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Einigung im Missbrauchs-Prozess Prinz Andrew demaskiert: Der arrogante Opportunist darf nie wieder für die Krone auftreten

Prinz Andrew
Prinz Andrew hat sich mit Virginia Roberts Giuffre außergerichtlich geeinigt – ein Sieg für sie, eine Niederlage für ihn
© Liam McBurney/ / Picture Alliance
Prinz Andrew und Virginia Roberts Giuffre haben sich also geeinigt. Sie hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige mehrmals missbraucht zu haben. Der Queen-Sohn wird mehrere Millionen zahlen, um den Prozess abzuwenden – eine Schande.

Es ist eine Überraschung, dass sich Prinz Andrew auf eine außergerichtliche Einigung einließ. Erst vor wenigen Tagen hatten seine Anwälte verkündet, dass der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth bereit sei, seine Unschuld vor Gericht zu verteidigen. Es hieß, dass der Prozess in New York City im Herbst dieses Jahres stattfinden könnte. Nun fällt er aus und erspart Prinz Andrew so, intimste Details vor Gericht – und der Öffentlichkeit – preiszugeben. Doch ein Sieg ist diese Einigung nicht. Sie ist eine Schande für Andrew und kann das Königshaus nachhaltig in Mitleidenschaft ziehen.

Prinz Andrews verblüffende Wendung

Am Dienstagabend wird ein Brief von Prinz Andrews Anwälten an Richter Lewis Kaplan veröffentlicht. Darin heißt es: "Prinz Andrew hatte nie die Absicht, den Charakter von Frau Giuffre zu verunglimpfen, und er akzeptiert, dass sie sowohl als erwiesenes Opfer von Missbrauch als auch als Ergebnis unfairer öffentlicher Angriffe gelitten hat." Es ist nicht schwer, Hohn in diese Aussage hineinzulesen. Denn genau das war anfangs das Prinzip des Prinzen in diesem Fall: die Glaubwürdigkeit Giuffres zu erschüttern. 

Diese Wendung in der öffentlichen Haltung des 61-Jährigen wurde nach der Einigungsverkündung mit Verblüffen aufgenommen. Andrew gibt zwar keinerlei Verantwortung bezüglich der Missbrauchsvorwürfe zu, aber er betont auch nicht länger seine Unschuld. Er verweist auf sein Bedauern, mit Jeffrey Epstein verbunden gewesen zu sein. Dies wolle er beweisen, indem er gegen die "Dämonen des Sex-Handels" und für die Opfer kämpfe. Eine Vereinbarung der Einigung besagt demnach auch, dass Giuffres Organisation für Opfer mit einer nicht näher genannten Summe bedacht wird. In britischen Medien wird von weit über zehn Millionen Euro gesprochen.

Andrew konnte seinen Namen nicht reinwaschen – und könnte die Queen in den Missbrauchs-Fall hineinziehen

Es ist eine krachende Niederlage für den Prinzen. Seinen Namen konnte Andrew nicht reinwaschen, nicht seine Unschuld beweisen. Stattdessen zahlt er Unsummen, muss womöglich auf Geld aus der privaten Kasse der Queen zurückgreifen und hat das gesamte Königshaus nachhaltig beschädigt. Nur ein Freispruch hätte ihn befreien können und einen Weg zurück in den Dienst der Krone ermöglicht. 

Ja, Andrew hat es geschafft, intimste Details für sich behalten zu können. Aber er wird sein restliches Leben lang mit Missbrauchsvorwürfen in Verbindung gebracht werden. Und sollte herauskommen, dass die Queen einen Teil der Summe an Giuffre und/oder die Anwälte bezahlt hat, wird sie ebenfalls in die Geschichte hineingezogen. Als Mutter ist es nachvollziehbar, dass sie alles tut, um ihrem Sohn zu helfen. Aber die Queen ist eben nicht "nur" eine liebende Mutter, sondern auch das Oberhaupt der Monarchie. Und dieser Position hat sie bisher alles untergeordnet. Im Januar hat die 95-Jährige ihrem Lieblingssohn militärische Ehrentitel sowie Schirmherrschaften entzogen. Auch öffentlich auftreten soll Andrew nicht mehr. Nach der Einigung wollte sich der Buckingham Palace nicht äußern und verwies laut Medienberichten auf seine Anwälte. Diesen Weg sollte Elizabeth II. weitergehen: Keine Gnade für Andrew. Keine monetäre Unterstützung für den Prinzen. Nie wieder soll er für die Krone auftreten dürfen.

Charles hat Andrew verbannt – ein Vorgeschmack auf den Hof unter seiner Regentschaft

Jüngst hieß es, Prinz Charles habe seinen Bruder aus Windsor verbannt. Er wolle ihn nicht sehen. Es ist ein Vorgeschmack, was auf Andrew zukommt, wenn der Prinz von Wales den Thron besteigt. Seine Mutter war bis zuletzt sehr nachsichtig, auch weil die Queen ihrem Biografen zufolge Differenzen am liebsten aus dem Weg geht. Ihrem ältesten Sohn geht es nicht so.

Der Herzog von York hat sich über Jahre mit Epstein umgeben. Er äußerte lange Zeit kein Mitgefühl mit den Opfern, zeigte sich überheblich im Fernsehen 2019, als es um die Vorwürfe ging. Sein Biograf erzählte dem stern, dass Andrew aufgrund seiner privilegierten Erziehung ein "verzerrtes Weltbild" mitbekommen habe. Dieses wurde jetzt zurechtgerückt. Endlich.


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