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Wegen Fotos aus Malawi Stefanie Giesinger will gute Taten zeigen – und wird dafür heftig kritisiert

Shitstorm für Stefanie Giesinger:


Postings einer Charity-Reise nach Malawi in Ostafrika sorgen für reichlich Aufregung auf ihrem Instagram-Kanal.


Das 23-jährige Model verteilt hier beispielsweise Essen an Schüler in der Region Mkobma.


In ihren Stories teilt sie die Wohltätigkeitsaktion mit ihren 3,7 Millionen Followern. 


Die GNTM-Gewinnerin von 2014 will gegen den Hunger in Malawi kämpfen: Zusammen mit einem Start-up bringt sie 2020 ein Eis auf den Markt – der Gewinn soll an Anti-Hunger-Projekte in Malawi gespendet werden.


Doch statt Begeisterung in den sozialen Netzwerken hagelt es harsche Kritik:


Die Nutzer werfen Giesinger vor, dass sie die Fotokulisse nutze, um sich als Retterin zu inszenieren.


Kritiker vermuten dabei eigennützige Motive, wie sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, statt den Menschen vor Ort tatsächlich zu helfen.


Außerdem würde Giesinger die Persönlichkeitsrechte der Kinder nicht wahren.


Stefanie Giesinger reagiert auf die Kritik mit einem nachträglich hinzugefügten, kurzen Text:


"Wir hören euch und verstehen euch. Wir werden beim Zeigen unserer Arbeit in Malawi noch sensibler sein." – Stefanie Giesinger, Instagram


Außerdem entfernt das Model mindestens ein Video aus ihrer Instagram-Story.


Der Instagram-Kanal "nowhitesaviors" (zu Deutsch: Keine weißen Retter) veröffentlicht das Video, in dem Giesinger Kindern die Selfie-Kamera ihres Smartphones zeigt und behauptet, dass sie sich noch nie selbst gesehen hätten.


Eine Behauptung, die für fassungslose Kommentare sorgt:


"Denkst du wirklich, dass sich Afrika auf einem anderen Planeten befindet, auf dem weder Spiegel noch Handys existieren?"


"Ja, wir haben uns noch nie selbst gesehen – bis du aufgetaucht bist."


Die Reaktionen auf die Charity-Aktion des Models machen deutlich: Selbst gute Absichten schützen nicht vor einem Shitstorm.
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Stefanie Giesinger teilt auf Instagram Bilder aus Malawi. Das Model erntet dafür scharfe Kritik – und reagiert gleich doppelt. 

Stefanie Giesinger zählt mit etwa 3,7 Millionen Followern auf Instagram zu den erfolgreichsten Influencerinnen hierzulande. Ihre Reichweite nutzt die "Germany's Next Topmodel"-Gewinnerin von 2014 aktuell, um auf ein Projekt in Malawi aufmerksam zu machen.

Die 23-Jährige teilt auf Instagram kürzlich eine Bilderstrecke, die sie unter anderem dabei zeigt, wie sie Essen an Schüler in der Region Mkomba verteilt. Sie ist derzeit gemeinsam mit dem Team eines Hamburger Start-ups in Ostafrika. Man wolle nicht nur kurzzeitig vor Ort helfen, sondern 2020 eine Eiscreme auf den Markt bringen und mit dem Verkaufserlös Projekte in Malawi realisieren, die den Hunger dort bekämpfen sollen. 

Stefanie Giesinger wird "white saviorism" vorgeworfen

Doch das Motto "tue Gutes und rede darüber" scheint ihren Followern nicht zu gefallen. Die meisten Kommentare unter der Bilderstrecke sind negativ. Dem Model wird "white saviorism" vorgeworfen. Der Begriff, der übersetzt etwa "weißer Retter" bedeutet, bezieht sich auf eine weiße Person, die nichtweißen Menschen hilft. Dabei werden eigennützige Gründe vermutet. Etwa, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Oft würde diese vermeintliche Hilfe allerdings an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeigehen. 

Den Hashtag "NoWhiteSaviors" haben Mitte des Jahres überwiegend ostafrikanische Frauen ins Leben gerufen. Eine ihrer Forderungen: Die Vorstellung, dass Weiß-Sein und Gute-Absichten-Haben als Qualifikation zum Helfen ausreiche, müsse ein Ende haben. Die Aktivistinnen kämpfen zudem für eine Veränderung in der Missionars- und Entwicklungszusammenarbeit. Es ginge ihnen nicht darum, keine Bilder zu machen, sondern darum, sich mit der Struktur und den Projekten der Einrichtung im Vorfeld auseinanderzusetzen. Es gibt aber auch kritische Stimmen zum Konzept des "white saviorism": Es sei weißen Menschen gegenüber rassistisch, würde oft gute Absichten zunichte machen und Hilfe verhindern.

Stefanie Giesinger wird auf Instagram "White Saviorism" bezichtigt
Stefanie Giesinger wird auf Instagram unter anderem für dieses Foto scharf kritisiert
© Screenshot Instagram/stefaniegiesinger

In den Kommentaren unter Giesingers Posting heißt es konkret: "Es ist schön, dass diese Kinder etwas zu essen bekommen (eigentlich das Normalste der Welt), aber warum müsst ihr euch fotografieren? Finde ich schon erbärmlich und traurig." Oder: "Wurden die Kinder, bzw. ihre Eltern, um Erlaubnis gefragt, ob du diese Bilder einem Millionenpublikum zur Schau stellen darfst? Oder geht's hier vielleicht doch mehr um dich als um alles andere?" Ein weiterer Nutzer schreibt etwa: "Es ist absolut widerlich, was du hier machst. Google mal den Begriff 'white saviorism'. Es ist nicht cool oder sonst was, wenn man afrikanische Kinder, die es sowieso schon schwer genug haben, fotografiert und sie dann auf Instagram zu posten, nur damit man viele Likes bekommt." Viele Kommentare gehen in eine ähnliche Richtung. Manche Nutzer fragen zudem, warum Giesinger nicht hierzulande hilft, im Stillen Geld spendet oder was genau sie tut, um zu helfen.

Die GNTM-Gewinnerin reagiert auf die Kritik

Die zahlreichen Kommentare sind an Stefanie Giesinger nicht spurlos vorbeigegangen. Sie postet kurz darauf eine Erklärung, warum sie in Ostafrika ist und schreibt: "Ich glaube, dass jeder von uns einen Teil dazu beitragen kann, bei der Klärung gemeinsamer Probleme zu helfen. Das hier ist meiner." Das Model findet zudem, dass "jeder Schritt zählt". Unter die vielfach kritisierte Bilderstrecke schreibt das Model nachträglich: "Wir haben euch gehört und verstanden. Wir werden ab jetzt sensibler mit der Darstellung unserer Arbeit in Malawi umgehen." 

Einige Nutzer nehmen das Model aber auch in Schutz und finden es gut, dass es hilft: "Man muss keinen dummen Kommentar an Menschen, die anderen Menschen helfen, abgeben. Ob sie den Menschen in Afrika oder Deutschland hilft, da sollte kein Unterschied gemacht werden, die Absicht bleibt gleich und zwar Bedürftigen zu helfen. Und man hilft Menschen nicht, indem man auf seine Taste drückt und unnötige Kommentare abschickt", findet eine Userin.

Auch andere kritisieren den Begriff des "white saviorism" und finden, dass eine gute Absicht das sei, was zählt. Eine Nutzerin schreibt außerdem: "Ich finde es so bewundernswert und toll, wie du dich dort für die Menschen einsetzt. Das zeigt mal wieder, wie bodenständig du bist! Es gibt Menschen da draußen, denen es egal ist, wie es anderen geht, aber du setzt dich dafür ein, dass es diesen Menschen besser geht!"

Quelle: Instagram Stefanie Giesinger

maf

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