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Gegner des FC Bayern Schulden, Messi-Abgang, Niederlagen-Trauma: Der FC Barcelona steht vor einer ungewissen Zukunft

Höchst fragiler Zustand: Trainer Ronald Koeman und Jordi Alba von FC Barcelona
Höchst fragiler Zustand: Trainer Ronald Koeman und Jordi Alba von FC Barcelona
© David Ramos / Getty Images
Der FC Barcelona hat aberwitzige Schulden und spielt die erste Saison ohne Messi: Die Verunsicherung des Klubs ist mit Händen zu Greifen. Ausgerechnet jetzt kommt der FC Bayern, gegen den es vor einem Jahr die historische 8:2-Niederlasge setzte.

Lob vom Gegner ist immer gefährlich: "Der FC Barcelona wird nie schwach sein", sagte Manuel Neuer, Torwart des FC Bayern, mit Blick auf das erste Gruppenspiel der Champions League (ab 21.00 im stern-Liveticker und auf Amazon prime). Ob die Aussage wirklich ernst gemeint war, oder Neuer den Gegner aus Kalkül oder Höflichkeit stärker redet, als er im Moment vielleicht ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Auf jeden Fall ließ es sich der Keeper nicht nehmen, genauso auf die historische Niederlage am 14. August des vergangenen Jahres hinzuweisen. Mit 8:2 hatten gnadenlos starke Bayern den FC Barcelona im Viertelfinale der Königsklasse aus dem Wettbewerb geworfen. Es war eine Deklassierung der Extraklasse. Die Katalanen lagen am Boden. "So ein Spiel vergisst man nicht. Das hat natürlich geschmerzt in Barcelona", sagte Neuer. Wobei "geschmerzt" sicherlich zu schwach ausgedrückt ist. Für die Katalanen kam das Debakel einem Trauma gleich, an dem sie immer noch zu knabbern haben.

Lionel Leo Messi

Niederschmetternde Serie schlechter Nachrichten

In der Rückschau ist die Niederlage der Beginn einer niederschmetternden Serie von schlechten Nachrichten gewesen, die die stolzen Katalanen erschüttert haben. Nachdem das alte Präsidium aus dem Amt gejagt worden war, offenbarte sich die immense Schuldenkrise des Vereins. Insgesamt hat der FC Barcelona schier unglaubliche 1,35 Milliarden Euro Bruttoschulden angehäuft. Die Lage ist so ernst, dass nicht mal Klub-Ikone Messi mit halbierten Bezügen gehalten werden konnte, obwohl beide Seiten eine Vereinbarung erzielt hatten.

Nun geht der Verein in seine erste Saison ohne den Argentinier. Der Saisonstart in die Meisterschaft lief mit zwei Siegen und einem Unentschieden einigermaßen okay. Wie der FC Barcelona sportlich ohne Messi klarkommt, ist nicht ausgemacht. Das sieht auch Thomas Müller so, der die Mannschaft "aktuell überhaupt nicht einschätzen" könne: "Ohne Messi ist das sicherlich eine andere Mannschaft."

Der FC Barcelona will weiter die Super League

Trainer Ronald Koeman versucht derweil, das Beste aus der Situation herauszuholen, nachdem er sich einen heftigen Streit mit dem neuen Präsidenten Joan Laporta geliefert hat, was für weitere Unruhe sorgte. Seine halbe Offensivabteilung fällt aus. Neuzugang Sergio Agüero ist verletzt genau wie Ansu Fati, Ousmane Dembélé und Martin Braithwaite. Als Angreifer bleiben ihm Memphis Depay und Luuk de Jong, die ebenfalls neu verpflichtet wurden. Sind alle fit, hat der FC Barcelona aber immer noch eine ausgezeichnete Mannschaft zusammen.

Sportlich ist die Zukunft also höchst ungewiss. Finanziell bleibt der Zustand ebenso fragil. Der katalanische Klub kann sich offenbar nicht entscheiden, welchen Weg er in Zukunft einschlagen soll. Die Katalanen gehörten zu den Initiatoren der Super League, die die Champions League ablösen soll. Die Idee war zunächst europaweit krachend gescheitert, aber sie ist nicht vom Tisch. Real Madrid und Juventus Turin werben weiterhin offen für die Einführung der Super League, gerade weil sie das Geld angeblich dringend brauchen. Und auch der FC Barcelona scheint weiterhin mit dem Gedanken zu liebäugeln. Sonst würde er nicht freiwillig auf die Einnahmen aus einem Sponsoren-Deal verzichten, den die spanische Liga mit dem Investmentfond CVC abgeschlossen hat. Zehn Prozent ihrer Anteile hat die Liga verkauft, dadurch erhalten die zustimmenden Vereine frisches Geld. Der FC Barcelona stellte sich aber wie Rivale Real Madrid gegen das Geschäft und verzichtete deshalb auf zusätzliche Einnahmen von rund 250 Millionen Euro – da muss die Hoffnung auf die Super League sehr ausprägt sein. 

Jetzt muss der Verein aber erstmal das Gruppenspiel gegen die Bayern überstehen. Das wird hart genug.

Quellen: "sportschau.de", "Süddeutsche Zeitung", "kicker"


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