HOME

Präsidiale Romanze: Das Liebesleben der Carla B.

Kaum etwas hat Frankreich in den vergangenen Monaten so beschäftigt wie die Beziehung zwischen Präsident Nicolas Sarkozy und dem Ex-Model Carla Bruni. Nun hat Bruni für ein Buch Details der Beziehung ausgeplaudert. Doch die Franzosen reagieren anders darauf, als zu erwarten war.

Von Astrid Mayer, Paris

Carla Bruni ist Ausländerin in dem Land, dessen First Lady sie ist. Sie ist als Linke Lebensgefährtin eines konservativen Präsidenten. Dazu noch Freigeist, Herzensbrecherin und war schon vor ihrer Ehe berühmt als Model und Sängerin: Alles in allem das Gegenteil dessen, was man von der First Lady erwarten sollte. Da muss also die Liebe einiges kitten und deswegen ist das Interesse an der Beziehung zwischen den beiden ungleichen Partnern groß.

Carla Bruni hat für dieses Interesse Verständnis gezeigt, denn sie hat sich von zwei französischen Journalisten ausgiebig über ihre Liebe und ihre Beziehung zum französischen Staatspräsidenten interviewen lassen. Das Ergebnis ist dieser Tage als Buch erschienen: "Carla und Nicolas" von Yves Azéroual und Valérie Benaim. Untertitel: "Die wahre Geschichte". Ganz und gar unzensiert, versichern die Autoren: Carla Bruni habe nicht verlangt, ihren Text gegenzulesen.

Die First Lady ist endgültig akzeptiert

Sie packt aus, schildert auch den Alltag im Elysée, ihre Rivalitäten mit der Justizministerin Rachida Dati, die Details der Eheanbahnung. Das Erstaunliche: Niemand hat sich darüber beschwert, dass die First Lady über ihr Leben mit dem Präsidenten so unbeschwert plaudert wie sie einst ihren Körper der Öffentlichkeit zeigte. Das Buch hat keinerlei Entrüstung ausgelöst, selbst der konservative Figaro hat ihm einen freundlichen Artikel gewidmet. Der Beweis, dass die First Lady und ihr neuer Stil endgültig akzeptiert sind.

Nicht einmal, dass sie ganz offen sagt, sie werde immer links wählen, stößt auf. Zwar behauptet sie ein paar Seiten zuvor, sie würde bei einer Wahl natürlich ihren Mann wählen; aber das wird wohl als einer ihrer üblichen Widersprüche akzeptiert. Die First Lady besteht darauf, einen eigenen Beruf zu haben, und sich auch nicht von provozierenden oder erotischen Liedtexten abhalten zu lassen? Kein Problem offenbar. Für ihren Mann, sagt sie, sowieso nicht. Der lasse ihr alle Freiheit, jenseits jeglicher PR-Strategien.

"Ich bin bloß eine Folk-Sängerin"

"Ich bin bloß eine Folk-Sängerin. Ich erzähle kleine Geschichten, die den euren sehr ähneln. Da ist nichts subversiv." So wiegelt Carla Bruni ab. Sie versucht ihre Rolle klein zu halten. Aber wenn der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, mit dem sie befreundet ist, ihren Mann mit Berlusconi vergleicht, ruft sie ihn an. Das lässt sie nicht auf ihm sitzen: Sarkozy sei ein professioneller Politiker und kein Geschäftsmann, der in Politik dilettiert.

Hübsch und verblüffend an dem Buch ist vor allem, dass dort ein klares Bild des Pariser Filzes gezeichnet wird, wo in der High Society ein reger Austausch in geschäftlichen, politischen wie Liebesdingen besteht. Am Tag nach dem ersten Treffen der künftigen Ehepartner bei einem gemeinsamen Freund kann sich Sarkozy Rat bei einem Parteifreund und Ex-Minister holen, Luc Ferry. Der war nicht bloß beim Diner dabei, das Nicolas und Carla zusammenbrachte. Er hatte auch vor Jahren eine Affäre mit dem damaligen Model ("Ich war zwischen Mick Jagger und Laurent Fabius") und ist mit ihr befreundet geblieben.

Wüste Beschimpfungen wegen des Seitenwechsels

Nicolas Sarkozy hatte als Trauzeugin eine enge Freundin seiner Ex-Frau Cécilia gewählt, Mathilde Agostinelli. Wie das? Sie ist eben auch eine Jugendfreundin von Carla Bruni. Von Cécilia ist die in ihren Augen Treulose für ihren Seitenwechsel wüst beschimpft worden. Wenn sich auf Sarkozys Geburtstagsparty linke Künstler (Carlas Freunde) und rechte Geschäftsleute oder Politiker treffen (die Seinen), ist das nicht so unerhört: Man kennt sich meist schon. Man nennt es das "Tout-Paris": Die in der Hauptstadt tonangebende Gesellschaft.

Die Geschichte vom Kennenlernen über den Heiratsantrag - Sarkozy musste bei einer Freundin im Carla Brunis Hand anhalten - bis zu den Abenden im Elysée: Bruni erzählt frei heraus. Die Mediatisierung ihres Privatlebens kann sie schon längst nichts mehr befremdlich finden: "Das bin ich gewöhnt, seit ich 20 Jahre alt bin. Ich habe längst beschlossen, loszulassen und mir keine Gedanken mehr darüber zu machen." Also doch auf ihre Art eine höchst professionelle First Lady.