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Michael J. Fox: Mit Humor in den Kampf

Vor 25 Jahren schrieb er Filmgeschichte mit "Zurück in die Zukunft". Heute kämpft Michael J. Fox gegen Parkinson - und feiert gerade ein kleines Comeback. Seinen Humor hat er auch nach jahrelanger Krankheit nicht verloren.

Von Frank Siering, Los Angeles

Michael J. sitzt auf einem Sofa und schaukelt mit dem Oberkörper vor und zurück. Der Kopf dreht sich oftmals zuckend zur Seite. Wie ein nervöser Jockey kurz vor dem Start eines großen Derbys versucht er seine Bewegungen zu kontrollieren. Er lächelt, wohl wissend, dass er auch an diesem Tag beim Kampf um die Kontrolle über seinen Körper erneut Kompromisse eingehen muss.

Fox lebt seit 19 Jahren mit der Parkinson-Krankheit. Jeder Tag beginnt mit "vielen bunten Medikamenten", wie er es beschreibt. Aber "jeder Tag ist ein neuer Tag". Normalweise lebt er in seiner Routine. In seinem Haus in New York auf der Fifth Avenue mit Blick auf den Central Park. Zusammen mit seiner Frau Tracy Pollan und den drei Kindern Aquinnah, Schuyler und Seme wohnt er hier. Sein Sohn Sam studiert an der Stanford Universität in Kalifornien.

Im Haus, zwei Stockwerke unter der Wohnung, ist auch sein Büro untergebracht. Von hier aus steuert er zusammen mit engen Vertrauten die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research. Eine Non-Profit-Organisation, die mittlerweile mehr als 200 Millionen Dollar für die Suche nach einer Heilung von Parkinson eingesammelt hat. "Natürlich würden wir gerne ein Heilmittel finden. Aber wir müssen uns auf dem Weg dorthin viele andere Hürden aus dem Weg räumen", berichtet Fox.

Vom Nobody zum Megastar

Die Arbeit für seine Stiftung nimmt den mittlerweile 49-jährigen US-Kanadier dieser Tage die meiste Zeit in Anspruch. Er gibt Interviews, er spricht vor dem US-Kongress, er schreibt Bücher über das Thema. Aber zum 25-jährigen Jubiläum von "Zurück in den Zukunft", jenes Kinoknüllers, der ihn einst vom Nobody zum Megastar katapultierte, nimmt er sich gerne die Zeit, über vergangene Jahre zu sprechen. Auf die Frage, ob es ihn stört, noch heute auf den Filmhelden angesprochen zu werden, winkt Fox beschwichtigend ab: "Nein, um Gottes Willen. Ich rede gerne über Marty. Er hat mein Leben verändert. Ich bin nur manchmal erstaunt, wie viel mehr die Fans über die Eigenschaften und Fähigkeiten meines Charakters wissen als ich selbst." Fox, der als junger Mann eine Telefonzelle auf dem Sunset Boulevard als sein "Office" deklarierte, weil er sich in seiner Mietwohnung keinen Telefonanschluss leisten konnte, war immer schon ein quirliger Macher. "Als mir 'Zurück in die Zukunft' angeboten wurde, drehte ich gleichzeitig meine Show 'Family Ties'. Ich arbeitete 18 bis 22 Stunden am Tag", erinnert er sich an seine "wilden Tage in Hollywood".

Humor hilft

Diese "Arbeistwut" hat er sich bis heute erhalten. "So gut es eben geht mit der Krankheit", fügt er hinzu. Er weiß, dass ihm heute Grenzen gesteckt sind, die er früher ignorieren konnte. "Ich sage meiner Frau heute auch schon mal, dass ich gewisse Dinge nicht machen kann. Und sie erwidert dann, dass das nichts mit Parkinson's, sondern mit meinem Alter zu tun hat". Ein Stückchen Humor, das seine Frau als stabilisierender Faktor mit in die Ehe gebracht hat. Für Michael J. Fox "absolut unverzichtbar". Früher zappte er sich weg vom Bildschirm, wenn er sein junges und gesundes Alter Ego auf der TV-Mattscheibe entdeckte. "Heute macht es mir nichts mehr aus, mich gesund und jung im Fernsehen zu sehen. Da bleibe ich dann auch schon mal zehn bis 15 Minuten hängen", erzählt er. Parkinson hat neue Freunde ins Leben des vierfachen Vaters gespült. "Ich bin gut mit Muhamad Ali befreundet. Er ist ein großartiger Kämpfer; ich habe ihn noch niemals negativ oder deprimiert erlebt." Auch in ist Fox trotz seiner Abstinenz noch immer ein strahlender Stern.

Ausgezeichnetes Engagement

Als er kürzlich bei den Scream-Awards für einen kurzen Spot noch einmal in die Rolle von McFly schlüpfte, geriet der Saal außer Rand und Band. "Es ist schön zu wissen, dass meine Kollegen und meine Fans mich noch nicht ganz vergessen haben", sagt er. Er genießt sein Mini-Comeback. "Zurück in die Zukunft" erscheint dieser Tage als Blu-ray und auch im TV ist er wieder präsent. Fox ließ sich zu einer Gastrolle in der Serie "The Good Wife" überreden. "Mir gefällt die Show. Und da die Produzenten wussten, was sie sich mit mir einhandeln, habe ich zugesagt." Der Schauspieler, der für sein Engagement in der Parkinson-Forschung im März die Ehrendoktorwürde des Karolinska Instituts in Schweden erhielt, ist sehr realistisch, wenn es um seinen Gesundheitszustand geht. "Ich weiß, dass mein Leben heute anders ist als vor 25 Jahren. Ich weiß, dass ich eine Krankheit habe, für die es noch keine Heilung gibt. Aber deshalb muss ich mich nicht vor der Welt verstecken. Ich kann viel Gutes bewirken. Ich kann anderen helfen."

Der Schalk bleibt

Vielleicht ist es genau dieses Mantra, das Michael J. Fox so einzigartig macht in Hollywood. Der sympathische junge Mann mit dem Teenager-Gesicht von einst, hat noch heute ein Funkeln in den Augen, das ansteckt und zu Klamauk einlädt.

Als ihn kürzlich ein kleines Kind in der Schule seiner Tochter aufforderte, doch bitte endlich stillzusitzen während einer Schulveranstaltung, weil auch sie stillsitzen müsse, konnte Fox einen Lachanfall nicht unterdrücken. "Ich werde es versuchen", flüsterte er der Siebenjährigen nach einer kurzen Weile endlich zu. Mit Tränen von Leichtigkeit in den Augen. Und ohne die Krankheit, die ihn so fest im Griff hat, mit auch nur einem Wort zu erwähnen.

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