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Spitzenfußball in Europa Neues Konzept von Real, Barca und Juventus – die Super League steht von den Toten auf

Neue Pläne für Fußball Super League
Die Idee von einer neuen Fußball Super League erhält neue Nahrung
© Laszlo Balogh / DPA
Der Poker um die Zukunft es europäischen Klubfußballs geht in eine neue Runde. Die Bosse von Real Madrid, Juventus Turin und der FC Barcelona haben ihr Konzept für eine neue Super League überarbeitet. Verwirklichen soll es ein Manager aus Deutschland.

Es gibt im Fußball einen Jargon, der für Außenstehende nicht immer leicht zu decodieren ist. Sagt ein Spieler: "Ich fühle mich nicht richtig wertgeschätzt", bedeutet dies übersetzt: "Ich verdiene zu wenig Geld. Angebot bitte nachbessern." Und auch auf Ebene der Klubfunktionäre werden monetäre Themen gern verklausuliert ausgedrückt. Jüngstes Trendwort hier: Planungssicherheit.

Mit jener Planungssicherheit wirbt nun eine Agentur unter Leitung des ehemaligen RTL-Managers Bernd Reichart für die Einführung einer Super League im europäischen Fußball. Die Idee ist eine alte – erst im April 2021 war sie von zwölf Spitzenklubs forciert worden. Ziel war eine weitgehend geschlossene Liga mit Branchengrößen wie Real Madrid, FC Barcelona, Chelsea, Liverpool, Juventus Turin und Inter Mailand. Ein geschlossenes System soll heißen: das Geld aus Vermarktung und TV-Erlösen fließt immer, unabhängig vom sportlichen Erfolg. Maximale Planungssicherheit also.

Zwei Tage, nachdem die Pläne publik wurden, implodierte das Projekt. In ganz Europa protestierten Fans, sie blockierten Stadionzufahrten und zogen vor die Geschäftsstellen ihrer Klubs. Auch die Uefa machte Druck: Jeder Verein, der sich an der Revolte beteilige, werde umgehend für alle europäischen Wettbewerbe gesperrt, drohte der Verband.

Trio hat Konzept für Super League überarbeitet

Nun ist das Konzept überarbeitet worden. Es soll zwar eine sportliche Qualifikation für die Super-Liga geben – doch das Motiv das Projekts ist dasselbe geblieben: Die bestehende Champions League zu zerstören und durch einen finanziell noch lukrativeren Wettbewerb zu ersetzen. Nur die Worte sind heute etwas weihevoller gewählt. Ziel sei es, so teilte die Agentur mit, "dass der Fußball, den wir alle lieben, profitieren wird, wenn wir gemeinsam einen ehrlichen und offenen Dialog – frei von Zwängen – über eine bessere Zukunft durch eine ernsthafte Reform führen."

Gegenüber der "Bild-Zeitung" wurde Agentur-Geschäftsführer Reichart schon deutlicher: "Der europäische Klub-Fußball schöpft sein Potenzial nicht aus, und die meisten Klubs sind in den roten Zahlen. Es gibt bei vielen Vereinen den Konsens, dass es so nicht weitergehen kann."

Diesen Konsens gibt es vor allem unter Klubs wie Real Madrid, Barcelona und Juventus Turin. Alle drei leiden unter Geldnot – vor allem Barcelona. Etwa eine halbe Milliarde Euro Schulden sollen Barca drücken. Unlängst verkaufte der Klub einen Teil seiner Fernsehrechte, um liquide zu bleiben.

Real Madrid, Barcelona und Juventus Turin sind es auch, die nun die Super League 2.0 vorantreiben. Interessant ist, dass die Vereine keinesfalls ihr schuldenbasiertes Geschäftsmodell infrage stellen – selbst unter dem Eindruck der Corana-Pandemie und der aufziehenden globalen Wirtschaftskrise nicht. Stattdessen soll die Super League die Erlösung bringen. Die allerdings wird wohl ein Traum bleiben.

Eine Super League verdient nur dann diesen Titel, wenn tatsächlich die besten Klubs in ihr versammelt sind. Davon ist nicht auszugehen. Schon beim ersten Mal, im April vergangenen Jahres, verweigerten Klubs wie der FC Bayern oder Paris St. Germain die Gefolgschaft. Jetzt, bei der Neuauflage, dürfte es auch Gegenwind aus der Premier League geben. Die Bilder von Fanprotesten, die Volksaufständen glichen, sind noch zu frisch. Kaum vorstellbar, dass Traditionsklubs wie Liverpool oder Manchester United noch einmal zur Zielscheibe des Zorns ihrer Anhänger werden möchten.

Klar ist aber auch, dass Real, Barcelona und Turin so schnell nicht aufgeben werden. Sie lobbyieren weiterhin für die Super League 2.0 und hoffen auf das Frühjahr 2023. Dann soll es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs geben, ob die Uefa und ihre Champions League ein unzulässiges Monopol darstellen. Ein entsprechender Richterspruch würde die Pläne des Trios aus Spanien und Italien sicherlich befeuern. Bis dahin dürfte die neue Super League wesentlich mehr Feinde als Fürsprecher finden.

kng

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