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Einkünfte von Wiesn-Wirt: In zweieinhalb Wochen zum Millionär

Was verdient ein Wiesn-Wirt? Das ist das bestgehütete Geheimnis des Oktoberfests. Bislang. Denn im Steuerprozess um Hippodrom-Chef Sepp Krätz wurde es gelüftet.

Von Jens Maier

Wirt auf dem Oktoberfest zu werden, ist für viele Münchner Gastronomen ein Lebenstraum. Wahlweise wird die Übernahme eines Zeltes von den Auserwählten als "Gipfel", "Himmel", "Olymp", "Juwel" oder "Lottogewinn" bezeichnet. Letzteres trifft es zumindest finanziell am besten. Denn die großen Wiesnzelte mit ihren mehreren tausend Besuchern während des Oktoberfestes gelten als Gelddruckmaschinen - als gmahde Wiesn.

Wie viel die Wirte mit Bier, Henderl und Ochsensemmeln wirklich verdienen, darum machen sie ein großes Geheimnis. Wenn das Gespräch auf ihre Umsätze und Gewinne kommt, werden die sonst so redseligen Großkopferten ganz still. "Wenn einer verraten würd', was er verdient, dann war’ er schön blöd", sagte Hacker-Festzelt-Chef Toni Roiderer 2012 der "Süddeutschen Zeitung". Ludwig Hagn, Wirt der Löwenbräu-Festhalle, verriet immerhin so viel: "Es wird immer Gold."

Gerüchte über Millionengewinne

Die Einnahmen der Wirte sind ein Tabuthema. Deshalb wird an den Bierbänken darüber ausführlich spekuliert. Nicht selten wird die Mär von zweistelligen Millionengewinnen verbreitet. Durchgesetzt hat sich die Meinung, dass jedem Wirt in jedem Jahr der Gegenwert eines luxuriös ausgestatteten Eigenheims im Münchner Szeneviertel Haidhausen in die Kassen gespült wird. Eine Annahme, die der Realität ziemlich nahe kommt.

Verliert nicht nur das Hippodrom, sondern auch die Konzession für sein Wirtshaus "Andechser am Dom": Sepp Krätz

Verliert nicht nur das Hippodrom, sondern auch die Konzession für sein Wirtshaus "Andechser am Dom": Sepp Krätz

Denn das Geheimnis um die Wiesn-Einnahmen ist gelüftet. Erstmals in der Geschichte des Oktoberfestes musste ein Wirt seine Umsätze offen legen. Promiwirt Sepp Krätz, Inhaber des Hippodroms, wurde in der vergangenen Woche vom Münchner Landgericht wegen Steuerhinterziehung in 36 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Der 59-Jährige hatte gestanden, im Hippodrom auf dem Oktoberfest und in seinem Lokal "Andechser am Dom" insgesamt gut 1,1 Millionen Euro am Finanzamt vorbeigeschleust zu haben.

Krätz musste Einnahmen offen legen

Haarklein musste Krätz während des Prozesses auflisten, wie viel Geld er mit seinem Zelt in den vergangenen Jahren verdiente. Im Hippodrom nahm der 59-Jährige nach eigenen Angaben 2013 3,1 Millionen Euro ein, 2012 sogar 3,3 Millionen. Abzüglich der zirka 830.000 Euro Kosten für zum Beispiel Aufbau, Platzmiete, Versicherungen und nach Abzug der Steuern (40 Prozent oder 968000 Euro) blieben Krätz zirka 1,5 Millionen Euro netto übrig.

Da das Hippodrom eines der kleineren Festzelte auf der Wiesn ist, dürften die Gewinne anderer Zeltbetreiber sogar noch höher liegen. Ein Einfamilienhaus in Haidhausen sollte in jedem Fall drin sein. Für Sepp Krätz allerdings nicht mehr. Denn der verurteilte Steuerbetrüger fliegt von der Wiesn. Er wird seinen Status als "zuverlässiger" Festzeltwirt verlieren. Die Bewerbungen um seinen Platz als Festzeltwirt laufen bereits. Er oder sie darf sich schon jetzt auf den frei werdenden Platz freuen. Denn er übernimmt - wie der Bayer sagt - eine gmahde Wiesn.