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Oster-Knigge: Eiertanz für den Familienfrieden

Ostern ist ein geselliges Familienfest, das man schwer schwänzen kann. Da wollen Schwiegereltern im Harz besucht oder hyperaktive Neffen versorgt werden. stern.de-Knigge-Expertin Elisabeth Bonneau verrät, wie man die Feiertage ohne Bratenterror und Wutanfälle überlebt.

Die lieben Kleinen wollen doch nur spielen. Oder?

Die lieben Kleinen wollen doch nur spielen. Oder?

Sie wissen, dass es dem Familienfrieden förderlich sein kann, für die Feiertage rechtzeitig Fernreisen zu buchen: getrennte Zeit - kein Streit. Sie haben vielleicht in den letzten Jahren auch an Ostern erfolgreich das Prinzip "strategisch kneifen" angewandt. Und jetzt haben Sie sich hinreißen lassen, die Einladung zum Osterfest im Familienkreis anzunehmen? Es muss nicht so schlimm kommen, wie Sie denken.

Setzen Sie sich ein Ziel: Ihre Eltern, Ihre Kinder, Ihre Tanten und Cousinen sollen später in positiven Erinnerungen schwelgen können. Machen Sie was Nettes draus. Und machen Sie kein Theater wegen des Essens: Ihre Schwiegermutter wird garantiert Sohnemanns Lieblingsessen - Lammbraten mit Bohnen und Knödeln - zaubern. Fragen Sie sich nicht, was er bloß daran findet, wo er doch sonst Ihre leichte vegetarische Küche zu loben weiß. Halten Sie sich an die Beilagen, schieben Sie Ihr Bratenstück auf seinen Teller.

Fremdheit fördert die Contenance

Ob Sie bei den eigenen oder den Schwiegereltern sind: Machen Sie sich nicht jetzt schon Sorgen darum, dass Ihnen nach einer halben Stunde die gefahrlosen Gesprächsthemen ausgehen und Sie sich entweder anschweigen oder anschreien werden. Regen Sie an, dass weitere Verwandte und Freunde des Hauses und auch die nette alte Nachbarin eingeladen werden; Fremdheit fördert die Contenance. Sollte die Tischrunde dennoch in einer kommunikativen Sackgasse landen: Legen Sie Hand an. Helfen Sie beim Auftragen, Abräumen, Abwaschen; die Gesprächsfetzen, die Sie dann noch mitbekommen, können Sie immer überhören.

Müssen Sie das komplette Wochenende mit der Familienbande verbringen? Motivieren Sie die Festgemeinde, etwas zu unternehmen: Warum, denken Sie, ist die Ostermesse so gut besucht? An einer plötzlich epidemisch auftretenden Frömmigkeit zur Auferstehung des Herrn wird es nicht liegen. Am Sonntagvormittag bietet sich ein Osterspaziergang an oder, mit Blick auf die aktuelle Wetterkarte, ein Kinobesuch. Da müssen Sie nichts reden und blamieren Sie auch nicht, wenn Sie im Gegensatz zu Opa die einschlägige Passage aus Goethes "Faust" immer noch nicht zitieren können.

Elisabeth Bonneau
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