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YouTube-Film Medikamente und 20-stündige Einzelhaft: Paris Hilton spricht in Doku über Internatshölle

Paris Hilton in der YouTube-Doku "This is Paris"
Paris Hilton in der YouTube-Doku "This is Paris"
© Screenshot YouTube
In einer YouTube-Doku gibt Paris Hilton ungewohnt private Einblicke und will ihr wahres Ich zeigen. Es ist ein Film über eine traumatisierte junge Frau und eine bittere Abrechnung mit ihrer Familie.

"Die ganze Welt glaubt, mich zu kennen, weil ich diese Rolle schon so lange spiele. Aber das bin nicht ich. Niemand weiß, wer ich wirklich bin", mit diesen Worten beginnt die fast zweistündige Dokumentation über Hotelerbin Paris Hilton, die auf dem YouTube-Kanal der 39-Jährigen zu sehen ist. Als reiche Erbin und schrilles Party-Girl, so sehen die meisten Menschen die Tochter von Kathy und Richard Hilton, dessen Großvater die legendäre Hotelkette gründete und damit Milliarden verdiente.

In dieser Familie aufzuwachsen sei eine Bürde, sagt Hilton in dem Film, den die Emmy-prämierte Regisseurin Alexandra Dean verantwortet. "Ein Teil dieser Familie zu sein, bedeutet großem Druck standhalten zu müssen. Ich fühle mich, als müsste ich ein Vermächtnis fortführen", sagt die Amerikanerin. "Meine Mutter wollte immer, dass ich eine Hilton bin. Ich wollte einfach nur Paris sein." Der Film zeigt eine traumatisierte Frau, die "Angst davor hat, erwachsen zu werden", wie Hilton es selbst formuliert. In ihrem Innern sei sie immer noch ein zwölfjähriges Mädchen.

Paris Hilton rechnet in der Doku mit ihren Eltern ab

Die Dokumentation ist auch eine bittere Abrechnung mit ihrer Familie. Mit ihrem Vater Richard, der sie von Kindesbeinen an vor die Kamera zerrte und jeden ihrer Schritte festhielt. Viele dieser alten Aufnahmen sind in dem Film zu sehen. "Mein Vater nannte mich 'Star', denn ich war die Erstgeborene. Er filmte alles, was ich tat. Überall war immer eine Kamera." Auf Knopfdruck zu posieren und zu lächeln, sobald sie im Blitzlicht steht, das hat Hilton von klein auf gelernt. Sie kennt es gar nicht anders und und kann dieses Verhalten bis heute nicht ändern.

Mit ihrer Mutter Kathy Hilton geht die 39-Jährige ebenfalls hart ins Gericht. Als Kind habe sie aus ihr eine Prinzessin machen wollen, später schickte sie sie zu Benimm-Kursen und wollte sie als Debütantin in die New Yorker Gesellschaft einführen. Sie habe sich als Teenager gefühlt wie eine der "Frauen von Stepford", erzählt Hilton. Die Wünsche und Bedürfnisse des Mädchens Paris scheinen überhaupt keine Rolle gespielt zu haben, offen gesprochen wurde in der Dynastie so gut wie nie. "Mom und Dad lieben es, Dinge geheim zu halten", sagt Hilton. Ihre Eltern seien Meister darin, alles unter den Teppich zu kehren, ergänzt ihre jüngere Schwester Nicky, die in der Doku ebenfalls zu Wort kommt. Bloß keine negativen Schlagzeilen, bloß kein Kratzer am Image der Familie.

Auch die Hollywood-Stars haben kleinere und größere Makel

Mitte der Neunziger zogen die Hiltons von Los Angeles nach New York. Paris war damals 15 Jahre alt. Der Film beschreibt sie als rebellischen Teenager, der nachts heimlich das Haus verließ, um zu feiern, knappe Klamotten trug und gegen das von ihrer Mutter aufgezwängte Korsett ankämpfte. Kathy und Richard Hilton griffen zu drastischen Maßnahmen: Sie schickten ihre älteste Tochter auf mehrere Internate, doch auch dort eckte Paris an.

Paris Hilton berichtet von Missbrauch auf dem Internat

Als 17-Jährige kam sie auf die "Provo Canyon School" in Utah, "die schlimmste Schule von allen", erinnert sich Hilton. Sie berichtet von physischen und psychischen Misshandlungen, von Medikamenten, die verabreicht wurden, um die Schüler ruhig zu stellen und von 20-stündiger Einzelhaft in einer Art Zelle. "Ich bin durch die Hölle gegangen", sagt Hilton. "Es war wie im Film 'Einer flog über das Kuckucksnest'." Elf Monate musste Hilton in dieser Schule ausharren, als sie 18 war durfte sie das Internat verlassen. Ihre Mutter und ihr Vater wussten jahrelang nicht, was sie durchgemacht hat. Alles für sich zu behalten, das hat Hilton schließlich von ihren Eltern gelernt. Erst während der Dreharbeiten für die Doku berichtete Hilton ihrer Mutter von ihren traumatischen Erfahrungen. Die Zeit auf dem Internat hat aus dem wilden Teenager eine gebrochene Frau gemacht.

Das Image als Party-Girl und ihre Produkt-Imperium hat die 39-Jährige kreiert, um dem allen zu entkommen. "Ich wollte so erfolgreich werden, dass meine Eltern mich nie wieder kontrollieren können", sagt sie. Doch inzwischen ist Hilton so in dieser Rolle gefangen, dass sie sich ein neues Gefängnis geschaffen hat. "Ich habe ein Monster kreiert", sagt sie über die Marke Paris Hilton, die mit dem Menschen Paris nichts gemein hat. Der Film zeigt eine Frau, die rastlos um die Welt jettet, permanent von Menschen umgeben und trotzdem einsam ist, sich alles leisten kann, aber als Lebensziel vorgibt, ihre erste eigene Milliarde zu verdienen.

"Bist du glücklich?", fragt Nicky Hilton ihre Schwester in einer Szene. "Manchmal", antwortet Paris und ringt sich ein Lächeln ab.

Die Dokumentation "This is Paris" ist auf dem YouTube-Kanal von Paris Hilton zu sehen

jum

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