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Pooth-Pleite: Bei Bedarf bettelarm

Mit rund 19 Millionen Euro fallen die Verbindlichkeiten aus der "Maxfield"-Insolvenz um einiges höher aus, als erwartet. Lange Gesichter bei allen Beteiligten sind die Folge, während sich Pleitier Franjo in einer Düsseldorfter Tradition übt: sich selbst arm rechnen.

Von Jochen Siemens

Da hatten sie extra Saal L 111, den großen Sitzungssaal des Landgerichts Düsseldorf reserviert und draußen auf der Strasse hatten die Sender N24 und RTL ihre Kameras aufgebaut und auch die "Bild"-Zeitung hatte am Dienstag auf der ersten Seite Massen von Menschen, die noch Geld haben wollten angekündigt. Und dann das: etwa 15 Gläubiger waren stumm in den Saal gehuscht, dann ging die Tür zu: "Nicht öffentliche Sitzung". Vor der Tür 30 Journalisten, die auf dem graugrünen Flur mit quietschenden Türen vor sich hin warteten, nur einmal aufgeschreckt von dem Scherz eines Fotografen: "Franjo kommt gleich." In nüchternen Worten hatte Insolvenzverwalter Michael Bremen in einer Presseerklärung mitgeteilt, dass sich 461 Gläubiger der Firma Maxfield gemeldet hätten, viele davon allerdings auch nur enttäuschte Kunden, die einen Maxfield-Player gekauft hätten, der defekt sei, und die nun ihr Geld zurück haben wollten.

Von denen war allerdings keiner zu sehen, als nach anderthalb Stunden die Tür des Saales aufging und graugesichtige Männer heraushuschten, von denen die meisten jeden Kommentar verweigerten. Was soll man auch sagen? Ist doch schon peinlich genug, überhaupt mit Maxfield und Franjo Pooth geschäftlich verbunden gewesen zu sein. Und nun hier in L 111 sein Geld einfordern zu müssen. Aber noch grauer hat die Gesichter folgende Nachricht von Insolvenzverwalter Bremen gemacht: Nach Sichtung der Sicherheiten und Konten Franjo Pooths stehen Forderungen in Höhe von 27 Millionen Euro etwas über 100.000 Euro Guthaben gegenüber. Anders gerechnet: Wer von Pooth noch 100 Euro haben will, hat bedingte Aussichten, davon 37 Cent wiederzusehen. Wobei, wie Insolvenzsverwalter Bremen in der Tür von L 111 erklärt, von den 27 Millionen nur 19 Millionen realistisch seien. "Viele Forderungen beziehen sich auf Lizenz- und Markenrechte, und die genau zu ermitteln ist immer schwer."

19 Millionen scheinen nun das Ende der Fieberkurve zu sein, die im Januar mit einer Insolvenzmeldung und 11 Millionen Schulden anfing, sich dann auf 15 Millionen steigerte und nun die 19er Marke erreicht. Die dicksten Brocken darin sind ein 9,2 Millionen Kredit der Stadtsparkasse Düsseldorf und eine 1,8 Millionen-Spritze von der Commerzbank. Das Ganze nun abzuwickeln könne aber, so Bremen, um die zwei Jahre dauern, und dabei müsse auch noch geklärt werden, ob Franjo Pooth die Insolvenz, die schon 2007 feststand, in den Januar 2008 verschleppt habe. Teure und dröge Geschichte eigentlich, den Journalisten eindeutig nicht saftig genug.

"Muss Verona auch zahlen?" hagelte es immer wieder auf Bremen ein, der in knappen Worten entgegnete: "Frau Pooth hat keinerlei Verpflichtungserklärungen oder Bürgschaften gegenüber Gläubigern abgegeben." Ob sie im Falle einer Verurteilung ihres Mannes wegen Insolvenzverschleppung an die Ehekasse muss, steht auf einem anderen Blatt. Ist aber auch unwahrscheinlich, denn in Düsseldorf gibt man zwar gerne lärmend fremdes Geld aus, zäunt aber das eigene Vermögen gut ein. Das sieht man ja auch in der Garage Franjo Pooths, in der bis vor wenigen Tagen immer noch ein Porsche, ein Mercedes und das rollende Monster Hummer standen, die auf Nachfrage natürlich nicht Franjo, sondern seinem Bruder und seiner Mutter gehören. So sind sie hier in Dicke-Hose-Dorf - meistens reich, aber bei Bedarf auch bettelarm.

Offen blieb in der Tür von L 111 auch die Frage, ob Verona Pooths Firma "Veronas Dreams" hin und wieder von Maxfield-Geldern profitierte und ob beispielsweise die private Autoflotte über die Firma abgerechnet wurde. Und so schauten einige denn nicht nur grau, sondern auch verkatert, als sie über die Treppen des Gerichts davoneilten. Einer schüttelt den Kopf, vier Jahre habe er bei Pooth gearbeitet, vier Jahre "und am Anfang lief es ja auch gut." Jetzt nicht mehr, denn Chef Pooth hat ihn selten bezahlt und die Aussicht von den geforderten Gehältern und Provisionen vielleicht nur 400 Euro wiederzusehen, kann eine Lebensplanung irritieren oder auch zerstören.

Wie die paar Gläubiger da alle wortlos davon eilen, erinnern sie einen an die verdatterten Opfer der New-Economy-Blase im Jahr 2000. Dass einige von ihnen ernsthaft glaubten, ein Berufssohn aus Düsseldorf mit abgebrochenem Architekturstudium könne eine MP3-Player-Schlacht gegen Apple gewinnen, muss ihnen heute als das vorkommen, was es war: ein Vollrausch. Nur war das Geldgetränk der New Economy immerhin noch das Internet - in dem heute andere ihre Millionen verdienen. Bei Maxfield haben sie sich dagegen an gepanschten Fusel betrunken.