HOME

O.J. Simpson: Geldnot hinter schwedischen Gardinen

Schlechte Nachrichten für O.J. Simpson: Der ehemalige Football-Star sitzt noch immer eine 15-jährige Haftstrafe in Las Vegas wegen Kidnappings und bewaffneten Raubs ab. Jetzt will ihm die Bank sein Haus in Miami wegnehmen. Er kann die Hypothek nicht mehr bezahlen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Eigentlich war es sehr ruhig geworden um O.J. Simpson. Der einstige Football-Star sitzt seit 2008 in einem Gefängnis in Las Vegas. Er war für einen bewaffneten Raub und Kidnapping zu 15 Jahren verurteilt worden.

Jetzt droht dem Mann, der in den USA ob seiner spektakulären Freisprechung nach dem Mord an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson im Jahre 1995 zu einer Art Popkultur-Ikone aufgestiegen war, erneut Ärger.

Dem mittlerweile 64-jährigen soll sein Wohnsitz in Miami gepfändet werden. Die JP Morgan Chase Bank hat einen Antrag auf Zwangsvolltreckung für die Simpson-Residenz gestellt. Der Grund: O.J. kann seine Hypothek nicht mehr bezahlen.

Simpson hatte das Haus im Jahre 2000 für 575.000 Dollar gekauft. Im Zuge der Rezession verlor das Haus mit vier Schlafzimmern erheblich an Wert und wird heute auf rund 480.000 Dollar geschätzt.

Ohne Moos nix los

In den USA müssen Hausbesitzer erheblich höhere Grundsteuern für ihre Immobilien bezahlen als zum Beispiel in Deutschland. Der inhaftierte Simpson schuldete dem Staat Florida im Dezember 9000 Dollar Grundsteuer, die er angeblich noch beglichenhaben soll.

Es ist nämlich nicht so, dass Simpson, obwohl hinter schwedischen Gardinen, gar kein Einkommen mehr hat. Im Gegenteil: 2007 erhielt Simpson mehr als 750.000 Dollar für ein Buch, das unter dem Titel "If I did it" ("Wenn ich es getan hätte") auf dem amerikanischen Markt erschienen war.

Doch ein Großteil dieser Summe wurde direkt an die Hinterbliebenen von Ronald Goldman weitergeleitet. Goldman war 1995 zusammen mit Simpsons Ex-Frau ermordet worden.

Der O.J.-Fluch

Die Goldman-Familie hatte O.J. Simpson in einem separaten Zivilprozess auf Schadensersatz verklagt - und gewonnen. Ein Anwalt der Goldman-Familie sagte, dass die bevorstehende Zwangsvollstreckung vom O.J.-Haus in Miami direkt mit dem Urteil in Zusammenhang stehe.

Simpson muss demnach laut Gerichtsurteil 33,5 Millionen Dollar an die Eltern von Ronald Goldman zahlen. Ein Urteil, gegen das er seit Jahren ankämpft. "Es überrascht nicht, dass die Bank jetzt das Haus pfänden will", so David Cook, Anwalt der Goldman Familie.

Und so scheint der viel beschriebene "Fluch", der sich über die einstige Freisprechung O.J. Simpsons gelegt hatte, weiterhin fortzusetzen. Bis heute glaubt eine Mehrheit der Amerikaner, dass es Simpson war, der seine Ex-Frau und deren Freund kaltblütig ermordet habe.

Schlechte Aussichten für den Amateur-Schauspieler

Nach dem Freispruch, der bis heute als einer der spektakulärsten in den USA gilt, hatte Simpson nur noch Pech. In Los Angeles wurde er aus seiner alten Nachbarschaft förmlich vertrieben, mit der Zivilklage der Goldmans war dem Amateur-Schauspieler ("Die nackte Kanone", "Police Academy") die finanzielle Sicherheit für immer genommen. Und dann die anschließende Festnahme in Nevada. Simpson war zusammen mit zwei anderen Männern unter Waffengewalt in ein Hotelzimmer in Las Vegas eingedrungen, um einige Sport-Memorbilia einzusacken, die Simpson als sein Eigentum deklarierte. Da der Fall als bewaffneter Raubüberfall verhandelt wurde, drohten Simpson mehr als 30 Jahre Haft.

Wie es im Moment aussieht, muss O.J. mindestens noch bis zum Jahre 2017 einsitzen, bevor er dann - wohl mittellos und mit fast 70 Jahren - zurück in die Freiheit entlassen wird.