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Real Madrid Viele Baustellen: Notlösung Ancelotti soll die Königlichen retten

Carlo Ancelotti (l.) und Zinédine Zidane als Kontrahenten beim Spiel ihrer jeweiligen Mannschaften Bayern München und Real Madrid im April 2017
Carlo Ancelotti (l.) und Zinédine Zidane als Kontrahenten beim Spiel ihrer jeweiligen Mannschaften Bayern München und Real Madrid im April 2017
© Gerard Julien / AFP
Der Abgang von Trainer Zinédine Zidane hat die Führung von Real Madrid in einer schwierigen Phase überrumpelt. Der Klub hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Jetzt kehrt Carlo Ancelotti zurück und soll das schlingernde Schiff auf Kurs bringen.

Real Madrid produziert dieser Tage auf und neben dem Platz viele Schlagzeilen – besonders negative:  Auf 900 Millionen Euro hat sich der Schuldenberg angehäuft, die Saison endete das erste Mal seit über zehn Jahren ohne Titelgewinn, die Mannschaft ist überaltert und der Erfolgstrainer der vergangenen Jahre, Zinédine Zidane, verließ den Verein im Streit. Das Bild, das der größte und schillerndste Klub der Welt in diesen Tagen abgibt, ist erschreckend.

Nun soll mit Trainer Carlo Ancelotti ein alter Bekannter die Madrilenen wieder in ruhiges Fahrwasser und zum Glanz vergangener Tage führen. Doch ob das gelingt, steht in den Sternen. Die Probleme des Klubs sind vielfältig, eine Katastrophenmeldung reiht sich an die nächste. Da war zunächst das peinliche Debakel um die Super League, der Real-Präsident Florentino Pérez in gleicher Position vorstehen sollte. Geplant war eine elitäre Liga mit 15 dauerhaften Mitgliedern und fünf weiteren Mannschaften, die sich für jeweils eine Saison qualifizieren sollten. Nach massiver öffentlicher Kritik aus ganz Europa, dass dies nur der Entschuldung oder Gewinnsteigerung und keinem sportlichen Wettbewerb diene, wurden die Pläne innerhalb kürzester Zeit wieder geschreddert – mit gehörigem Imageschaden.

Weitere Rückschläge folgten: Erst schied der spanische Rekordmeister in der Champions League aus, dann verlor Real Mitte Mai den Titelkampf um die spanische Meisterschaft gegen Stadtrivale Atletico und beendete die Saison nur auf Platz zwei. Kurz darauf verkündete Spaniens Fußballnationaltrainer, Luis Enrique, dass bei der anstehenden Europameisterschaft kein einziger Spieler der Madrilenen dabei sein werde – ein Turnier ohne königlichen Teilnehmer für Spanien, das gab es noch nie. Dabei nominierte Enrique nur 24 Spieler, 26 wären möglich gewesen. Nicht nominiert wurde Rekordnationalspieler und Kapitän Sergio Ramos. Auch gestandene Profis wie Marco Asensio oder Isco ließ Enrique links liegen. Als ehemaligem Barcelona-Trainer wurden ihm in der spanischen Hauptstadt gar persönliche Motive unterstellt.

Die Liebesbeziehung endet

Der nächste Tiefpunkt war erreicht, als der Klub Ende Mai offiziell bekanntgab, dass Zinédine Zidane als Trainer in Madrid aufhört. Der Rücktritt traf die Führung offenbar unvorbereitet, auch wenn einige im Umfeld damit gerechnet hatten. Seit mittlerweile 20 Jahren ist "Zizou“ für die Madrilenen in verschiedenen Rollen tätig gewesen. Als Trainer unsterblich machten ihn die drei in Folge gewonnen Champions-League-Titel. Real Madrid und Zidane, das schien eine ewige Liebesbeziehung zu sein.

Zidane war nach den drei Titeln zwar zurückgetreten, denn seine Truppe habe "einen Wechsel benötigt, um weiter siegreich zu bleiben", aber stand nach nur neun Monaten wieder an der Seitenline. Die Mannschaft war unter seinen Nachfolgern nicht sehr oft siegreich, der Erfolg kam mit Zidanes Rückkehr jedoch nicht zurück. Nach dieser titellosen Saison kam es zum Bruch, Zidane griff Vereins-Patron Pérez in einem offenen Brief frontal an: "Ich hätte mir gewünscht, dass mein Verhältnis zum Club und zum Präsidenten in den letzten Monaten etwas anders gewesen wäre als das anderer Trainer. Ich verlange keine Privilegien, natürlich nicht, aber ein bisschen mehr Erinnerung", schrieb der Franzose.

Viele Transfers, wenig Erfolg

Ein weiteres Problem: Die Klub-Führung bewies in den vergangenen Jahren kein glückliches Händchen mit den Transfers. Eden Hazard wurde für 115 Millionen Euro, Luka Jovic für derer 63, Rodrygo und Reinier für zusammen 75 Millionen Euro gekauft. Ausgezahlt hat sich bislang keiner dieser Transfers, Reinier und Jovic hat man mittlerweile wieder auf Leihbasis abgegeben. Rodrygo erzielte diese Saison in 33 Spielen drei Tore, Hazard hat seit seinem Wechsel 59 Spiele verletzungsbedingt verpasst und in allen Wettbewerben insgesamt erst fünf Tore in zwei Jahren erzielt – umgerechnet 23 Millionen Euro pro Treffer. Auch Vinicius Júnior, 2018 für 45 Millionen Euro als Nachfolger von Cristiano Ronaldo verpflichtet, hat seit seiner Ankunft in 82 Ligaspielen mickrige sieben Törchen erzielt.

Ein wichtiges Ziel, die Verjüngung der Mannschaft, ist auch Zidané in der vergangenen Saison nicht gelungen. Dabei ist das dringend notwendig. Der Stamm der Mannschaft, der seit Jahren zusammenspielt, ist überaltert. Das Dreiermittelfeld besteht noch immer bevorzugt aus Modric (35 Jahre), Kroos (31) und Casemiro (29). Im Sturm führt kein Weg an Benzema (33) vorbei und in der Verteidigung sind Varane (28), Carvajal (29) und Ramos (35) gesetzt, wenn sie denn fit sind.

Verjüngung dringend notwendig

Zum Ende der Saison versuchte Zidane zwar auf die Jugend zu setzen, am letzten Spieltag der Saison war die halbe Startelf immerhin 25 oder jünger, doch das war den vielen Verletzten geschuldet. Ob die jungen und teuren Hoffnungsträger wie Éder Militão oder Federico Valverde so gut sind, dass sie alten Stammkräfte ersetzen können, ist offen. Einzig Ferland Mendy verdrängte Marcelo als Linksverteidiger.

Es soll also weiter verjüngt werden, ob angesichts der knappen Kasse tatsächlich noch ein Transfer wie der von Stürmerstar Kylian Mbappé finanziell zu stemmen ist, bleibt zweifelhaft. Allerdings kommt David Alaba und tritt höchstwahrscheinlich die Nachfolge von Klubikone Sergio Ramos, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, an. Alaba kostet zwar keine Ablöse, wird zu Saisonbeginn allerdings 29 Jahre alt sein.

So überraschte es auch wenig, dass die neueste spektakuläre Nachricht aus dem Real-Universum mit Carlo Ancelottis ebenfalls eine Neuverpflichtung betraf. Wie bereits angeklungen wird der 61-jährige die Nachfolge von Zidane als Trainer antreten. Mit ihm als Co-Trainer holte Ancelotti vor sieben Jahren den langersehnten zehnten Champions League-Titel. In der Final-Startelf damals: Ramos, Varane, Carvajal, Modric und Benzema. Aufbruchsstimmung und Verjüngungskur sehen anders aus.

Quellen: DPA, "transfermarkt.de"


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