Thron ist sie die beste Queen ever. Gott schütze die Königin.