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Stalking: Morddrohungen gegen Jil Sander

Eine 33-Jährige muss sich vor Gericht verantworten, weil sie Jil Sander mit dem Tode bedroht hatte. Die so genannte Stalkerin hatte sich nach eigenen Angaben in die Modeschöpferin verliebt.

In einem Prozess um telefonische Morddrohungen gegen die Modeschöpferin Jil Sander und deren beste Freundin hat der Staatsanwalt vor dem Hamburger Landgericht eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten für die Angeklagte gefordert. Die Frau hatte mit Stalking, dem Belästigen und Verfolgen von Menschen, Jil Sander fünf Jahre lang zunehmend aggressiv unter Druck gesetzt. Der Anklagevertreter billigte der geständigen 33 Jahre alten Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit zu. Eine Gutachterin hatte der Frau Wahnvorstellungen und Schizophrenie bescheinigt.

Die Stalkerin, der Jil Sander nie begegnet war, hatte sich nach eigenem Bekunden in die Modemacherin verliebt und fühlte sich von ihr betrogen und durch angebliche Anrufe belästigt. "Ich habe nur Probleme wegen ihr", sagte die Frau. Jil Sander selbst musste nicht als Zeugin vor Gericht erscheinen. Laut einer verlesenen Aussage der Designerin fühlte sie sich von der 33-Jährigen ausspioniert und immer stärker bedroht.

"Man kann nicht jeden einsperren"

Während die Gutachterin aus psychiatrischer Sicht eine Unterbringung der Angeklagten in einer Klinik befürwortete, sprach sich der Oberstaatsanwalt dagegen aus. Da die Frau im Sinne der geltenden Vorschriften nicht gefährlich sei, komme eine Einweisung nicht in Betracht. "Man kann nicht jeden einsperren, der uns lästig ist", sagte der Anklagevertreter.

Der Verteidiger und der Vorsitzende Richter übten deutliche Kritik an den Medien, weil die Angeklagte im Gerichtsgebäude von Fotografen und Kameraleuten verfolgt worden war. Der Anwalt der 33-Jährigen sprach von einer "Menschenjagd". Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt.

DPA / DPA