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Promi-Kult: Stars entdecken Kabbala

Auch wenn es sie viel kostet: Seit einiger Zeit ist die Jahrhunderte alte mystische Tradition "Kabbala", weder Sekte noch Religion, mit Wurzeln im Judentum zum Kult unter den Prominenten avanciert.

Gwyneth Paltrow (31) glaubt fest daran. Jerry Hall (47) ist enttäuscht davon. Und Madonna (45) hat sich erst kürzlich dafür den neuen Namen Esther zugelegt. Es geht um Kabbala - keine Sekte, keine Religion: "Nennen Sie es eine Philosophie, wenn Sie wollen, oder eine Weltanschauung", sagt Glyn Williams (58) aus dem englischen Nottingham, der als lebenslanger Schüler von Kabbala bezeichnet werden will. Seit einiger Zeit ist die Jahrhunderte alte mystische Tradition mit Wurzeln im Judentum zum Kult unter Hollywoodstars und anderen Prominenten avanciert.

Kabbala, hebräisch für "Überlieferung", wird im Neuen Lexikon des Judentums als Mystik und Geheimlehre bezeichnet, die über die Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurde. Viele Anhänger heute glauben, dass das Universum spirituellen Gesetzen folgt, die man verstehen lernen muss, um mit ihnen im Einklang leben zu können. "Kabbala vermittelt keine fundamentale Wahrheit außer der Tatsache, dass es einen Gott gibt", erläutert Williams. Viele Anhänger seien Christen.

Alternativer Lebensstil reizt die Stars

Madonna trägt ihr Bekenntnis sogar als T-Shirt ("Kabbalists Do It Better") vor sich her. "Ich weiß nicht, was ausgerechnet die Stars daran anzieht", sagt Williams. "Aber wahrscheinlich ist es der alternative Lebensstil." Der Frührentner selbst ist schon seit rund 40 Jahren überzeugter Kabbalist und hält Vorträge, für die er ein Eintrittsgeld von umgerechnet 4,50 Euro verlangt, um seine Kosten zu decken. Doch es gebe auch Einrichtungen, die bis zu 600 Euro für einen Wochenendkurs nähmen.

Wie viel man zahlt, scheint zuweilen eine Frage des Prestiges zu sein. Das Kabbala-Zentrum in London beispielsweise zieht eher die oberen Gesellschaftsschichten an. Wie der "Sunday Telegraph" berichtete, hat es gerade mit Hilfe einer großzügigen Spende von Madonna ein 5,5 Millionen Euro teures Haus am exklusiven Stratford Place in der Innenstadt gekauft. Anders als die meisten New-Age-Philosophien steht Kabbala dem Kapitalismus nicht feindlich gegenüber. So hat der amerikanische Rabbi Philip Berg (75) nach Presseberichten seit der Gründung des ersten Kabbala-Zentrums 1969 in Jerusalem ein regelrechtes Imperium aufgebaut mit 50 Zentren auf der ganzen Welt von Toronto bis Moskau.

"Kabbala ist älter als jede Religion"

Das Londoner Zentrum bietet zehnwöchige Kurse zur "Kraft von Kabbala" für umgerechnet 270 Euro an, auf der Internetseite kann man teure Bücher kaufen, und im hauseigenen Laden gibt es Schmuck, alternative Heilmittel und den berühmten roten Faden. Victoria Beckham (30) soll ihrem Mann David (29) gerade einen solchen roten Wollfaden gekauft und ums Handgelenk gebunden haben. Der Faden soll den bösen Blick, möglicherweise aber auch fremde Frauen von ihm fern halten.

Während Posh Spice große Hoffnung in Kabbala zu setzen scheint, soll Mick Jaggers Ex-Frau Jerry Hall neulich wutschnaubend das Kabbala-Zentrum verlassen haben, weil sie um Geld gebeten worden war. "Ich wusste nicht, dass man zehn Prozent seines Einkommens spenden muss, um durch die Wundertür zu gehen", wurde sie in der britischen Presse zitiert.

Das Oberhaupt der Juden in Großbritannien, Rabbi Jonathan Sacks, distanziert sich von dem Zentrum: "Diese Organisation gehört nicht in unseren Verantwortungsbereich", sagt er. Doch die Kabbalisten wollen mit den Dogmen organisierter Religion ohnehin nichts zu tun haben. "Kabbala ist älter als jede Religion oder Theologie", heißt es auf der Internetseite des Zentrums.

Gaby Mahlberg/DPA / DPA