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Paraderolle Fiesling: Larry Hagman feiert 80. Geburtstag

"J.R." ist seine Paraderolle: Den Fiesling aus "Dallas" ist Larry Hagman auch mit 80 Jahren noch nicht los geworden. stern.de hat den Schauspieler in Kalifornien besucht und einen Mann getroffen, der das Gegenteil eines egoistischen Geschäftsmanns ist. Auch wenn er immer noch so lacht.

Von Frank Siering, Los Angeles

Langsam tuckert das futuristische Elektromobil den San Vincente Boulevard im kalifornischen Santa Monica herunter. Der Mann hinter dem Steuer trägt einen überdimensionalen weißen Cowboy-Hut und ein dunkelblaues Sakko. Einige Touristen bleiben verdutzt stehen, als sie ihn erblicken. "Das ist doch …", "Ist das nicht ..?" Ja, er ist es tatsächlich: Larry Hagman steuert höchstpersönlich sein kleines Elektroauto Richtung Tiefgarage. "Alternative Energien finde ich unheimlich sexy", sagt er. Und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass er seine Farm im Norden von Santa Barbara längst mit Sonnenergie versorgt.

Der gebürtige Texaner mit Wohnsitz in Los Angeles feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. In der Fernsehserie "Dallas" ist er in den 80er Jahren berühmt geworden und im kollektiven Gedächtnis der Fernsehwelt wird er wohl für immer "J.R. Ewing" bleiben. Das weiß er selbst am besten. Und hat mit diesem Image auch heute überhaupt kein Problem. "Warum denn, der Job hat mein Leben für immer verändert. Ich bin bis heute sehr dankbar, dass ich J.R. spielen durfte", sagt er. So dankbar, dass er keine Sekunde zögerte, als er das Angebot bekam, noch einmal in die Rolle seines Lebens zu schlüpfen. Hagman wird auch in der "Dallas"-Fortsetzung, die ab nächstem Jahr im US-Fernsehen zu sehen sein wird, den Fiesling mimen. Zunächst für zehn Folgen, so viele hat der Sender "TNT" erst einmal geordert.

"J.R." hat Hagman zum reichen Mann gemacht

"Ich war entzückt! Denn gemein bin ich noch immer", witzelt Hagman, der angeblich mehr als 250 Millionen Dollar mit der Rolle in der Serie "Dallas" verdient haben soll. Doch wegen des Geldes kehrt er nicht wieder auf die Southfork Ranch zurück, sondern aus Leidenschaft. Noch heute erzählt er gerne Anekdoten von den damaligen Dreharbeiten. "Das Behinderten-WC war das einzige mit Klimaanlage. Dort habe ich meine Mittagspausen verbracht, weil es so verdammt heiß war in Dallas", berichtet Hagman von den ersten Drehtagen. "Eines Tages bollerte ein wütender Mann gegen die Toilettentür und fragte mich, ob ich denn überhaupt behindert sei. Es war meine erste Begegnung mit Patrick Duffy, der den Bobby Ewing spielte." Eine langjährige Männerfreundschaft zwischen den Menschen war geboren, die in der Serie Brüder und Erzfeinde waren.

Überhaupt scheint auf Hagman kein einziges Klischee zuzutreffen, das er als J.R. in "Dallas" verkörpert. Einzig seine Alkoholsucht, wegen der er eine Leber transplantiert bekommen hat, schein zum Image des selbstsüchtigen J.R. zu passen. Ansonsten ist Hagman privat so ziemlich das Gegenteil eines Fieslings. In der Serie war er der Weiberheld, der keine Affäre auslässt. Privat ist er seit 1954 mit seiner Frau Maj Axelsson verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Sie leidet an Alzheimer. "Eine schreckliche Krankheit", sagt Hagman, der sich rührend um seine in Schweden geborene Partnerin kümmert. "Jeden Tag gehen wir gemeinsam zum Lunch. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem sie mich nicht mehr erkennt", gibt er zu. Die Liebe hält seit fast 60 Jahren.

Republikaner? Nein, Hagman ist links. Sehr links

In der Serie war er der skrupellose Geschäftsmann. Privat tritt er für eine Energiewende ein und gilt mittlerweile als Frontmann der amerikanischen Solarszene. Und in der Serie war er der konservative Republikaner. Privat ist er ein Kritiker des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und seit den 1960er Jahren Mitglied der links-alternativen "Peace and Freedom"-Partei.

Seine Fans haben ihm nie übel genommen, dass er nicht der ist, den er in "Dallas" vorgibt. Im Gegenteil. Als einziger "Dallas"-Star hat Hagman über die Jahre konstant gut dotierte TV- und Kinofilmangebote erhalten. So war er neben John Travolta in "Primary Colors" zu sehen, in einer Folge des Traumschiffs und als Charakter in den Simpsons. "Über zu wenig Arbeit konnte ich mich mein ganzes Leben lang nicht beschweren", sagt Hagman, der dieser Tage in einer Folge der Desperate Housewives zu sehen sein wird. In Anlehnung an einen der berühmtesten Cliffhanger in der TV-Geschichte ("Wer erschoss J.R.?"), wird Hagman auch in dieser Housewives-Episode angeschossen. "Aber diesmal kratze ich ab", sagt er lachend.

Als nächstes also Dallas Reloaded. Hagman wie auch Duffy und Gray glauben ganz fest, dass die Serie erneut eine Chance beim Publikum bekommt. "Hey, wir haben die sexy Jungs für die jüngeren Zuschauer und uns alte Säcke für die Alten, also für jeden etwas", sagt Hagman und grinst verschmitzt. Da ist er wieder, der alte J.R. Als sei er niemals wirklich weg gewesen.