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Nach dem Attentat in den Niederlanden: Wie nah darf die Königin dem Volk sein?

Nach dem Attentat auf Königin Beatrix und ihre Familie fragen nicht nur die Niederländer: Wie viel Kontakt zur Bevölkerung dürfen sich europäische Königshäuser leisten?

Von Stefanie Richter

Der Schrecken sitzt immer noch tief, eine Woche nach dem versuchten Attentat auf die königliche Familie in Apeldoorn. Am Nationalfeiertag hatte ein schwarzer Suzuki mit Vollgas die Absperrungen durchbrochen, war durch die Menschenmenge gerast. Statt wie geplant den Bus der Königsfamilie zu rammen, prallte das Auto gegen ein Denkmal. Kronprinz Willem-Alexander und seine Frau Máxima erlebten das Geschehen vom Oberdeck des Busses mit, der Schock war ihnen anzusehen. Das Ausmaß der Tragödie: Sieben Menschen starben, unter ihnen auch der Amokfahrer Karst T., 38. Elf weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

"Meine Familie und ich haben größtes Mitgefühl mit den Opfern, deren Familien und Freunden. Wir sind sprachlos, dass so etwas Schreckliches passieren konnte", sagte Königin Beatrix sichtlich verstört wenige Stunden nach dem Attentat in einer Fernsehansprache. Sofort wurden Fragen nach der Sicherheit des Staatsoberhauptes laut. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Attentäter Sprengstoff im Auto gehabt hätte. Viele Niederländer fordern jetzt eine Verschärfung der Polizeipräsenz bei öffentlichen Auftritten der Königsfamilie.

Eine Monarchin fürs Volk wollte Beatrix stets sein. Von diesem Anspruch wird sie sich jetzt verabschieden müssen. "Der Schutz der Königsfamilie ist eine delikate Angelegenheit", zitiert die größte niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" einen niederländischen Sicherheitsbeamten. "Die Vorkehrungen stehen oft im Widerspruch zum Wunsch nach Volksnähe." Ein Dilemma, das auch Royals in anderen Ländern kennen. In Skandinavien etwa versuchen die Königsfamilien, bodenständig zu leben, sie geben ihren Nachwuchs in öffentliche Kindergärten und besuchen gern Bars und Restaurants ihrer Metropolen. Ohne einen Stab von Bodyguards geht das aber auch dort nicht.

Auch in anderen europäischen Königshäusern hat die Sicherheit der Royasl oberste Priorität. Der dänische Kronprinz Frederik und seine Frau Mary wollen, dass ihre Kinder möglichst so aufwachsen wie andere dänische Jungen und Mädchen. Dazu gehört, dass die Kleinen schon früh in einen öffentlichen Kindergarten gehen. So kam Prinz Christian, 3, bereits mit 18 Monaten in den Königin-Louise-Kindergarten in Fredensborg, die zweijährige Isabella hat sich dort mittlerweile ebenfalls gut eingelebt. Beim Thema Sicherheit gibt es jedoch eine Sonderbehandlung für die royalen Kids: Ihnen steht stets ein Bodyguard zur Seite, direkt neben dem Kindergarten wurde ein Wachhäuschen für die Leibwächter errichtet.

In Begleitung ihrer Bodyguards machten die britischen Prinzen William, 26, und Harry, 24, im vergangenen Sommer eine Charity-Tour durch Afrika. Die Sicherheitsmänner hatten extra noch den entsprechenden Führerschein machen müssen. Auf Nummer sicher ging auch die Berliner Polizei, als Prinz Charles vor kurzem die deutsche Hauptstadt besuchte. Abgeschirmt von Sicherheitskräften, blieben Begegnungen mit dem Volk weitgehend aus.

Gefahren können überall lauern. Der Attentäter von Apeldoorn war kein aktenkundiger Terrorist oder Gegner der Monarchie. Bekannt ist bislang, dass er wenige Wochen vor dem Anschlag seinen Job verloren und zudem offenbar Mietschulden hatte. Sicher ist, dass er die Monarchie seines Landes dauerhaft verändert hat.