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Prinz William und Kate Middleton: Die Hochzeit - ein Jungbrunnen für die Monarchie

Sie sind von Skandalen gebeutelt: Dem britischen Königshaus kommt die Märchenhochzeit von Prinz William und Kate gerade recht, um das Image aufzupolieren. Doch nicht nur die Windsors profitieren von der großen Inszenierung.

Es sollen die ganz großen Bilder werden. Schöne Menschen in schönen Kleidern vor schönen Palästen. Wenn sich Prinz William und Kate Middleton Ende April in London das Jawort geben, dann wird das auch ein perfekt inszeniertes Ja zu einer uralten Institution, die eigentlich längst keiner mehr braucht, die aber laut Umfragen die wenigsten missen möchten: die britische Monarchie.

Spätestens seit den Zeiten von Queen Victoria (1819-1901) nutzt die Krone die Macht der Bilder bei großen Feierlichkeiten vor allem zu einem: dem Selbsterhalt. "Glamouröse Selbstinszenierung wurde als die entscheidende Form von Machterhalt gesehen", schreibt die Londoner Historikerin Karina Urbach in ihrem neuen Buch "Queen Victoria: Eine Biografie" über das Zeitalter Victorias. Die Queen führte groß gefeierte Thronjubiläen ein und steuerte gegen die Republikaner. Und sie entdeckte die Wohltätigkeit als Möglichkeit der positiven Selbstdarstellung.

Noch heute stellen die Royals gerne ihre Charity-Aktivitäten in den Vordergrund. Ihre Kritiker behaupten dagegen, dass sie ohne jede demokratische Legitimierung immer noch politisch Einfluss nehmen. "Sie haben Einfluss und nutzen ihn täglich", sagt Graham Smith, Sprachrohr der monarchiekritischen Bewegung Republic. Etwa über den Privy Council, ein vom Thron dominiertes Gremium. Nach offizieller Lesart ist die Regierung in der Downing Street auch heute noch nur ein Ausschuss dieses Kronrates. Auch Pöstchen werden gern mit Royals besetzt, wie der umstrittene Regierungsbeauftragte für Außenhandel, Prinz Andrew, zeigt.

Auch die Regierung profitiert von der Hochzeit

Tatsächlich streiten sich die Royals mit der Regierung eher ums Geld. Rund 40 Millionen Pfund zahlt der Steuerzahler jedes Jahr für die königliche Familie. Die Monarchiekritiker von Republic wollen belegen können, dass es mit versteckten Zusatzkosten - wie etwa denen für die Polizei bei der Sicherung öffentlicher Auftritte - sogar über 180 Millionen sind. In jedem Fall steht der Haushalt des Buckingham Palastes seit Jahren unter Dauerbeobachtung der Sparkommissare.

Dennoch: Die Hochzeit von William und Kate, 110 Jahre nach Victorias Tod, nutzt neben der Krone auch der Regierung in Westminster. David Cameron, seit knapp einem Jahr der Premierminister Ihrer Majestät, redet gerne von der "Big Society", der großen Gesellschaft, in der jeder für den anderen eintritt, in der die Individualinteressen hinter denen der Nation zurückstehen, die sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zieht.

Für die Briten soll - so hofft zumindest Cameron - die Hochzeit ein bisschen von dem werden, was das "Wunder von Bern" 1954 für die Deutschen war: ein emotionsgeladener Startschuss für bessere Zeiten. Das diamantene Thronjubiläum der Queen und die Olympischen Spiele in London im nächsten Jahr sollen weitere Meilensteine auf diesem Weg werden.

Dem einst stolzen Land geht es schlecht. Hunderttausende Briten, sonst ein Muster an Zurückhaltung, gingen Ende März auf die Straße, weil sie sich die Umverteilungspolitik der Regierung Camerons nicht bieten lassen wollen. Die Bankenkrise hat den britischen Staatshaushalt an den Rand des Bankrotts gebracht, wie Schatzkanzler George Osborne erst dieser Tage wieder zugeben musste.

Die Prinzenhochzeit ist in solchen Zeiten ein Anlass, bei dem das noch immer in eine Schichten-Gesellschaft gespaltene Großbritannien öffentlich Zusammenhalt demonstrieren kann - vor bis zu einer Milliarde Menschen an den Fernsehschirmen weltweit. Allein in Deutschland übertragen sechs Fernsehsender (ARD, ZDF; RTL, Sat1, n-tv, N24) live und mehrere Stunden lang dieselben, von der BBC einheitlich bereitgestellten, Bilder.

Ist Kate der Anfang vom Ende der Monarchie?

Cameron brauchte eher Stunden als Tage nach der Bekanntgabe des Datums, um den Tag der Hochzeit des künftigen Thronfolgers zum Nationalfeiertag zu erklären. Er wusste um die Symbolkraft des royalen Ereignisses und zählt bei der Umsetzung seiner Idee auf die große Integrationsfigur - Queen Elizabeth II. Seit 59 Jahren hält die 84-Jährige nun das Zepter in der Hand. Die Menschen in Großbritannien sehen in der alten Dame ein Muster an Beständigkeit, eine Art Anker der Nation.

"Regierungen sind gekommen, Regierungen sind gegangen, die Queen war immer da, solange ich denken kann", sagt etwa die 62 Jahre alte Penny Ayling. Queen-Enkel Prinz William soll Nachfolger werden - nicht nur auf dem Thron, sondern auch als nationale Integrationsfigur. Ob der Prinz das wirklich will und über Jahrzehnte die eiserne Disziplin seiner Großmutter aufbringt, um "die Firma" zusammenzuhalten, steht auf einem anderen Blatt.

Die links-liberale Zeitung "Guardian" jubelt bereits, dass William mit der Wahl der "bürgerlichen" Kate Middleton den Anfang vom Ende der Monarchie selbst eingeläutet hat. Tatsächlich ist es - legt man die geschichtlichen Maßstäbe aristokratischer Heiratspolitik zugrunde - eine "Hochzeit nach unten" - wie Historikerin Urbach es nennt. Die großen Bilder Ende April wird das aber keineswegs trüben.

Michael Donhauser, DPA / DPA