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Rauer Tonfall: Medien-Sturm über Skandinaviens Königshäusern

Heftigen Angriffen mit manchmal brutalen Mitteln sind neuerdings die Königshäuser in Kopenhagen, Stockholm und Oslo ausgesetzt. Im Zentrum der Kritik: Apanagen und Aktivitäten.

Heftigen Angriffen mit manchmal brutalen Mitteln sind neuerdings die Königshäuser in Kopenhagen, Stockholm und Oslo ausgesetzt. "Die skandinavischen Königshäuser sitzen auf einer Rutschbahn, die ganz bestimmt nicht zu ewigem Leben führt", verkündete Dänemarks größte Boulevardzeitung 'Ekstra Bladet' in einem Leitartikel düster und goss selbst kräftig Öl ins Feuer. Gut zwei Monate vor der Hochzeit von Kronprinz Frederik (35) mit der Australierin Mary Donaldson (32) nannte das Blatt den Thronfolger einen "Unreifen", der mit "endlosen Ferien" und einem Monatslohn von einer Million Kronen (130.000 Euro) aus Steuermitteln vor sich hin faulenze.

Offenlegung wäre "nicht cool"

Weniger rüde im Ton, aber in nicht minder unangenehmer Weise für den royalen Adressaten kritisierten Anfang des Monates Politiker fast aller schwedischen Parlamentsparteien, dass König Carl XVI. Gustaf die ihm und seiner Familie zustehende Apanage von 44 Millionen Kronen (4,8 Millionen Euro) ohne jede Rechenschaftspflicht nach Belieben ausgeben darf. Obwohl der 57-jährige König und Herr über ein Privatvermögen von 250 Millionen ausdrücklich erklärt hatte, er würde es "nicht cool finden", wenn er die Verwendung seiner Apanage offen legen müsste, zwang ihm der Verfassungsausschuss genau dies auf. Dann könne der Regent immer noch das eine oder andere schnelle Auto oder Reitpferd kaufen, ohne dass die Öffentlichkeit Details erfahren müsse, meinte ein sozialdemokratisches Ausschussmitglied süffisant.

Eine Rolle gespielt haben könnte bei solchen früher in Skandinavien undenkbaren Tönen auch Verärgerung von Politikern über einen als trottelig empfundenen Auftritt des Königs bei einem Staatsbesuch im Sultanat Brunei. Hier lobte der Ehemann von Königin Silvia (60) in den höchsten Tönen und öffentlich die Regierungskünste seines "volksnahen" Gastgebers Sultan Sir Hassanal Bolkiah, obwohl in dem islamischen Kleinstaat auf der Insel Borneo seit vierzig Jahren keine Wahlen mehr stattfanden und stattdessen Ausnahmerecht herrscht. Der König habe sich für solche Probleme gar nicht, dafür aber umso mehr für die gigantische Sportwagen-Sammlung des Sultans mit beneidenswert vielen Ferraris interessiert, kommentierten Stockholmer Zeitungen.

Dänen schlugen sich auf Seiten ihrer Königin

Auf der anderen Seite des Öresund zwischen Schweden und Dänemark mag Königin Margrethe II. ihren königlichen Verwandten in Stockholm schon fast um solche Schlagzeilen beneidet haben. Die 63-jährige Königin musste selbst erleben, wie angebliche homosexuelle Neigungen ihres Ehemannes Prinz Henrik in Zeitungen ausgebreitet wurden. Dass mehrere tonangebende Medien sich dabei ausschließlich auf ein paar Zeilen in einem norwegischen Buch mit dem bloßen Hinweis auf Gerüchte als "Quelle" beriefen, fanden viele Dänen, wie Leserbriefen zu entnehmen war, schlicht niederträchtig.

Prinz Haakon strebt Vertrag mit Presse an

Um solchen Problemen nicht ausgesetzt zu sein, bemüht sich Norwegens Kronprinz Haakon (30) um einen "Vertrag" mit den heimischen Medien, der Grenzen für die Berichterstattung über Privates aus seiner Familie festlegen soll. Für den Hof könne es wohl keine Sonderrechte geben, lautete der Tenor der bisher eher kühlen Reaktion aus der Zeitungsbranche. Haakons Schwester Prinzessin Märtha Louise (32) hat einen anderen Weg gewählt, um den Schlagzeilen der vergangenen beiden Jahre gegen sie wegen fehlenden royalen Engagements und schamlosen kommerziellen Missbrauchs ihres Titels zu entgehen: Mit Ehemann Ari Behn (31) und Tochter Maud Angelica (1) will die Prinzessin im Herbst für mindestens ein Jahr in der Anonymität von New York abtauchen.

Thomas Borchert, DPA / DPA