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Sylvester Stallone: Opas kleine Helferlein

In "Rocky 4" griff nur der böse Russe auf Muskel-Präparate zurück - doch das war eine Täuschung. Denn auch Sylvester Stallone schluckt, was das Labor hergibt. Nun blieb er in einer Flughafen-Kontrolle in Australien hängen - weil er einige merkwürdige Substanzen im Gepäck hatte.

Von Jörg Isert

Es ist eine Ironie des Schicksals: Sylvester Stallone war noch in der Luft, als sich die Website tmz.com fragte, wie es ihm wohl gelungen sei, problemlos an den Sicherheitskräften des Los Angeles Airports vorbei zu kommen. Schließlich trage er seit neuestem eine überaus "gefährliche Mähne" und "grauenvoll getönte Augenbrauen". Mit diesem Look gehöre Stallone doch eigentlich auf die "No Fly"-Liste.

Vielleicht haben die Zollkollegen in Sydney tatsächlich gedacht, sie hätten es bei dem Mann mit dem durchgeknallten Look mit einem Drogendealer zu tun. Jedenfalls nahmen sie ihren Job um einiges ernster als die - angeblich so strenge - U.S. Homeland Security. Während die Amerikaner sich am Plausch mit dem Hollywood-Recken erfreuten, jagten die Australier das Gepäck von Stallone und Anhang im Rahmen einer "normalen Zoll- und Quarantäne-Kontrolle" durch ein flughafenübliches Röntengerät. Das Ergebnis waren "diverse verbotene Gegenstände", die die Aussis sicher stellten.

Bis weit nach Mitternacht, der Rest des Flughafenpersonals war schon Richtung Schlummerland abgedüst, mussten Stallone und seine Begleiter den Zollbeamten Rede und Antwort stehen. Der 60jährige, berichtet eine australische Zeitung, war äußerst zornig über die unvorhergesehene Luggage Control.

Ein kleines Missverständnis

Einen Tag später, bei der Premiere von "Rocky 6" in Sydney, hatte er sich freilich wieder im Griff. Da sprach er von einem "lediglichen Missverständnis", weil er einige australische Gesetze nicht gekannt habe. Er witzelte, er habe seine Frau im Gepäck gehabt. Abschließend merkte der 60-Jährige gönnerhaft an, dass die Zollkräfte eine "prima Arbeit" machten. Australiens Medien aber hatten ihre Wortspiele fürs Wochenende: "Stallone's rocky road to Australia" und "Sly response to customs cliffhanger" hieß es da. "Stallone steiniger Weg nach Australien" und "Zögerliche Auskunft von Sly nach seinem Zoll-Abenteuer."

Zumindest sicher scheint, dass die "verbotenen Gegenstände" keine "Instone"-Pudding-Tüten gewesen sein dürften. Dieser Eiweiß-Mischmasch, den Stallone vertreibt, ist nämlich legal. Die australische Variante der Nachrichtenagentur Associated Press meldete in der Zwischenzeit, dass hinter dem zollaren Supergau wohl "illegale Body Building Präparate" zu vermuten seien. "Illegal" ist allerdings relativ: In den USA sind Fitness-Präparate zugelassen, die in anderen Ländern nicht nur für Kopfschütteln, sondern für handfeste Gegenmaßnahmen sorgen.

Der eitle Underdog

Tatsächlich hilft Stallone, der in seinen Filmen gerne den Underdog gibt, gerne etwas nach, wenn's um Äußerlichkeiten geht - da ist er durch und durch Amerikaner. So erschien der 60-Jährige bei der Premiere von "Rocky 6" in Köln mit einem fast faltenfreien Gesicht. Dumm nur, dass die offensichtlich chirurgische Unterfütterung der Wangen Stallones Antlitz seltsam aufgequollen wirken ließ.

Die Lust am Gang zum Chirurgen liegt in der Familie: Seine 85jährige Mutter Jackie sieht schon seit Jahren aus wie das Ding aus einer anderen Welt. Obwohl entlastend anzumerken ist, dass Stallone in seiner Kindheit an einer Gesichtslähmung litt, die bis heute zu sehen ist - spätestens seit Ende 2006 wirkt auch er wie ein Opfer der US-Facelift-Mafia. Und nun auch der Hair-Extension-Mafia: Denn bei seiner wallenden Frisur, die er für die kommende Woche beginnenden Dreharbeiten von "Rambo 4" trägt, half er wohl nach. Wer ihn noch vor einem Monat Köln sah, weiß: So schnell wachsen Haare nicht in Richtung Boden - auch nicht, wenn man Gewichte an sie hängt.

Gewichte hat sich Stallone einst um den Rücken gehängt: Mit 30 Kilo Mehrgewicht schob er endlose Runden auf einem Treppensteig-Gerät für Filmrollen. Dennoch war seine imposante Muskulatur immer wieder Grund für Spekulationen. Nachdem er Anfang der 80er Jahre mit einer völlig veränderten Physis bei den Dreharbeiten zu "Rambo 2" erschien, gab es Gerüchte, dass er mehr macht als nur Muskeltraining und mehr zu sich nimmt, als nur 200 Kalorien Proteinnahrung pro Tag. Auch das hatte er mal gemacht, bei der Vorbereitung auf den Film "Victory".

Keine Gnade, keine Rücksicht

Mit seinem Körper kannte Stallone nie Gnade: Für "Rocky 2" trainierte er dermaßen hart, dass er sich den Pectoralis-Muskel so schwer zerrte, dass er sich einer vierstündigen Operation unterziehen musste. Bei den Dreharbeiten zu "Demolition Man" barst ein Blutgefäß in seinem rechtem Arm und führte zu heftigsten Schmerzen: Eine Folge des täglichen 2 1/2-Stunden-Gewichttrainings, das er für den Film absolvierte. Ärzte empfahlen eine Operation, doch Stallone kühlte seinen Arm rund um die Uhr mit Eispaketen und drehte weiter. Ganz nach dem Bodybuilder-Motto "No Pain, no gain": Ohne Schmerzen kein Gewinn. Und den Gewinn hatte Stallone: Der Science-Action-Mix war der letzte Stallone-Film, der nochmal richtig Geld machte. Mit 46 Jahren war der "Demolition Man" in einer dermaßen glänzenden körperlichen Verfassung, dass er sich nackt filmen ließ. Auch damals wurde viel gemunkelt.

No gain, no pain? "No Pills, no gain" entspricht eher der Wahrheit. Wobei Stallone selbst für seinen Übermenschen-Körper in "Rambo 3" nur legale Pillen am Gesamtkunstwerke gesehen haben will. Er habe Amino-Säuren genommen, die fast so stark wie Steroide gewesen seien, so Stallone auf seiner Website: "Das war ungefähr 15 mal stärker als normale Aminosäuren. Aber du kriegst nicht diese Aggressionen, die man bekommt, wenn man Steroide nimmt. Alles, was Steroide aus dir machen, ist eine affenartige Witzfigur." Was man von Stallones aktuellem Look freilich auch sagen kann.

Nun ist der Glaube aller Filmfans, die noch nie bei einer Bodybuilding-Meisterschaft waren, vollends erschüttert: Könnte manch' ein XXL-Körper mehr sein als lediglich ein Auswuchs von Mutter Natur?

Angerosteter Supemann

Denn auch Arnold Schwarzenegger machten jüngst wieder böse Gerüchte zu schaffen. Als Arnie sich im Januar den Oberschenkel beim Skifahren brach, wollte die freche US-Zeitung "Sacramento Bee" wissen, ob die Knochen von seinem einstigen - nach eigenen Angaben geringen - Anabolika-Konsum marode sein könnten. Schwarzeneggers Arzt schmetterte dies empört als "Unterstellung" ab - und setzte dem Terminator, logo, eine Metallplatte, ins Bein. Das war es dann auch schon. Wohl auch deshalb, weil Schwarzenegger einst eine Zeitung verklagte, die das Einsetzen einer Spender-Herzklappe mit Anabolika-Missbrauch in Verbindung brachte. Der australische "Globe" entschuldigte sich, von einem Missverständnis war die Rede.

Vorläufig ist nur eines sicher: Stallones größtes "Missverständnis" war wohl zu glauben, dass Superstars um Gepäckkontrollen herumkommen. Nun hat er nicht nur den Pudding, sondern auch den Salat. Eine Aussage, die er jüngst machte, erscheint nun in einem völlig neuen Licht: "Das Training für "Rocky 6" war extrem hart. Alles, was vor 30 Jahren gut funktionierte, fühlte sich leicht verrostet an. Wie beim Zinnmann aus der "Der Zauberer von Oz", bevor er seine Kanne Öl bekam." Aha.